Gang rein, Gas geben – und austesten

Ups, leider drüber: Sibylle Bremer bei einem Ausweichmanöver auf dem Gelände des Verkehrsinstituts Nord.
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Ups, leider drüber: Sibylle Bremer bei einem Ausweichmanöver auf dem Gelände des Verkehrsinstituts Nord.

Fahrsicherheitstraining als Gemeinschaftsaktion unserer Zeitung mit den Itzehoer Versicherungen

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13. Juli 2015, 15:30 Uhr

Natürlich ist es nur ein Klischee, dass Frauen schlechter als Männer Auto fahren können. Aber Fakt ist leider trotzdem, dass es schon bei einer der ersten Übungen ausgerechnet eine Frau mit langen blonden Haaren am Steuer ist, die auf der Trainingsstrecke die Spur nicht halten kann und eine Pylone umfährt – nämlich ich. Ganz klar, hierbei handelt es sich nur um einen dummen Zufall, der aber dennoch etwas nachdenklich stimmt. Wie sicher fahre ich eigentlich?

Auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände Hungriger Wolf bei Itzehoe kann genau diese Frage geklärt werden, denn dort bietet das Verkehrsinstitut Nord ein Fahrsicherheitstraining an. Redakteure und Mitarbeiter der Itzehoer Versicherungen sind eingeladen, vorab schon einmal auszuprobieren, was die Leser der Zeitungen des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages und des A.-Beig-Verlages in einer Leseraktion am 22. August selbst trainieren können (Anmeldung unter shz.de/fahrsicherheitstraining). An drei Stationen mit Schulungs-Parcours werden Basiswissen vermittelt und Gefahrensituationen simuliert. Wie man sich im Straßenverkehr richtig verhält, „erfahren“ die Teilnehmer gemeinsam.

Los geht es für unsere Gruppe schon gleich mit jener Übung, die am meisten Aufregung verspricht. Volker Stolley trainiert die Vollbremsung aus verschiedenen Geschwindigkeiten auf unterschiedlichen Belägen. Auf trockener Fahrbahn fällt das Bremsen bei Tempo 50 noch leicht, bei Tempo 70 wird es hingegen schwieriger. Wichtig ist, dass der Fuß konsequent auf die Bremse drückt. Die Reifen quietschen, das Antiblockiersystem greift, das Fahrzeug bricht nicht aus. Auf nasser Fahrbahn zeigt sich dann jedoch eindrucksvoll, wie weit sich der Bremsweg bei höherer Geschwindigkeit verlängert. Schrecksekunden, die für eine Adrenalinausschüttung sorgen. „Gut gemacht“, versichert trotzdem Stolley, was etwas beruhigt, denn es kostet Überwindung, derart stark in die Eisen zu treten. Abschließend gilt es, bei nasser Strecke zu bremsen und einem Hindernis ausweichen. Diesmal aber lässt sich der Wagen kaum noch kontrollieren. Die Pylone landet unter dem Vorderreifen. „Typisch Frau am Steuer“, scherzt mein Beifahrer.

Das Slalomfahren steht als nächste Übung mit Trainer Tim Hellfeuer auf dem Programm. Wieder müssen Warnkegel umfahren werden. Die Verständigung mit dem Trainer erfolgt über Walkie-Talkie. „Schaut in die Lücke, nicht auf die Kegel“, rät Hellfeuer. „Der Mensch neigt sonst dazu, dort hinzufahren, wo er hinschaut.“ Ruckartige, schnelle Lenkbewegungen seien nötig, um das Auto zu stabilisieren.

Die letzte Station des mehrere Stunden dauernden Fahrsicherheitstrainings hat wenig mit Action zu tun. Michael Breitling blickt ins Autoinnere der Teilnehmer und kontrolliert die Einstellung der Sitze, Kopfstützen, des Lenkrads und der Außenspiegel. Viel Wert legt er auf das richtige Transportieren von Gegenständen im Kofferraum. Jegliche Ladung entwickle bei hohem Tempo eine Dynamik und werde zum Geschoss, das eine echte Gefahr für Fahrer und Mitfahrer bedeuten könnte, so Breitling. Er zeigt, wie es mit Transportnetz oder Sicherungsseilen besser geht. Ein Teilnehmer des Trainings weiß bei dieser Gelegenheit von einem entfernten Verwandten zu berichten, der durch einen unsachgemäß verstauten Spaten im Kofferraum bei einem Unfall geköpft wurde. Spätestens jetzt ist jedem klar, wie wichtig das richtige Verstauen ist.

Der Tag in Hohenlockstedt endet dann mit der Königsdisziplin: Einparken vor Publikum. Auch hierbei helfen Tipps weiter. „Ihr müsst die Spiegel auf die Reifen richten“, erklärt Breitling. Und tatsächlich, dann klappt es besser, was mir die Anerkennung meiner Kollegen beschert. Einparken ist eben doch Frauensache – Klischee hin oder her.

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