BMW Isetta : Heinz Wegener, Neumünster

Die BMW Isetta von Heinz Wegener. Foto: Privat
Die BMW Isetta von Heinz Wegener. Foto: Privat

Einmal Isetta, immer Isetta. 1965 erwarb Heinz Wegener sein Prachtexemplar - und kehrte 35 Jahre später zur gleichen Marke zurück.

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07. November 2007, 07:31 Uhr

Ach - wie ist das doch lange her, und wie war man doch herrlich jung - damals - aber laßt uns doch einfach von vorn anfangen: Wir hatten Winter in Lübeck - Januar 1965, und es gab damals noch reichlich Schnee und vereiste Straßen. Ich war ein unternehmungslustiger Bursche von 18 Jahren und hatte den Führerschein Klasse III gerade mal 4 Monate in der Tasche. Da meine damalige Freundin Evelyn auf dem Sozius unserer "Kreidler-Florett" (ein super-cooles Moped damals, und das war knorke) nach längerer Fahrt öfter kalte Füße bekam und sich außerdem beim Absteigen manches mal eine Laufmasche an ihren Nylonstrümpfen durch Berühren des heißen Auspufftopfes einhandelte, überlegten wir ein Auto zu kaufen.
Heute ist es vielleicht anders - damals dachten wir demokratisch, solidarisch - naja, jedenfalls machten Evelyn und ich Kassensturz bei unseren jeweiligen Ersparnissen und haben dann einfach zusammengeschmissen. Es kamen, wenn ich mich recht erinnere, etwas über 1.500 DM zusammen. Und so klapperten wir die Gebrauchtwagenhändler in der Schwartauer Allee - die meisten hatten Ihren Laden in dieser Straße - ab. Beim achten oder neunten - vielleicht war es auch der zehnte, so genau weiß ich das nicht mehr, wurden wir dann fündig.
Eine Knutschkugel, bösen Zungen sagten damals auch: "Schlaglochsuchgerät" eine BMW - Isetta. "Oh wie niedlich, wie süß, ja,- die nehmen wir" - so oder so ähnlich steigerte sich Evelyn in die Isetta hinein. Jedenfalls weiß ich heute noch als wäre es erst gestern gewesen, wie begeistert Evi von diesem kleinen Ei auf vier Rädern war. Ich selbst hätte viel lieber einen VW-Käfer gehabt (mit nachrüstbarem Liegesitzbeschlägen an den vorderen Sitzen). Naja - nur Knutschen geht ja auch in der Isetta. Außerdem - als Kleinverdiener mußte man ja auch berücksichtigen, daß die Anschaffung sowie die laufenden Unterhaltskosten bei der Isetta ganz erheblich geringer waren als beim VW-Käfer. Der Händler wollte 1.150 DM haben. Das fand ich und auch Evelyn zu teuer für ein sechs Jahre altes Auto, welches im Neupreis bei 2.650 DM lag. Außerdem waren die Antriebs-Gummi-Elemente gerissen und den Mangel sollte der Käufer auch noch selbst reparieren. Zwar waren diese Gummielemente ein reines Isettaspezifisches Verschleißteil, welches bei BMW für kleines Geld zu haben war. Aber die sehr arbeitsaufwendige und fummelige Arbeit!!! Mit dicken Wurstfingern hat man da echt Probleme.
Ganz alte BMW-Schlosser kennen heute noch die saftigen Flüche, die manchmal durch die Werkstatt hallten, wenn der Mechaniker beim Auswechseln dieser Gummidinger mit den öligen Schraubenschlüssel abrutschte und sich die Handknöchel abschürfte. (Aua)
Die Isetta wollten wir unbedingt haben, und so fing ich gnadenlos zu feilschen an. Evelyn unterstützte meine Bemühungen indem sie mit den Wimpern klimperte und mit dem Petticoat wippte. Jedenfalls fiel nach einiger Zeit bei 1.000 DM der Hammer. Damit war der Kauf perfekt und wurde - so war es damals bei kleinen Gebrauchtwagenhändlern üblich - mit Handschlag besiegelt. Nun mußte ich nur sehen, wie ich die Isetta vom Hof des Händlers zum Tannenweg, wo mein Elternhaus sich befindet, hinbekam. Wegen der gerissenen Antriebs-Gummielemente mußte sie ja abgeschleppt werden. Also fragte ich meinen Freund Ewald. Der hatte damals einen P3 von Ford, wegen der Karosserie-Form auch "Badewanne" genannt. (Ford-Slogan: "Die Linie der Vernunft.") Ewald schleppte mich also mitsamt Isetta ab. Vorsichtshalber hatte er Herbert - einen weiteren Freund aus unserer Clique - mitgenommen. Der sollte nämlich - während der Fahrt ständig nachhinten blickend - darauf achten, daß das Schleppseil ständig straff blieb und bei Gefahrenmomenten Alarm geben, damit Ewald entsprechend reagieren konnte.
Und dann - wir befanden uns als Schleppverband auf der vereisten Schwartauer Allee - fing Ewald an seinen Ford unvernünftig stark zu beschleunigen. Nun begann er auch noch eierige Lenkbewegungen auszuführen, so daß ich mit der Isetta am Seil hängend Pendelbewegungen nicht verhindern konnte. Diese wurden immer größer . Bis Isettchen vom linken bis zum rechten Straßenrand über die vereiste Fahrbahn schlitternd hin und her pendelte. Wären die Kantsteine nicht durch Schneewälle abgefedert gewesen, dann wäre wohl nur noch Schrott übriggeblieben. Vom Zugwagen aus war das wohl sehr lustig anzusehen, denn Herbert, mit ständigem Blick nach hinten, hatte dauernd gegrinst. Mir aber standen die Haare zu Berge - Angstschweiß lief über mein Gesicht, und ich weiß nicht mehr so ganz genau, ob meine Hose trocken geblieben war. Ewald und Herbert merkten nun aber, daß der Spaß sehr gefährlich zu werden begann. Gott sei Dank - ging alles glimpflich ab. Der Rest ist schnell erzählt. Zu Hause angekommen habe ich dann mit Evis Hilfe diese Gummidinger ausgewechselt, und Isettchen sowie Evi und ich freuten uns aneinander. Ein Jahr später wurde ich zum Wehrdienst nach Neumünster eingezogen. Die Isetta habe ich Evi in Lübeck gelassen. Wir haben uns dann aus den Augen verloren - leider.
35 Jahre später, im Oktober 2000 entrümpelte ich für einen Kunden einen Materialschuppen. Hinter einem Durchgang zu einem zweiten Raum steht - nein - die gibt es doch gar nicht mehr - ich glaub es nicht: Eine I s e t t a !!!!! "Ach, du siehst ja aus, wie ein altes gerupftes Huhn" denke ich bei mir und streichele Isettchen über das knubbelige Dach. Die aus Lübeck damals - die sah aber viel schöner aus. Dabei vergesse ich, daß ich selbst nach so vielen Jahrzehnten auch meine Schrammen und Kerben abbekommen habe. Kurzum: An diesem Autochen hängt Herzblut - ich will - nein- ich m u ß dieses Auto haben. Einen Rolls- Royce kann man vielleicht mögen - eine Isetta aber muß man lieben!!! Ich will nicht sterben, bevor ich noch einmal Besitzer, Fahrer, Pfleger, Liebhaber einer Isetta gewesen bin.
So sprach ich also die Besitzerin, eine junge Frau, wegen der Isetta an. "Der Wagen gehörte dem verstorbenen Opa und ist ein Andenken - und wenn überhaupt - ist er unter 3.500 DM nicht zu haben." Hier war wieder gnadenloses Feilschen angesagt .Mancher arabische Kamelmilchhändler im Basar hätte nun seinen Meister gefunden. Es kostete zwei weitere Besuche bei der Besitzerin wegen des Verkaufes.Beim letzten Besuch und meinem Hinweis auf Isettchen damals - und Evelyn- und daß ich für eine Isetta nie mehr als 1.000 DM ausgebe, wurden wir uns dann nach dem dritten Cola-Whisky einig: für 1.000 DM!!! Natürlich habe ich einiges repariert ... - und ich gebe sie nun nie mehr her. Sie war mein erstes Auto, und sie wird mein letztes Auto sein. Wenn ich mich zu einer Ausfahrt ins Isettchen setzte, denke ich manchmal an Wimpern, an Petticoats und an Nylonstrümpfe - einfach an Evelyn. Wo sie heute wohl ist - was sie wohl macht - wie es ihr geht? Ach - wie war es doch schön - damals. Die auf dem Foto abgebildete Isetta ist meine letzte - das "gerupfte Huhn" - und befindet sich regelmäßig im Alltagseinsatz. Solange ich Auto fahren kann, werde ich ihr die Treue halten.

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