Auto-Psychologie : Darum geben Menschen ihrem Auto einen Namen

<p>Vor allem Frauen bauen schnell emotionale Bindungen zu Gegenständen auf.</p>

Vor allem Frauen bauen schnell emotionale Bindungen zu Gegenständen auf.

Die emotionale Bindung zu Gegenständen: Wenn das Gefährt zum Gefährten wird.

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07. November 2018, 14:59 Uhr

Der Fiat „Elli“, der Golf „Horst“ oder der BMW „Gertrud“ – all diese Namen nannten Autobesitzer bei einer Umfrage des Tüv Nord. Jeder siebte Deutsche und sogar jede fünfte Frau gibt dem Auto einen Namen, fand das Forschungsinstitut YouGov vor zwei Jahren heraus. Die Namensgeber sind dabei zu großen Teilen jüngere Fahrer. Ist die Namensgebung von kindischem Gemüt geprägt?

Herkunft der Namensgebung

Das wohl bekannteste benannte Auto ist der VW Käfer „Herbie“. Psychologe Dr. Ralf Buchstaller erklärt dieses Verhalten durch die Vermenschlichung von Dingen. „Damit machen Sie das Gefährt zum Gefährten.“ Das heiß geliebte Auto wird nicht mehr nur als einfaches Transportmittel angesehen, sondern bekommt durch die emotionale Bindung einen menschlichen Charakter. Der Fachbegriff hierfür lautet Anthropomorphismus, der sich aus den beiden griechischen Wörtern „ánthropos“ (Mensch) und „morphé“ (Form, Gestalt) zusammensetzt.

Laut Nicholas Epley, Professor für Verhaltenswissenschaften an der University of Chicago, zählt diese Neigung sogar als Nebenprodukt unserer sozialen Kompetenz. Wenn unsere Vorfahren soziale Signale schnell entdeckten und deuten konnten, half es ihnen einst zu überleben. Bis heute ist die Menschheit darauf programmiert und neigt immer noch dazu Objekten menschliche Züge zuzuschreiben.

Emotionale Bindung zu Objekten

Elli oder Horst? Oder vielleicht Klaus? Welchen Namen hat Ihr Auto?
sh:z
Elli oder Horst? Oder vielleicht Klaus? Welchen Namen hat Ihr Auto?
 

Die Autotaufe ist auf eine emotionale Beziehung zum Fahrzeug zurückzuführen. Da Frauen meist eine stärkere Bindung zu Gegenständen aufbauen, tritt das Phänomen bei weiblichen Fahrerinnen verstärkt auf.

Neben Äußerlichkeiten wie Gesichtszuschreibungen lösen auch Bewegungen den Vermenschlichungsprozess aus. Der Psychologe Epley führte dazu Untersuchungen durch und beobachtete, dass Weckern, die sich beim Betätigen der Schlummertaste überraschend fortbewegten, vermehrt menschliche Züge in Form von Absichten und Gefühlen zugeschrieben wurden.

Wer nun befürchtet mit seiner Namensgebung des geliebten Gefährten kindisch aufzufallen, der besinne sich einfach auf „Eva“, den ersten Ferrari des mehrfachen Formel-1-Weltmeisters Sebastian Vettel: Ein bisschen Kindlichkeit scheint dem Erfolg keinen Abbruch zu tun.
 

(Mit Material von Tüv Nord)

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