Auto : Chevrolet Corvette Stingray: Auf dem Highway ist die Hölle los

Sie ist ein Höllengefährt: Die neue Chevrolet Corvette Stingray verwandelt Benzin in Adrenalin. Chevrolet
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Sie ist ein Höllengefährt: Die neue Chevrolet Corvette Stingray verwandelt Benzin in Adrenalin. Chevrolet

Kein anderer Sportwagen steht so sehr für den «American Way of Drive» wie die Corvette. Gerade 60 Jahre alt geworden, geht das Kult-Coupé in die nächste Runde: Stärker und schneller als je zuvor startet die siebte Generation der US-Ikone.

shz.de von
06. November 2013, 09:16 Uhr

Was dem Deutschen sein Porsche und dem Italiener der Ferrari, das ist dem Amerikaner die Corvette. Sie feiert gerade ihren 60. und mit 1,5 Millionen Exemplaren der erfolgreichste Sportwagen der Welt. Doch damit nicht genug: Noch im Herbst startet die neue Generation der US-Ikone ab 69 990 Euro.

Leistungsexplosion in laszivem Design

Die Entwickler haben tatsächlich bis auf den Griff für das herausnehmbare Dachelement jedes Bauteil erneuert. Der Charakter der Corvette bleibt aber unverändert: Sie ist ein ebenso vollblütiger wie vorlauter Sportwagen, der auf Political Correctness genauso pfeift wie auf das Ansehen bei den Nachbarn. Schon das rasiermesserscharfe Design irgendwo zwischen der Coke-Bottle-Skulptur aus den frühen Corvette-Jahren und einem futuristischen Ferrari ist pure Provokation und der nagelneue 6,2 Liter-V8 eine Kampfansage an die Klimaschützer.

Ja, es gibt jetzt eine Zylinderabschaltung, die den V8 kaum merklich kastriert, wenn man den Gasfuß leicht macht. Und im Eco-Modus kommt kaum mehr als ein Säuseln aus den vier Endrohren, die wie Fanfaren aus dem Heck lugen. Doch wer die Corvette bestimmungsgemäß bewegt, der macht Kritiker mit einem infernalischen Motorengebrüll mundtot, leistet einen wahrscheinlich sogar messbaren Beitrag zur Endlichkeit der Energieressourcen, und hat auch noch jede Menge Spaß dabei.

Aus Benzin wird Adrenalin

Denn die Corvette ist auch in der siebten Generation ein Ego-Shooter, der Benzin in Adrenalin verwandelt und das Bewusstsein mit purer Beschleunigung erweitert. 343 kW/466 PS und 630 Nm - das klingt für einen Sportwagen vergleichsweise handzahm. Und auch die 4,3 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/h sind allenfalls gehobener Durchschnitt. Doch festgeschnallt auf feuerroten Ledersesseln und den Blick über die endlose Motorhaube an den Horizont geheftet, wähnt man sich beim Kickdown wie ein Astronaut beim Start einer Apollo-Rakete. Nur dass man sein Geschick hier selbst in die Hand nehmen kann.

Und das geht bei der intern nur C7 genannten Corvette diesmal besser denn je. Möglich macht das ein unscheinbarer Drehknopf auf dem hohen Mitteltunnel, mit dem man gleich fünf verschiedene Fahrmodi einstellen kann.

Auf Knopfdruck zum Höllenhund

Jeder Dreh verändert bis zu elf Parameter von der Klangcharakteristik des Posaunenchors im Heck über die elektrische Servolenkung bis zur Aggressivität des Gaspedals, der Toleranz der Sicherheitssysteme oder dem rasend schnellen Verstellfahrwerk. So gibt sich die Corvette mal brav und berechenbar wie eine potente Limousine und fühlt sich Sekunden später an wie eine Höllenmaschine, die dem Fahrer den Schweiß auf die Stirn treibt.

Egal in welchem Modus die C7 rollt, am Steuer hat man dabei immer gut zu tun. Den langen Bug auf Kurs halten und den Motor bei Laune zu halten, das ist nichts für Faulenzer - erst recht mit dem neuen Siebengang-Schaltgetriebe. Auch dabei hilft allerdings die Elektronik. Damit man keine bösen Überraschungen erlebt, genügt ein Druck auf die Lenkradwippen. Dann berechnet ein Chip die richtige Tourenzahl und spendiert Zwischengas für seidenweiche Gangwechsel.

Ambiente und Anspruch passen endlich

Eindruck schindet die neue Corvette aber nicht nur mit ihrem spürbar zivilisierten Fahrverhalten, das einen bisweilen allerdings in trügerischer Sicherheit wiegt. Sondern auch beim Ambiente meinen es die Amerikaner Ernst mit dem Angriff auf die europäischen Konkurrenten. Außen hui und innen pfui - so wirkte die Corvette bis zu letzte eher lieblos zusammengeschustert und so billig wie ein koreanischer Kleinwagen.

Doch jetzt fällt der Blick auf handvernähtes Leder, blankes Metall und Kunststoffe, die nicht mehr gleich nach Billigplastik aussehen. Dazu gibt es ein Cockpit mit einem TFT-Monitor, der mehr Anzeigemöglichkeiten bietet als manches Telespiel sowie ein Head-Up-Display, das endlich nicht mehr an die Erstausstrahlung von Raumschiff Enterprise erinnert. Und dann haben die Amerikaner auch noch ein Infotainment-System eingebaut, das E-Mails vorlesen und die Kontakte in den sozialen Netzwerken verwalten kann - als hätte man am Steuer einer Corvette nichts besseres zu tun.

Fazit: Jetzt sticht der Stingray wieder

Sie sieht besser aus als je zuvor und lässt sich obendrein noch schärfer fahren. Das Ambiente passt jetzt endlich zum Anspruch und der Preis ist im Vergleich zur europäischen Konkurrenz noch immer ein Lacher. Selten war die Corvette so gut wie diesmal - und trägt deshalb zurecht wieder das Stingray-Logo auf der Flanke. Denn dieser Stachelrochen dürfte künftig so manchen großen Stich machen.

Datenblatt: Chevrolet Corvette Stingray

Motor und Antrieb: V8-Benzindirekteinspritzer
Hubraum: 6162 ccm
Max. Leistung: 343 kW/466 PS bei 6000 U/min
Max. Drehmoment: 630 Nm
Antrieb: Heckantrieb
Getriebe: 7-Gang-Schaltgetriebe
Maße und Gewichte
Länge: 4493 mm
Breite: 1877 mm
Höhe: 1235 mm
Radstand: 2710 mm
Leergewicht: 1499 kg
Zuladung: k.A.
Kofferraumvolumen: 425 Liter
Fahrdaten
Höchstgeschwindigkeit: k.A.
Beschleunigung 0-100 km/h: 4,2 s
Durchschnittsverbrauch: k.A.
Reichweite: k.A.
CO2-Emission: k.A.
Kraftstoff: Super
Schadstoffklasse: EU5
Energieeffizienzklasse: k.A.
Kosten
Basispreis der Modellreihe: 69 990 Euro
Grundpreis der Corvette Stingray mit Performance Paket: 69 990 Euro
Typklassen: k.A.
Kfz-Steuer: k.A.
Wichtige Serienausstattung
Sicherheit: Front- und Seitenairbags, ESP
Komfort: Ledersitze, Head-Up-Display. Schlüsselloses Startsystem
Spritspartechnik: Eco-Modus mit Zylinderaschaltung

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke

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