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Opel Cascada: Offen für sonnige Zeiten

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Berlin (dpa-infocom) - Drei Jahre nach dem Astra TwinTop meldet sich Opel mit einem neuen Cabrio unter freiem Himmel zurück. Der Cascada sucht seine Konkurrenz in der Mittelklasse und überzeugt mit filigranem Design. Abstriche gibt es bei der Sportnote.

shz.de von
erstellt am 26.Mai.2013 | 05:33 Uhr

Berlin (dpa-infocom) - Drei Jahre nach dem Astra TwinTop meldet sich Opel mit einem neuen Cabrio unter freiem Himmel zurück. Der Cascada sucht seine Konkurrenz in der Mittelklasse und überzeugt mit filigranem Design. Abstriche gibt es bei der Sportnote.

Die Hessen von Opel hoffen, dass die Schlechtwetterwolken abziehen. Nicht nur, weil sie einen neuen Chef haben und mit dem «Deutschlandplan» auch in den Fabriken Ruhe einkehren soll. Auch kann ihr neues Modell ein bisschen gutes Wetter gut gebrauchen. Am 20. April kommt der neue Freiluftbegleiter Cascada für mindestens 25 945 Euro auf den Markt.

Anders als bisher tritt Opel damit nicht mehr gegen Konkurrenten wie den VW Golf oder den letzten Ford Focus an. Auch wenn die Technik weiterhin vom Astra stammt, soll der Cascada in die Mittelklasse aufsteigen und es dort mit Autos wie dem Audi A5 oder dem 3er BMW aufnehmen - zumindest was das Format anbelangt.

Obwohl viele Tausend Euro günstiger als diese Modelle aus dem deutschen Süden, ist er mit knapp 4,70 Metern deshalb ähnlich groß und geräumig geraten. Selbst im Fond können es Erwachsene wenigstens bei geöffnetem Verdeck nun auch mal etwas länger aushalten. Und der Kofferraum ist mit einem Volumen von 380 Litern bei geschlossenem Verdeck voll alltagstauglich. Wenn das Dach heruntergeklappt ist, schluckt das Gepäckabteil immer noch 250 Liter.

Das stattliche Format haben die Designer geschickt kaschiert. Vor allem, weil der Cascada jetzt statt des Blechdachs des Astra wieder eine Mütze aus Stoff trägt, wirkt er nicht mehr plump und pummelig, sondern flott und filigran. Kein Blechteil wurde vom Astra übernommen - das Sommerkleid für die Großserientechnik ist individuell geschneidert. Der Cascada hat eine dynamischer gezeichnete Front mit einer markant ausgestellten Motorhaube, die Türen sind länger, die von einer feinen Chromlinie betonte Brüstung ist höher und das Heck ist viel eleganter als etwa bei der Astra Limousine.

Das neue Verdeck sieht nicht nur besser aus, es ist auch die komfortablere und praktischere Lösung. Mit einer zusätzlichen Dämmschicht gut gegen Lärm und niedrige Temperaturen isoliert, lässt es sich bis Tempo 50 auch während der Fahrt binnen etwa 20 Sekunden öffnen und in derselben Zeit auch wieder schließen. Und wer vor der Eisdiele imponieren möchte, der startet den Striptease einfach mit der Fernbedienung.

Auch bei der ersten Testfahrt macht der Cascada einen erwachsenen Eindruck: Das Ambiente wirkt vertraut, zeugt aber bei Materialauswahl und Verarbeitung von mehr Liebe zum Detail. Die Gurte werden von elektrischen Greifern angereicht. Der 1,6-Liter-Motor hat einen sonoren Klang. Er ist der Vorbote einer neuen Motorenfamilie mit Aufladung und Direkteinspritzung und steht dem Cabrio mit seinen 125 kW/170 PS gut zu Gesicht. Denn der Cascada hat im Vergleich zum Astra aber nicht nur in Zentimetern, sondern auch in Zentnern zugelegt und bringt 1,7 Tonnen auf die Waage.

Einerseits sorgt dieses Gewicht mit dem auf 2,70 Metern gestreckten Radstand und einer sogar gegenüber dem Insignia verbreiterten Spurweite für große Gelassenheit. Das Cabrio gleitet deshalb steif und solide über schlechte Landstraßen, nimmt Bodenwellen mit unerschütterlicher Ruhe und hat bei hohem Tempo einen ruhigen Lauf. Auf der anderen Seite aber muss man ihm schon die Sporen geben, wenn man die Sommerfrische etwas sportlicher genießen will.

Opel hat die aufwendige Vorderachse des Astra OPC eingebaut und empfiehlt das Flexride-Fahrwerk mit variablen Dämpfern. Aber selbst damit bleibt der Cascada ein gemütlicher Geselle, der eher zum Reisen als zum Rasen verleitet. Da stört es auch nicht, dass selbst bei maximal 260 Nm Drehmoment 9,6 Sekunden bis Tempo 100 vergehen und bei 222 km/h wieder Schluss ist - genügend Fahrtwind ist auch so garantiert.

Neben dem 1,6-Liter-Motor bietet Opel noch einen 1,4-Liter-Benziner mit wahlweise 88 kW/120 PS oder 103 kW/140 PS und zwei Diesel an. Sie haben beide 2,0 Liter Hubraum und stehen mit 121 kW/145 oder 143 kW/165 PS in der Liste. Damit sind Spitzengeschwindigkeiten zwischen 195 und 230 km/h möglich. Die Verbrauchswerte liegen zwischen 5,2 Litern Diesel und 7,2 Litern Benzin für den 160-PS-Motor mit Sechsgangautomatik (CO2-Ausstoß: 138 bis 168 g/km).

Fazit: Der Kompaktklasse entwachsen

Groß und komfortabel, elegant gezeichnet und edel ausgestattet - obwohl er nur rund 1000 Euro mehr kostet als ein vergleichbar motorisierter VW Golf ist der Cascada der Kompaktklasse tatsächlich entwachsen. Allerdings reicht es ihm bei Leistung und Fahrdynamik nicht so ganz zum Duell mit Audi oder BMW. So wird das Cabrio vielleicht zum ersten Modell einer wiederentdeckten Klasse, die Opel Jahrzehnte definiert hat: Ein großes Auto ohne große Allüren. Datenblatt: Opel Cascada 1.6 SIDI Turbo

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