Schimpfwörter, Gesten, Aggressivität : 4.000 Euro für den Stinkefinger - so teuer sind Beleidigungen im Straßenverkehr

<p>Autofahrer sollten im Stau nicht die Ruhe verlieren. </p>

Autofahrer sollten im Stau nicht die Ruhe verlieren.

Wer sein Temperament beim Autofahren nicht zügeln kann, der muss mitunter tief in die Tasche greifen.

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30. Juni 2018, 05:39 Uhr

Bald wird es voll auf den Straßen in Schleswig-Holstein: Mit Start der Sommerferien machen sich viele Reisende mit dem Auto auf den Weg in den Urlaub. Wer eine lange Strecke vor sich hat, der ist oft gereizt, wenn der Vordermann nicht so fährt, wie man es sich wünscht. Wer im Straßenverkehr ausfällig wird, muss mit Strafen rechnen. Eine Übersicht.

Wann Meckern eine Straftat ist

Die Straßenverkehrsordnung (§ 1 Absatz 1 StVO) ist eindeutig: Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksichtsnahme. Wer sich aggressiv verhält hingegen, lenkt sich selbst und weitere Verkehrsteilnehmer unter Umständen vom Straßenverkehr ab und gefährdet so die Sicherheit, erklärt die Ergo Group. Hierunter fallen nicht nur lautstarkes Fluchen, sondern auch abwertende Gesten.

Eine Beleidigung im Straßenverkehr gilt nach dem Strafgesetzbuch als Straftat (§ 185 StGB). Sie kann eine Geld-, im Extremfall sogar eine Freiheitsstrafe bedeuten - sofern der Beleidigte innerhalb von drei Monaten einen Strafantrag stellt. Einen festen Bußgeldkatalog gibt es bei Beschimpfungen und beleidigenden Gesten jedoch nicht, über die Höhe der Strafe entscheidet jeweils das Gericht. Hierbei werden zum einen die Tatumstände und zum anderen auch das Einkommen des Beschuldigten berücksichtigt.

Das sind die Durchschnittswerte in Deutschland

Mittelfinger Hierfür veranschlagen Gerichte bis zu 4.000 Euro.
„Den Vogel zeigen“ Bis zu 750 Euro
Verbale Beleidigungen Zwischen 250 Euro („Bekloppter“) und 1.500 Euro („Idiot“).

Wer ausfällig wird, muss mit Folgen rechnen

Wer einen Polizisten beleidigt, der muss mitunter noch mehr zahlen. Hier genügt schon ein hitziges „Du“ statt „Sie“, um mehrere Hundert Euro zahlen zu müssen. Punkte in Flensburg hingegen gibt es seit 2014 für Beleidigungen im Straßenverkehr nicht mehr. Zu früh freuen darf man sich über die Regelungen jedoch nicht, denn Gerichte können zusätzlich zur Hauptstrafe noch ein zeitweiliges Fahrverbot aussprechen.

In absoluter Sicherheit kann sich übrigens auch der Beleidigte selbst nicht wiegen: Legt er eine Vollbremsung hin, um den Beleidigenden zur Rede zu stellen und verursacht so einen Unfall, muss laut Oberlandesgericht Nürnberg die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers bei einer solchen „unangemessenen Reaktion” nicht zahlen.

Internationale Beleidigungen und Gesten

Wer im Ausland mit dem Auto unterwegs ist, sollte ebenfalls vorsichtig sein. Denn nicht in jedem Land bedeuten Gesten das gleiche. Während der Stinkefinger weltweit nicht gern gesehen wird, bedeutet der „Daumen hoch“ in Ländern wie der Türkei, in Nordafrika und dem Mittleren Osten nicht etwa „super“ oder „ich will trampen“, sondern eine Beschimpfung. Den Daumen auf und ab zu bewegen, gilt in vielen Mittelmeerländern, Russland und Teilen Afrikas als obszön. Darum gilt: Temperament zügeln, ruhig verhalten, cool bleiben.

(Mit Material der Ergo Group)

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