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Steigende Unfallzahlen in SH : Experten plädieren für Tempo 80 auf Landstraßen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mehr Unfälle, viele Sicherheitsmängel: Experten sprechen sich für gedrosselte Geschwindigkeiten aus.

shz.de von
erstellt am 25.Jan.2016 | 06:30 Uhr

Kiel | Dürfen Autofahrer auf Landstraßen demnächst statt Tempo 100 nur noch 80 fahren? Dieser Vorschlag kommt von Verkehrsexperten. Fakt ist: trotz höherer Bußgelder, Blitzer-Marathons und Tempolimits gibt es einen deutlichen Anstieg bei den Verkehrsunfällen. So kam es 2015 nach einer Prognose des Statistischen Bundesamtes in Deutschland zu 2,5 Millionen Unfällen – im Vergleich zum Vorjahr eine Zunahme von vier Prozent. Die Zahl der Verkehrstoten stieg im gleichen Zeitraum um zwei Prozent auf 3450.

Allein auf Landstraßen passieren dabei laut ADAC weit mehr als die Hälfte aller Verkehrsunfälle, hier gibt es laut Verkehrssicherheitsrat zwei Drittel aller Verkehrstoten. In Schleswig-Holstein sind die Unfälle auf Landstraßen im Zusammenhang mit Verletzten von 2012 an (8604) bis 2014 (9169) gestiegen, die Zahl der Toten nahm von 85 auf 100 zu.

Verantwortlich für die Situation ist nach Meinung von Fachleuten nicht nur eine schnelle oder riskante Fahrweise, das Problem seien auch die Straßen selbst. Zu schmale Fahrbahnen, enge Kurven, unübersichtliche Kuppen, fehlende Markierungen, Bäume am Fahrbahnrand und ein Mangel an Schutzplanken. „Die Beseitigung all dieser Probleme ist absolut nicht finanzierbar, Kontrollen haben nur eine homöopathische Wirkung“, sagt Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer in Berlin. „Deshalb ist es eine gute Idee, auf allen Straßen außerorts gesetzlich ein grundsätzliches Höchsttempo von 80 festzulegen.“ Auch eine Anhebung der bisherigen Höchstgeschwindigkeit für Lkw über 7,5 Tonnen von 60 auf 80 sei in diesem Zuge sinnvoll, um den Verkehrsfluss zu gewährleisten.

Unterstützung bekommt Brockmann vom Landesverband der Gewerkschaft der Polizei: „In Dänemark gibt es das, die Akzeptanz ist da“ sagt Sprecher Karl-Hermann Rehr. „Warum soll das hier nicht gehen?“ Viele Straßen seien im schlechten Zustand, Ausnahmen nach oben müssten aber möglich sein, wenn die Straßen gut ausgebaut sind.

Anders herum wird für den ADAC-Vizepräsident und Landesvorsitzenden Ulrich Klaus Becker ein Schuh daraus: „Wir wollen Tempo 100 beibehalten, aber wo es aus verkehrsbedingten Gründen erforderlich ist, sollte man auf Tempo 80 reduzieren.“ Das marode Straßennetz dürfe allerdings nicht als Anlass für solche Beschränkungen genommen werden. Vielmehr sei das Land gefordert, zügig Sanierungsmaßnahmen zu ergreifen.

Eine Regelgeschwindigkeit von 80 km/h bedürfe einer Änderung der Straßenverkehrsordnung durch den Bund, heißt es aus dem Kieler Verkehrsministerium. Bisher seien diesbezüglich keine Überlegungen bekannt. „Das größte Risiko im Verkehr ist und bleibt das Fehlverhalten von Fahrzeugführern.“

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