„Von O bis O“ : Goldener Oktober: Weshalb jetzt schon an den Reifenwechsel gedacht werden sollten

<p>In Bezug auf die Rutschfestigkeit bei nassem Laub auf der Straße haben Winterreifen keinen nennenswerten Vorteil gegenüber Sommerreifen. Gerät man durch Nässe ins Schlingern, sollte man ruhig bleiben und hektische Bewegungen vermeiden. </p>

In Bezug auf die Rutschfestigkeit bei nassem Laub auf der Straße haben Winterreifen keinen nennenswerten Vorteil gegenüber Sommerreifen. Gerät man durch Nässe ins Schlingern, sollte man ruhig bleiben und hektische Bewegungen vermeiden.

Von Oktober bis Ostern: Diese Faustregel hören Autofahrer jedes Jahr wieder, wenn es darum geht, die Sommerreifen abzulegen. Eine Übersicht über die richtigen Reifen und Regelungen im Ausland.

shz.de von
11. Oktober 2018, 03:55 Uhr

Die Wettervorhersage für die nächsten Tage ist vielversprechend: Statt nassgrauem Herbstwetter kommt der Oktober noch einmal so richtig in Fahrt. Warme Temperaturen und viel Sonnenschein sorgen auch in Norddeutschland für spätsommerliche Gefühle. Dass Autofahrer dabei nicht in erster Linie an den Reifenwechsel an ihrem Auto denken, ist zu verstehen. Dennoch sollte trotz der Euphorie wegen der milden Herbsttage nicht vergessen werden, dass die Temperaturen nachts stark abfallen können und es teilweise sogar zu Bodenfrost kommen kann. Experten der Arag-Versicherung erklären, weshalb es ratsam ist, sich an der „Von ,O' bis ,O'“-Faustregel zu orientieren und was bei der Fahrt in den Urlaub zu beachten ist:

Zeitraum für Winterreifen

Seit dem Jahr 2010 ist eine sogenannte „situative Reifenpflicht“ in der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) verankert. Allerdings ist dabei nicht fest vorgeschrieben, innerhalb welcher konkreten Zeit Fahrzeuge mit Winterreifen auf der Straße unterwegs sein sollen. Aber auch ohne gesetzliche Vorschrift sollte rechtzeitig an einen Reifenwechsel gedacht werden, denn zu früh ist in diesem Falle besser als zu spät. Bei tieferen Temperaturen härtet die Gummimischung von Sommerreifen nämlich aus und kann immer weniger Grip aufbauen. Hersteller empfehlen den Wechsel auf Winterreifen daher schon, wenn die Außentemperaturen auf unter sieben Grad Celsius sinken. Die Faustregel, die Winterreifen von Oktober bis Ostern aufzuziehen, bietet hier deshalb nach wie vor eine gute Orientierung.

Zugelassene Reifenarten

Straßen mit Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte sollten nur von Fahrzeugen befahren werden, die mit wintertauglichen Reifen ausgerüstet sind. Seit vergangenem Jahr gibt es rechtliche Neuerungen für Winterreifen. Als geeignet gelten dabei laut Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) grundsätzlich nur noch solche Reifen, die das Alpine-Symbol, ein Bergpiktogramm mit Schneeflocke, aufweisen. Sogenannte M+S-Reifen dürfen nach einer Übergangsregelung nur noch bis zum 30. September 2024 gefahren werden, sofern sie bis zum 31. Dezember 2017 hergestellt wurden. Wer gegen die Winterreifenpflicht verstößt, muss mit einem Bußgeld von bis zu 80 Euro und einem Punkt in Flensburg rechnen.

Die Kennzeichnung, wie schnell man mit den jeweiligen Winterreifen höchstens unterwegs sein darf, findet man übrigens auf den Reifen selbst. Der hintere Buchstabe gibt hierbei Auskunft über die zulässige Höchstgeschwindigkeit. Ein Reifen mit der Bezeichnung „195/65 R15 91V“ zum Beispiel darf bis zu 240 km/h fahren. Hierbei gelten nämlich folgende Geschwindigkeitszuweisungen:

  • L: bis 120 km/h
  • M: bis 130 km/h
  • P: bis 150 km/h
  • Q: bis 160 km/h
  • R: bis 170 km/h
  • S: bis 180 km/h
  • T: bis 190 km/h
  • H: bis 210 km/h
  • V: bis 240 km/h
  • W: bis 270 km/h
<p>Wer mit Sommerreifen über schneebedeckte Straßen fährt, ist regelrecht aufgeschmissen. Allerdings sollte man mit dem Reifenwechsel nicht erst auf den tiefsten Winter warten. </p>
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Wer mit Sommerreifen über schneebedeckte Straßen fährt, ist regelrecht aufgeschmissen. Allerdings sollte man mit dem Reifenwechsel nicht erst auf den tiefsten Winter warten.

 

Regelungen im Ausland

Wer im Herbst oder Winter einen Urlaub außerhalb von Deutschland plant, sollte bedenken, dass es auch in anderen europäischen Ländern eine Winterreifenpflicht gibt. Diese ist in einigen Ländern sogar strenger und konkreter als bei uns: Ist man zum Beispiel in Österreich vom 1. November bis zum 15. April bei winterlichen Verhältnissen mit Sommerreifen unterwegs, riskiert man nicht nur ein hohes Bußgeld, sondern auch, dass das Fahrzeug aus dem Verkehr gezogen wird. In Norwegen dürfen Sommerreifen bei Eis und Schnee nur mit Schneeketten gefahren werden. In bestimmten Gegenden Italiens müssen vom 15. Oktober bis zum 15. April die Winterpneus aufgezogen sein oder Schneeketten mitgeführt werden und in Schweden sollte man eine Schneeschaufel im Kofferraum haben. Aufgrund der unterschiedlichen Handhabungen ist es ratsam, sich kurz vor Ferienantritt über die jeweiligen Bedingungen im Urlaubsland zu informieren. Denn Verstöße sind nicht nur gefährlich, sondern können auch sehr teuer werden.

Was hat die EU-Plakette damit zu tun?

Rollwiderstand, Nasshaftung und Abrollgeräusch – das sind die Prüfkriterien der EU-Kennzeichnung. Seit dem Jahr 2012 muss jeden neuen Reifen, der nach dem 1. Juli 2012 produziert wurde, ein Label zieren, das Auskunft über das Reifenverhalten gibt. Nur auf den Rollwiderstand zu achten, der den Kraftstoffverbrauch angibt, ist nicht empfehlenswert. Der wichtigste Wert hinsichtlich der Verkehrssicherheit ist die Nasshaftung. Hier kann die Differenz im Bremsweg zwischen gutem A- und schlechterem F-Reifen bei mehreren Metern liegen. Bei einer Vollbremsung kann dies den Unterschied zwischen einem großen Schrecken und einem Totalschaden ausmachen. Dies sollte natürlich gerade auch beim Neuerwerb von Winterreifen beachtet werden – das Fahrverhalten auf Schnee und Eis ist aber nicht explizit gekennzeichnet. Daher ist es beim Winterreifenkauf zusätzlich ratsam, auch auf unabhängige Testberichte zurückzugreifen.

(Mit Material der Arag-Versicherung und Tüv Nord)

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