Gesetzesänderungen ab 1. September : Neues Messverfahren bei PKW - Was sich jetzt ändert

Mit dem WLTPTestverfahren werden die Abgasemissionen und der Verbrauch von Fahrzeugen ermittelt. Vom 1. September an dürfen nur noch Autos verkauft werden, die den neuen Test bestanden haben. Volkswagen AG
Mit dem WLTPTestverfahren werden die Abgasemissionen und der Verbrauch von Fahrzeugen ermittelt. Vom 1. September an dürfen nur noch Autos verkauft werden, die den neuen Test bestanden haben. Volkswagen AG

WLTP - Wie viel Kraftstoff ein Neuwagen verbraucht und wie viele Emissionen er ausstößt, soll in Zukunft mit dem neuen, realistischeren Messverfahren ermittelt werden.

shz.de von
31. August 2018, 04:13 Uhr

Der Grund für ein neues Prüfverfahren:

Genormte Prüfverfahren messen den Kraftstoffverbrauch sowie den Emissionsausstoß von Fahrzeugen, um verschiedene Modelle vergleichbar zu machen. Doch realitätsnah war der seit 1992 gültige NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus) nicht, informiert der Automobilclub Europa (ACE). Im März 2014 beschlossen die Vereinten Nationen eine sukzessive Umstellung auf WLTP – Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure. Zwar kann auch dieses Messverfahren nicht die gesamte Bandbreite der tatsächlichen Fahrzeugnutzung abbilden, jedoch basiert der WLTP auf empirisch erhobenen realen Fahrdaten und liefert deutlich realitätsnähere Verbrauchswerte. Es werden auch weit mehr verbrauchsbeeinflussende Faktoren, wie Fahrstil, Wetter, Reifen und Fahrstrecke, im Test berücksichtigt. In der Folge fallen die gemessenen Verbrauchswerte größtenteils höher aus. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Abgasreinigungssysteme der Fahrzeuge. Autohersteller sind stärker gefordert, vorhandene Technologien anzuwenden und zu verbessern, damit ihre Fahrzeuge sauber sind und typgenehmigt werden.

<p>Ziel der Einführung des neuen Abgas-Messverfahrens WLTP sind möglichst exakte Verbrauchs- und Reichweitenangaben bei Elektroautos.</p>
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Ziel der Einführung des neuen Abgas-Messverfahrens WLTP sind möglichst exakte Verbrauchs- und Reichweitenangaben bei Elektroautos.

Unterschied von der alten zur neuen Messung:

Der WLTP ist wie der NEFZ ein Labortest auf dem Rollenprüfstand. Jedoch ist der neue Testzyklus 50 Prozent länger, erheblich dynamischer und verlangt den Fahrzeugen mehr Leistung ab. Auch bestehen höhere Anforderungen an die Testdurchführung, die Auswertung der Ergebnisse und deren Dokumentation. Beispielsweise wird auch der Einfluss der Sonderausstattung der verschiedenen Fahrzeugmodelle auf den Verbrauch geprüft. Für die Ermittlung der Verbrauchswerte ist nun ein etwa doppelt so hoher Aufwand nötig – doch sind sie dadurch wesentlich realistischer. Zusätzlich zum WLTP werden, zur Kontrolle der Grenzwerteinhaltung für Stickoxide und Partikelanzahl, in der EU seit September 2017 schrittweise auch Straßentests angewendet. Dabei wird der Fahrzeugverbrauch auf der Straße, unter realen Strecken- und Umweltbedingungen sowie unter Fahrzeuglast, abgebildet.

<p>Bei Autobauern kommt es wegen der Umstellung auf WLTP derzeit zu Lieferengpässen. Die Hersteller müssen Modelle unter den schärferen Bedingungen neu zertifizieren lassen.</p>
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Bei Autobauern kommt es wegen der Umstellung auf WLTP derzeit zu Lieferengpässen. Die Hersteller müssen Modelle unter den schärferen Bedingungen neu zertifizieren lassen.

 

Was sich am 1. September ändert:

Die Einführung des WLTP für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge erfolgt schrittweise und nur für Neufahrzeuge. Die nach WLTP ermittelten CO2-Werte wurden erstmals ab dem 1. September 2017 EU-weit bei der Genehmigung neuer Fahrzeugtypen verbindlich. Alte Werte nach NEFZ wurden in Fahrzeugpapieren zusätzlich ausgewiesen. Ab dem 1. September 2018 müssen nun die Werte nach WLTP bei erstmaliger verkehrsrechtlicher Zulassung von Pkw bis zur Emissionsklasse Euro 6c vorliegen. Dies gilt ebenso für Elektroautos. Autohersteller sind somit verpflichtet, neben neuen Pkw-Modellen, auch alle auf dem Markt befindlichen Modelle nach WLTP prüfen zu lassen.

Auswirkungen auf die Kfz-Steuer:

Vom 1. September an dürfen nur noch Autos neu zugelassen werden, die den neuen Prüfstandard durchlaufen haben. Das hat auch Auswirkungen auf die Kfz-Steuer, die nach dem Hubraum und dem CO2-Wert des Fahrzeugs bemessen wird, der sich aus dem Spritverbrauch ergibt. Die Kfz-Steuer wird fortan für neu zugelassene Pkw nach den WLTP-Werten berechnet. Im Vergleich zum alten Prüfstandard werden auf dem Papier überwiegend höhere Verbrauchswerte und damit Emissionen erwartet. Zwar ist der Pkw-Bestand von der Neuregelung nicht berührt - wer aber ein Fahrzeug neu zulässt, muss mit einem WLTP-Zuschlag rechnen. Die Kfz-Steuer werde für viele Autofahrer, die ihr Fahrzeug nach dem Stichtag erstmals zulassen, höher ausfallen, sagt der ADAC-Vizepräsident für Verkehr, Ulrich Klaus Becker.
 

Die wichtigsten Fakten in der Übersicht:

  • Kfz-Steuer für bereits zugelassene Autos bleibt gleich.
  • Für viele ab dem 1. September erstmalig zugelassene Neuwagen erhöht sich die Kfz-Steuer. Wer einen vor dem 1. September erstmalig zugelassenen Gebrauchtwagen danach wieder zulässt, ist davon nicht betroffen.
  • WLTP soll realistischere Werte bei CO2-Ausstoß und Verbrauch - beziehungsweise Reichweite bei E-Autos - abbilden, so der ACE. Für manche Neuwagen kann sich so auch eine geringere Steuer ergeben.
  • Vor dem Neuwagenkauf sollten Verbraucher unbedingt auf den neuen WLTP schauen. Weisen Händler beziehungsweise Autohersteller diesen noch nicht aus, gilt es nachzufragen, denn dieser entscheidet letztlich über die Höhe der Kfz-Steuer. Grundsätzlich finden Autofahrer Angaben zum Schadstoffausstoß nach WLTP oder dem zuvor gültigen NEFZ-Verfahren in ihrem Fahrzeugschein.

(Mit Material von ACE - Automobilclub Europa, dpa)

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