Auto-Psychologie : Gepflegt oder vermüllt? Was der Innenraum von Autos über den Charakter verrät

Wenn das Auto zum zweiten Zuhause wird - insbesondere Arbeitnehmer, die viel pendeln, scheinen sich in ihrem Gefährt manchmal wohnlich einzurichten.

Wenn das Auto zum zweiten Zuhause wird - insbesondere Arbeitnehmer, die viel pendeln, scheinen sich in ihrem Gefährt manchmal wohnlich einzurichten.

Jeder hinterlässt Spuren – auch im Auto. Was das Fahrzeuginnere über Musikgeschmack und Charakter verraten kann.

ekert_agnes-.jpg von
08. Oktober 2018, 04:12 Uhr

Ein neuer Nachbar zieht ein. Auf dem Parkplatz stehen zwei unbekannte Fahrzeuge – ein sauberes, gepflegtes Inneres strahlt im Vorbeigehen entgegen. Daneben ein etwas älteres Modell – eine Flasche liegt auf dem Beifahrersitz, Zeitschriften und leere Keksverpackungen sind arglos vergessen worden. Als neuen Nachbar wünschte sich wahrscheinlich jeder lieber den Besitzer des ersten Autos.

Hobby-Spionage als Forschungsgebiet

Laut Diplompsychologe Christian Müller von Tüv Nord entsteht der erste Eindruck, den man von einer unbekannten Person hat, weitgehend unbewusst aufgrund von Erfahrungen und Assoziationen. Das Bild, das sich vor dem inneren Auge auftut, kann sich im Nachhinein als falsch outen, oft jedoch liegt man damit gar nicht so daneben, wie der Psychologe Sam Gosling von der University of Texas äußerte. Er untersucht, was man aus Spuren, die Menschen in ihrem Lebensraum hinterlassen, schließen kann und forscht dazu in seinem Forschungsgebiet „Snoopology“. Dieser Name leitet sich ab vom englischen Wort „to snoop“, was so viel bedeutet wie „herumschnüffeln“ oder „ausspionieren“. Die Grundidee bleibt dabei, dass der unmittelbare Lebensraum eines Menschen viel über seinen Charakter verrät.

Welche Rückschlüsse sich schließen lassen

Neben der eher einfach zu erahnenden Frage des Geschlechts lässt sich bei genauerem Hinsehen auch auf die Persönlichkeit schließen. In seinem Buch „Snoop“ erklärt Sam Gosling, mit welchen Hinweisen und Fragen man auf Charakterzüge schließen kann. Beispielsweise deutet ein vermülltes Auto nicht nur auf Unordentlichkeit hin, sondern impliziert auch eher liberale politische Überzeugungen. Diese findet sich häufig bei kreativen und weltoffenen Charakteren. Dahingegen zeugt ein ausgeprägter Ordnungssinn eher von konservativen und konventionellen Menschen, so der Psychologe. Natürlich können spezielle Situationen oder Lebensumstände zu einer Verzerrung dieses Bildes führen, beispielsweise sich wenn während eines Umzugs mal mehr Müll und Kram im Autoinneren ansammelt. Ein einzelnes Indiz ist also wenig aussagekräftig. Erst wenn mehrere Beobachtungen in dieselbe Richtung weisen, lassen sich verlässliche Rückschlüsse ziehen, so Müller vom Tüv Nord.

Wer putzt, ist konservativer, darauf deutet die These des Psychologen Sam Gosling hin.
Adobe Stock, ivanko80

Wer putzt, ist konservativer, so die These des Psychologen Sam Gosling.

 

Musikgeschmack im Auto

Besonders gut lassen sich Musikgeschmäcker untersuchen. Abzulesen sind sie von CDs oder bedruckten Kleidungsstücken, die im Auto zurückgelassen worden sind. Neben Gosling haben weitere Forscher herausgefunden, dass spezielle Musikvorlieben mit bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen einhergehen. Hip Hop- und Country-Fans sind demnach eher geselliger und energischer, gelten also insgesamt als eher extrovertiert. Als besonders aufschlussreich erwiesen sich Hörer von Popsongs: Sie gelten nicht nur als extrovertierter, sondern auch verträglicher, gewissenhafter und konservativer als der Durchschnitt. Auf höhere Bildungsgrade lassen klassische Musik sowie Jazz und Opernmusik schließen, aber auch vielseitiger Lesestoff und anspruchsvolle Literatur geben Hinweise auf höhere Bildungsabschlüsse.

Wer Popmusik mag, ist überdurchschnittlich extrovertiert, behaupten Forscher.
Adobe Stock/ Jacob Lund

Wer Popmusik mag, ist überdurchschnittlich extrovertiert, behaupten Forscher.

 

Natürlich sollte man keine schnellen Rückschlüsse ziehen, aber für einen ersten Eindruck oder eine Vorahnung kann die „Snooping-Methode“ sehr praktisch sein. Ist man beispielsweise von einem anderen Auto zugeparkt, lässt ein Blick in den Innenraum eventuell erahnen, wer in der Supermarktschlange der Übeltäter war.
 

(Mit Material von Tüv Nord)

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen