zur Navigation springen

Elektroautos in SH : Hier treibt der Wind die Wagen an

vom
Aus der Onlineredaktion

Dank einer aktiven Energie-Genossenschaft besitzt der Kreis Nordfriesland die größte E-Auto-Dichte in ganz Deutschland.

shz.de von
erstellt am 17.Aug.2015 | 11:04 Uhr

Husum/Kiel | Von wegen Hamburg, Berlin oder die umtriebige Rhein-Main-Region: Ganz hoch im Norden findet sich die stärkste E-Mobil-Dichte der gesamten Republik. Die Nordfriesen profitieren vom Strom, den die Windparks vor der Küste liefern. Dabei befindet sich auch die eigene Genossenschaft „eE 4 mobile“ im kräftigen Aufwind.

Sie verschafft ihren Mitgliedern gute Rabatte beim Kauf eines E-Autos und sorgt gleichzeitig für ein dichtes Netz von Ladestationen. Mittlerweile gibt es im Kreis mehr öffentliche Strom-Zapfsäulen als Tankstellen.

Aktuell zählt die Genossenschaft 241 Mitglieder – Tendenz steigend. Nach Angaben von Geschäftsführer Stephan Wiese sind 160 Elektro-Autos allein in Nordfriesland angemeldet. Der Kreis besitzt damit nicht nur die höchste E-Mobilitätsrate im Lande (wo insgesamt gut 500 Fahrzeuge über die Straßen rollen), sondern steht auch bundesweit an der Spitze. Den deutschlandweiten Schnitt beim Anteil der E-Autos an der gesamten Fahrzeugflotte übertrifft Nordfriesland laut Wiese um den Faktor 4.

Die vor fünf Jahren gegründete Initiative verfolgte und verfolgt den Ansatz, den an der Küste in Mengen anfallenden Strom aus Windenergie besser nutzbar zu machen. Bis heute nämlich müssen, weil die Verbraucher fehlen, Windräder oft „pausieren“, wenn die Netze überlastet sind.

Je nach Wetterlage betragen diese Ausfälle nach erzwungener Bremsung bis zu 40 Prozent. Wiese spricht von einer „regionalen Wertschöpfung“, die man optimieren könne. Künftig vielleicht auch mit Pufferspeichern im Wärmebereich, aber das ist noch Zukunftsmusik.

Für Elektro-Fahrräder und E-Autos ist jedenfalls mehr als genug Strom vorhanden. Ziemlich die erste E-Tankstelle wurde im Sommer 2011 am Husumer Kreishaus eingerichtet, seitdem ist das Netz beständig größer geworden. Eine der jüngsten Stationen befindet sich am Parkplatz vor dem Fähranleger in Dagebüll.

Touristen, die Urlaub auf der nordfriesischen Insel- und Halligwelt machen, können sich bei der Rückkehr aufs Festland in ihr aufgeladenes Fahrzeug setzen und nach Hause brausen.

Insgesamt 69 Aufladestationen existieren mittlerweile im gesamten Kreis. Zum Vergleich: Es gibt nur 45 konventionelle Tankstellen. „Der grüne Strom darf nicht teuer sein“, ist das Credo von Stephan Wiese, der unermüdlich an das ökologische Gewissen der Autofahrer appelliert. „Das ist uns eine Herzensangelegenheit. Wir sind aktiver Teil der Energiewende“, erklärt der Geschäftsführer der Genossenschaft „eE4mobile“.

Entgegen weitverbreiteten Vorurteilen sei mittlerweile dank des guten Stationsnetzes und vergleichsweise kurzer Aufladezeiten auch das Reisen mit dem E-Auto möglich. Voraussetzung ist für Wiese nur das Umdenken in den Köpfen der Menschen: „Die Gesellschaft muss von ihrem bequemen Sofa runter.“

Vor zwei Jahren hat die Organisation für Aufsehen gesorgt, als sie auf einen Schlag nicht weniger als 61 E-Autos für Mitglieder einkaufte. Die Hersteller gewähren „eE4mobile“ mittlerweile kräftige Rabatte, da sind die Aufnahmegebühr von 200 Euro und der jährliche Mitgliedsbeitrag von 50 Euro schnell wieder drin.

Zehn Jahre Steuerfreiheit, ein Verbrauch, der im Preis maximal nur die Hälfte der Benzinkosten ausmacht, und geringe Inspektionskosten in der Werkstatt, weil beim E-Auto nahezu die gesamte Motorwartung entfällt – von diesen Vorteilen erzählt Wiese gern.

Für den unermüdlichen Werber in Sachen E-Mobilität ist es ein Trugschluss zu glauben, dass man nur in der Großstadt das E-Fahrzeug sinnvoll einsetzen kann. Mit seiner Genossenschaft ist er dabei, die Provinz zum Vorreiter zu machen und die Metropolen abzuhängen. Die Mitglieder sind sich einig in ihrem Grundsatz: „Wir fahren lieber mit dem Strom vom Deich als mit dem Öl vom Scheich.“

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen