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Direkter Draht zur Straße: Die vollelektronische Lenkung kommt

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Berlin (dpa/tmn) - Wenn sich ein Auto nicht mehr per mechanischer Verbindung zwischen Lenkrad und Rädern steuern lässt, dürfte das viele Fahrer irritieren. Dabei ist Steer-by-Wire - also das Lenken per Datenkabel - potenziell sicherer. Dennoch bleibt es die Ausnahme.

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erstellt am 28.Mai.2013 | 11:33 Uhr

Berlin (dpa/tmn) - Wenn sich ein Auto nicht mehr per mechanischer Verbindung zwischen Lenkrad und Rädern steuern lässt, dürfte das viele Fahrer irritieren. Dabei ist Steer-by-Wire - also das Lenken per Datenkabel - potenziell sicherer. Dennoch bleibt es die Ausnahme.

Am Steuer sitzen - das trifft nicht nur wortwörtlich auf Autofahrer zu. Es steht im übertragenen Sinn auch für das Ausüben von Macht: Der Fahrer hat seinen Wagen über das Lenkrad in der Hand, kann ihn in Extremsituationen rumreißen, es geht um Gehorsam des Blechkameraden. Doch was ist, wenn es zwischen Lenkrad und Achse keine mechanische Verbindung mehr gibt und die Lenkbefehle nur über ein Datenkabel weitergegeben werden?

Bei den aktuellen Pkw werden die Räder wie zu Anfangszeiten des Fahrzeugbaus letztlich immer noch über eine mechanische Verbindung gelenkt, wenngleich selbst bei Kleinwagen die Servolenkung heute Standard ist. Funktioniert die Unterstützung des Fahrers bei den Lenkbewegungen dort oft noch mittels Hydraulik, hat sich in höheren Fahrzeugklassen die elektrische Servolenkung etabliert. Hier helfen kleine E-Motoren, die sich aber nur zuschalten, wenn der Fahrer eine Lenkunterstützung braucht, erläutert der TÜV Nord.

Doch noch in diesem Sommer wird ein Vorreiter es anders machen: der Q50 der Nissan-Marke Infiniti, der erst in den USA und im September auch in Europa starten soll. Die Mittelklasselimousine wird laut dem Hersteller das weltweit erste Serienfahrzeug mit vollelektronischer Lenkung sein. Die Steuerbefehle werden über die Elektronik viel schneller umgesetzt, «als es die Mechanik je könnte», heißt es bei Infiniti. Das vermittle das Gefühl einer besonders direkten Lenkung, sagt Sprecherin Michaela Potisk. Die Steer-by-Wire-Technologie ermögliche auch die individuelle Einstellung der Lenkkraftunterstützung sowie der Lenkübersetzung.

«Die Kräfte bei vollelektronischen Lenkungen können frei ausgelegt werden», bestätigt Bettina Abendroth von der Technischen Universität Darmstadt. Und ihr Kollege vom Fachgebiet Fahrzeugtechnik, Prof. Hermann Winner, ergänzt: «Diese Stellschraube haben Sie.» Das Lenk- und Fahrgefühl, das dem Fahrer über das Steuer mitgeteilt wird, kann also unabhängig von der Straßenbeschaffenheit beeinflusst werden.

Durch Steer-by-Wire ließen sich laut Winner zwar Vibrationen im Lenkrad weiter verringern. Doch das und auch die tempoabhängige Lenkkraftunterstützung bietet im Prinzip auch schon die elektrische Servolenkung. Auch Fahrassistenzsysteme wie Spurhalteassistent oder Einparkhilfe lassen sich nach TÜV-Angaben bereits an die Servolenkung anbinden. Immerhin: «Den Geradeauslauf kann man mit Hilfe von Kameras noch optimieren», nennt Winner ein Privileg von Steer-by-Wire. Außerdem ist eine vollelektronische Lenkung platzsparend. So ergeben sich neue Gestaltungsfreiräume für den Innenraum - denkbar wäre etwa ein wegklappbares Lenkrad, sagt Oliver Strohbach, Sprecher bei Audi.

Eine Herausforderung für die Ingenieure, die es auch bei der elektrischen Servolenkung schon gibt, bleibt: das oft als künstlich oder synthetisch wahrgenommene Gefühl beim Lenken. Bei der vollelektronischen Variante dürfte der Fahrer bemerken, dass er keinen direkten Kontakt mehr zur Straße hat: «Ein authentisches Lenkgefühl zu erzeugen, ist eine hehre und teure Aufgabe», sagt Prof. Winner.

Trotz der Marktpremiere bei Infiniti ist Steer-by-Wire kein technisches Novum. Mercedes etwa stellte 2003 das Forschungsfahrzeug F 500 Mind mit vollelektronischer Lenkung vor, dessen ovales Volant an das Steuerhorn von Flugzeugen erinnert, wo Steer-by-Wire schon lange Standard ist. Audi zeigte 2011 den A2 Concept, in dem es gar keine mechanischen Verbindungen vom Cockpit in den Motorraum gibt.

In Serienautos erfordern gesetzliche Regularien, dass der Fahrer in der Lage sein muss, alle Assistenzsysteme, und damit auch die vollelektronische Lenkung, mechanisch zu überstimmen. Deshalb musste Infiniti beim Q50 eine Kupplung einbauen, die im Notfall eine mechanische Verbindung zwischen Lenkrad und Rädern herstellt.

Prof. Winner dämpft mögliche Ängste vor der Datenkabeltechnik: «Eine Steer-by-Wire-Lenkung kann man sicherer hinbekommen als jede mechanische.» Dass Steer-by-Wire ein schneller Erfolg wird, bezweifelt der Experte dennoch. Die Technologie sei noch zu teuer.

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