Auf dem Flugplatz „Hungriger Wolf“ : Die eigenen Grenzen austesten

Bremsen und Ausweichen auf regennasser, rutschiger Straße: Spätestens bei dieser Übung stößt man als Fahrer an seine Grenzen.
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Bremsen und Ausweichen auf regennasser, rutschiger Straße: Spätestens bei dieser Übung stößt man als Fahrer an seine Grenzen.

Fahrsicherheitstraining als Gemeinschaftsaktion unserer Zeitung mit den Itzehoer Versicherungen

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13. Juli 2015, 15:34 Uhr

Auf dem Hinweg fluche ich noch. Dass man auf der B77 zwischen Schleswig und Itzehoe ständig mit 70 hinter irgendwelchen Lkw herschleicht, nervt. Insbesondere, wenn man es eilig hat. Keine zwei Stunden später sieht die Sache schon ganz anderes aus. Als ich – ebenfalls mit 70 – auf nasser Fahrbahn durch zwei Hütchen hindurchfahren und dann eine Vollbremsung machen soll, fühlt sich die selbe Geschwindigkeit plötzlich unglaublich schnell an. Mit Schleichen hat das nichts mehr zu tun.

Das ist nur eine der vielen Übungen am Steuer, die ich beim Fahrsicherheitstraining auf dem weitläufigen Gelände des ehemaligen Militärflugplatzes Hungriger Wolf in Hohenlockstedt an diesem Tag meistern muss. Gemeinsam mit mehreren Redakteurskollegen bin ich eingeladen, vorab schon einmal das auszuprobieren, was die Leser des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages (sh:z) demnächst selbst erfahren können (Anmeldung unter: shz.de/fahrsicherheitstraining). Und das hat es in sich. Denn in den sechs Stunden bekommen wir des öfteren unsere Grenzen aufgezeigt.

So blicke ich spätestens, nachdem ich meinen Wagen auf der beregneten Fläche endlich zum Stehen gebracht habe, ungläubig in den Rückspiegel. Dass der Bremsweg lang sein würde, hatte ich zwar erwartet. Aber so lang? Volker Stolley, einer von drei Fahrtrainern des Verkehrsinstituts Nord (VIN), höre ich durchs Funkgerät, das jeder von uns an Bord hat, lachen: „Nur Fliegen ist schöner“, meint er. Und tatsächlich hat es Spaß gemacht. Adrenalinausstoß inklusive. Aber den gar nicht so lustigen Hintergrund dieser Übung – was im Ernstfall bei regennasser Straße so alles passieren könnte – vergisst man dabei für einen Moment. Bis Stolley einem hinterher erklärt, was man alles hätte besser machen müssen. Das gilt auch für die weiteren Bremsmanöver – egal ob bei nasser oder trockener Straße und egal, ob mit Tempo 30, 50 oder 70.

Viel falsch kann man übrigens auch schon machen, bevor man überhaupt den Zündschlüssel umdreht und losfährt. Auch das ist eine Erfahrung, die wir an diesem Tag mit nach Hause nehmen. Wie stelle ich den Sitz richtig ein und wie die Spiegel, das Lenkrad, den Gurt oder die Kopfstützen? Und wie sichere ich eigentlich die Ladung im Kofferraum? Insbesondere über letztere Frage habe ich mir bislang, wie ich gestehen muss, eher weniger Gedanken gemacht. Als Trainer Michael Breitling uns aber erzählt, wie leicht bei einer Vollbremsung eine Kiste Bier oder ein Werkzeugkasten „die Rückbank umnieten“ kann, werde ich hellhörig. Gut, dass in diesem Fall nicht mein Auto als Anschauungsobjekt dient, sondern das einer Kollegin. Und bei der sieht es, typisch Frau, fast unverschämt aufgeräumt aus.

Als ich danach in meinen Wagen steige, um den Parcours mit den verschiedenen Einpark- und Wendemanövern abzufahren, drehe ich also erst einmal an sämtlichen Rädchen und Hebeln. Bis Sitz, Spiegel und Co. richtig eingestellt sind. Beruhigend, dass die anderen offenbar auch alle nachjustieren. Gleiches gilt dafür, dass sich bei den anschließenden Übungen andere noch dümmer anstellen als ich. Nur so viel: Den Spruch „typisch Frau!“ müssen sich die weiblichen Teilnehmer das ein oder andere Mal gefallen lassen. Anders sieht es bei der nächsten Station aus: dem Slalomfahren. Hier sollen wir möglichst geschmeidig und gleichzeitig zügig zwischen den aufgestellten Kegeln hindurchfahren – und hier beweisen die Autofahrerinnen deutlich mehr Gefühl. „Ihr sollt ganz genau drauf achten, wie Eure Autos sich in Kurvenlagen verhält. Testet Euch und Euren Wagen ruhig mal richtig aus“, erklärt Trainer Tim Hellfeuer. Quietschende Reifen und fliegende Hütchen gehören dabei offenbar zum Programm.

Am Ende macht sich wohl jeder von uns mit vielen Gedanken über die eigene Fahrweise auf den Rückweg. „Hab’ ich eigentlich das ganze Zeug im Kofferraum richtig sortiert“, schießt es mir dabei plötzlich durch den Kopf. Und während ich mit 70 entspannt hinter einem Lkw herfahre, beschließe ich, kurz rechts ranzufahren. Besser noch einmal nachsehen. So viel Zeit muss sein.

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