zur Navigation springen

Zugefrorene Scheiben, Schnee auf Dach : Diese Strafen drohen Autofahrern im Winter

vom
Aus der Onlineredaktion

Für viele Autofahrer ist es derzeit täglich lästige Pflicht: das Freikratzen der Scheiben. Wer das nicht macht, muss mit Bußgeld rechnen. Nicht erlaubt ist unter anderem auch das Warmlaufenlassen des Motors.

shz.de von
erstellt am 24.Jan.2016 | 20:00 Uhr

Er hat lange auf sich warten lassen, doch dann kam er mit voller Wucht: der Winter in Schleswig-Holstein. Zu den Leidgeplagten des Winterwetters zählen Autofahrer. Für sie bringen die Frosttemperaturen neben glatten Straßen die lästige Pflicht mit sich, den Wagen vor Fahrtbeginn von Schnee und Eis zu befreien. Andernfalls drohen teils saftige Strafen. Eine Übersicht: 

Scheiben freikratzen: Die ungeliebte Aufgabe sollte jedoch gewissenhaft erledigt werden, denn sonst kann es teuer werden: Wer nur ein Guckloch in der Frontscheibe freikratzt und erwischt wird, muss mit 10 Euro Strafe rechnen. „Alle Scheiben müssen vom Eis befreit werden, damit der Fahrer rundum eine gute Sicht hat“, sagt Ulrich Klaus Becker, Fachanwalt für Verkehrsrecht und Vorsitzender des ADAC Schleswig-Holstein.

„Richtig teuer kann es aber bei einem Unfall werden, weil die Vollkasko dann wegen grober Fahrlässigkeit den Versicherungsschutz versagen kann.“ Das gilt auch, wenn der Fahrer eigentlich unschuldig war. „Es kann sein, dass trotzdem eine Mithaftung besteht, weil mögliche Gefahren durch die zugefrorenen Scheiben nicht erkannt werden konnten“, erklärt Becker. Wenn zusätzlich noch Fußgänger oder Radfahrer zu Schaden kommen, warte auch noch ein Strafverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung. Damit es gar nicht erst soweit kommt, sollten Autofahrer morgens einige Minuten mehr Zeit einplanen, um die Scheiben freizukratzen. Auf keinen Fall sollten Autofahrer heißes Wasser - etwa aus dem Wasserkocher - nutzen, um die Scheiben freizubekommen. „Dadurch kann die Scheibe schnell platzen“, sagt Becker.

Motor nicht unnötig laufen lassen: Zur Unterstützung schalten viele Fahrer den Motor an, um die Scheiben von innen anzuwärmen - auch wenn es verboten ist. „Wer den Motor unnötig laufen lässt, muss 10 Euro zahlen“, sagt Becker. Der Grund: Es handelt sich dabei um eine unnötige Lärm- und Abgasbelästigung. „Viele Autofahrer glauben trotzdem, mit dem Warmlaufenlassen ihrem Wagen etwas Gutes zu tun“, sagt ADAC-Verkehrsexperte Carsten Willms. Doch das Gegenteil sei der Fall: „Das ist für den Motor schlecht, weil er erst beim Fahren eine ausreichende Betriebstemperatur erreicht“, erläutert Becker. Besser sei daher, die Standheizung laufen zu lassen. „Dadurch wird auch der Motorblock mit aufgeheizt und bei Fahrtbeginn die Betriebstemperatur schneller erreicht.“

Außenspiegel, Scheinwerfer und Kennzeichen freikratzen: Doch mit dem Freikratzen der Scheiben ist die Arbeit noch nicht getan: Auch die Außenspiegel, die Scheinwerfer und das Kennzeichen müssen von Schnee und Eis befreit werden. Ist das Nummernschild nicht erkennbar, drohen 5 Euro Verwarngeld.

Autodach von Schnee und Eis befreien: 25 Euro müssen Autofahrer zahlen, wenn sie das Dach nicht von Schnee und Eis befreit haben. „Wenn während der Fahrt Schnee oder Eisplatten vom Dach geweht werden, kann es nicht nur die Sicht für nachfolgende Fahrzeuge beeinträchtigen, sondern auch schwere Unfälle mit tödlichem Ausgang verursachen“, betont Becker. Vor rund zwei Wochen zerschlugen von einem Lkw herabfallende Eisplatten die Frontscheibe eines Golfs auf der Autobahn A1 bei Ahrensburg und verursachten einen Unfall.

Winterreifenpflicht: Eine generelle Winterreifenpflicht besteht nicht. Wer aber bei Minustemperaturen mit Sommerreifen unterwegs ist, muss 60 Euro Strafe zahlen und bekommt einen Punkt in Flensburg. Wenn der Verkehr durch die falsche Bereifung lahmgelegt wird - etwa, weil ein Auto einen Hügel nicht mehr hochkommt, sind 80 Euro Strafe fällig. Hinzu kommt ein Punkt in der Verkehrssünderkartei.

Noch teurer wird es für Autofahrer, die auf Sommerreifen unterwegs sind und bei Schnee und Eis einen Unfall verursachen. Dann besteht häufig kein Anspruch auf einen Vollkasko-Versicherungsschutz. Unabhängig davon kommt auf sie ein Bußgeld in Höhe von 120 Euro plus einem Punkt in Flensburg zu.

„Daher gilt ja die Empfehlung, von Oktober bis Ostern auf Winterreifen zu setzen“, sagt Becker. Sein ADAC-Kollege Willms ergänzt: „Autofahrer sollten am besten auf Winterreifen setzen, denn Ganzjahresreifen sind immer nur ein Kompromiss.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen