Alter, Kleidung und Helm : Mit Kindern Motorrad fahren - das ist zu beachten

<p>Die neue Motorradsaison weckt in vielen die Lust, aufs Land zu fahren.</p>

Die neue Motorradsaison weckt in vielen die Lust, aufs Land zu fahren.

Auch wenn der Gesetzgeber kein Mindestalter vorschreibt, ab dem Eltern ihre Kinder als Beifahrer auf dem Zweirad mitnehmen dürfen, sind einige Vorschriften und Dinge zu beachten.

shz.de von
06. Juli 2018, 04:16 Uhr

Vorgaben der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung

Die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) besagt, dass das Motorrad mit einem Sitz für den Beifahrer ausgestattet sein muss, der es der beifahrenden Person ermöglicht, sich festzuhalten und die Füße auf Fußstützen abzusetzen. Für Kinder unter sieben Jahren genügt schon ein spezieller Sitz und Radverkleidungen oder ähnliche Einrichtungen, die verhindern, dass die Füße des Kindes in die Speichen gelangen. Auch eine höhere Lehne im Rücken und an den Seiten ist empfehlenswert. Ist ein Kind zwar schon acht Jahre alt, aber zu klein, um die Fußstützen zu erreichen, darf es nur mit, wenn es noch in den speziellen Kindersitz passt.

Die passende Kleidung

Auch für Kinder gibt es mittlerweile die komplette Motorrad-Ausstattung. Genau wie bei Erwachsenen ist es hier unerlässlich, dass die Kleidung sehr gut passt. Wer Kinder hat, die noch mitten im Wachstum stecken, kann deshalb darüber nachdenken, sich Kleidung zu leihen statt zu kaufen. In vielen Fachgeschäften ist dieser Service möglich. Dabei sollte nicht nur auf die Passform geachtet werden, sondern auch darauf, dass die Kleidung warm hält, da Kinder schneller auskühlen als Erwachsene.
 

Auf den Helm kommt's an

Ohne Kinderhelm geht gar nichts. Hierbei sollte man neben der Passform auf folgende Punkte achten:

  • Kinderhelme sind meist etwas leichter, um die Halswirbelsäule nicht zu stark zu belasten
  • Die Helme sollten relativ leicht zu öffnen sein, damit die Kinder ihren Helm selbst auf- und absetzen können.
  • Auf eine gute Belüftung achten, damit der Helm nicht beschlägt.
  • Eine integrierte Gegensprechanlage ermöglicht es den Kindern, mit dem Fahrenden zu kommunizieren. Alternativ kann man ein einfaches Klopfzeichen vereinbaren. Beispiel: Das Kind klopft auf den Oberschenkel des Fahrers, um sich mitzuteilen, falls etwas nicht in Ordnung ist.
Um das Motorrad gut im Griff zu haben, sollten Biker regelmäßig ihre Arme kräftigen.
Bernd von Jutrczenka
Wer überlegt, sein Kind auf dem Motorrad mitzunehmen, muss die Tour sorgsam vorbereiten.
 

Vorsichtig fahren - und vorher üben

Wer beim Sitz, dem Helm und der Motorrad-Kleidung alles beachtet hat, kann das Fahren vorsichtig auf einem leeren Parkplatz wagen. Dann kann auch getestet werden, ob sich Kind und Elternteil überhaupt wohlfühlen, oder ob das Vorhaben besser abgebrochen werden sollte. Insbesondere die Fahrdynamik beim Bremsen, das Beschleunigen und Kurvenfahren muss von beiden geübt werden, da die Schräglage für ein Kind ungewohnt ist. Ohne diese Übung sollte keine Motorradtour starten, denn das Kind muss wissen, wie es sich als Beifahrer verhalten sollte.

Ohnehin gilt laut Experten des Versicherungskonzerns Arag, dass eine Motorradtour nicht länger als 30 Minuten dauern sollte, da es Kinder viel Kraft kostet, sich am Vordermann festzuhalten und ihre Konzentration schneller nachlässt. Wer länger fahren möchte, muss regelmäßige, ausreichende Pausen einplanen, in denen Helm und Kleidung ggf. kurz abgelegt werden können. Auch abseits von der körperlichen Kraft ist hier Vorsicht geboten: Den Kindern muss bewusst gemacht werden, dass Loslassen, zum Beispiel um jemandem zuzuwinken, absolut verboten ist.

Spezielle Gurte mit Halteschlaufen an der Seite können helfen. Diesen Gurt trägt der Fahrer über seiner Kleidung. Tabu ist, Kinder am Fahrer oder am Motorrad mit einem Gürtel festzuschnallen. Denn falls es im schlimmsten Fall doch zum Unfall kommen sollte, wird das Verletzungsrisiko laut Arag-Experten häufig minimiert, wenn das Motorrad und die Fahrer getrennt voneinander stürzen.

Und was selbstverständlich sein sollte: vorsichtig fahren. Schnell beschleunigen, viele Gangwechsel und zahlreiche Kurven auf der Strecke bereiten leidenschaftlichen Motorradfahrern vielleicht Spaß, wenn sie allein unterwegs sind, sind aber für Ausflüge mit Kindern absolut ungeeignet. Letzten Endes bleibt das Motorradfahren trotz großer Übung und passender Ausstattung und Kleidung immer ein Risiko. Jeder verantwortungsvolle Fahrer sollte darum sich und seinem Kind die ehrliche Frage stellen, ob ein gemeinsamer Ausflug auf zwei Rädern wirklich guten Gewissens zu verantworten ist und ob der Stress und die Sorgen, die hiermit verbunden sind, wirklich den Ausflug wert sind.

(mit Material des Arag-Versicherungskonzerns)

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen