Ford Fiesta : Felix Ferges, Flensburg

Der Ford Fiesta von Felix Ferges.
Der Ford Fiesta von Felix Ferges.

Knackiger Motorsound, eine komplett undichte Fahrgastzelle und regennasse Sitze: mein Fiesta und ich hatten eine wunderbare Zeit - bis der TÜV uns trennte.

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01. November 2007, 12:14 Uhr

Klein, rot und undicht. Das war mein erstes Auto. Ein Ford Fiesta, besser bekannt als Ford Fiasko. Undicht war nicht nur die Fahrgastzelle, so dass sich die Schaumstoffsitze im Fond bei Regen gerne mit Wasser vollsogen, undicht war auch der Motor. Das lag vielleicht an dem langen Riss in seiner Mitte. Unvergesslich auch der knackige Motorsound, der auf Mittelwelle aus den Boxen des schlecht entstörten Radios schepperte. Damit konnte man an der Ampel schon die Blicke der holden Weiblichkeit auf sich ziehen.
900 Mark hat der Fiesta gekostet und mich, solange ich ihn besaß, nie im Stich gelassen. Der Beiname "Fiasko" wird ihm also nicht gerecht. Ob aus dem Ruhrpott nach Berlin, an die Ostsee, nach Polen oder mit den Zivi-Kollegen einfach nur an den Badesee - kein Problem. Und 170 aufm Tacho, bergab mit Rückenwind und Licht aus, waren immer drin. Das waren großartige acht Monate. Eine tolle Zeit - bis der TÜV fällig war: Wirtschaftlicher Totalschaden die Diagnose des Prüfers. Und das obwohl ich die defekte Innenverkleidung so hochprofessionell und großflächig mit silbernem Klebeband ausgebessert und den undichten Tankstutzen ausgewechselt hatte. Seitdem roch es in engen Rechtskurven nicht mehr so nach Tankstelle, das Benzin blieb dort, wo es hingehörte. Doch die Blaukittel kannten keine Gnade.
Wehmütig fuhr ich den Kleinen persönlich zum Schrottplatz und parkte ihn liebevoll ein ... ein letztes Mal. Aber in meinen Gedanken fährt der kleine, rote und undichte Fiesta auch heute noch, und fährt und fährt und fährt und...

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