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Bilanz nach 10 Jahren : Gute Noten für den Führerschein mit 17

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach zehn Jahren begleitetem Fahren ziehen Verkehrsexperten eine positive Bilanz. Im Pionier-Land Niedersachsen nimmt bereits die Hälfte der Neulinge das Angebot wahr. Der ADAC setzt sich für eine Reform der Führerscheinausbildung ein.

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erstellt am 12.Apr.2014 | 11:33 Uhr

Berlin | Der Widerstand war groß. Aber heute sind auch die Kritiker froh, dass es ihn gibt: „Der Führerschein mit 17 ist sehr erfolgreich“, sagt Hannelore Herlan von der Deutschen Verkehrswacht.

Vor zehn Jahren, am 19. April 2004, führte Niedersachsen als erstes Bundesland in einem Modellversuch das Angebot ein. Jugendliche machen eine Führerscheinausbildung inklusive Prüfung, bevor sie 18 Jahre alt sind. Als 17-Jährige dürfen sie in Begleitung eines erfahrenen Autofahrers hinterm Steuer sitzen. Mit 18 bekommen sie ihren „Lappen“.

Inzwischen gibt es Studien über den Effekt. Demzufolge wird durch das begleitete Fahren das Unfallrisiko in den ersten beiden Jahren des selbstständigen Fahrens um 20 Prozent verringert. „Damit erweist sich das begleitete Fahren ab 17 unter allen Fahranfängermaßnahmen als die Maßnahme mit der weitaus höchsten Sicherheitswirksamkeit“, heißt es dazu aus der Bundesanstalt für Straßenwesen. Der positive Effekt des begleiteten Fahrens bestehe darin, dass die jungen Autofahrer nach ihrer Fahrprüfung nicht sofort alleine im Auto sitzen, sondern noch viele Monate ständig von einem erfahrenen Erwachsenen begleitet werden, der Tipps und Hinweise geben kann, erklärt Herlan.

Zum Start des niedersächsischen Modellversuchs gab es durchaus heftige Kritik. Der ADAC befürchtete zum Beispiel einen rasanten Anstieg der Unfälle unter Fahranfängern. Inzwischen ist auch aus dem Münchner Autoclub ein Befürworter geworden. „Wir haben dazugelernt“, sagt ADAC-Sprecher Andreas Hölzel. Der ADAC setzt sich jetzt allerdings für eine Reform der Führerscheinausbildung mit zwei Stufen ein. „Wir sind der Ansicht, dass es eine zweite Phase braucht, die weiter geht, etwa mit verkehrspsychologischen Seminaren oder speziellen Trainingsangeboten“, sagt Hölzel. Denn auch trotz solcher Angebote wie dem begleiteten Fahren baut die Altersgruppe von 18 bis 25 Jahren immer noch die meisten Unfälle.

Seit 2008 haben alle Bundesländer den „Führerschein mit 17“ eingeführt, 2011 ist aus dem Modellversuch eine bundesweit gesetzlich geregelte Möglichkeit geworden. In Schleswig-Holstein setzen laut Tüv Nord wie im Bundesschnitt inzwischen 40 Prozent aller Fahranfänger auf das begleitete Fahren. Im Pionier-Land Niedersachsen nimmt bereits die Hälfte der Neulinge das Angebot wahr.

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