Autofahren im Winter : Bei Kälte und Glatteis: dreifach Abstand halten

<p>Besonders gefährlich für Autofahrer ist überfrierende Nässe, die die Straßen spiegelglatt werden lässt.</p>

Besonders gefährlich für Autofahrer ist überfrierende Nässe, die die Straßen spiegelglatt werden lässt.

Bei zugeschneiten oder gar vereisten Straßen verlängert sich der Bremsweg erheblich. Aus diesem Grund ist höchste Vorsicht geboten. Ein paar Tipps, damit Sie sicher von A nach B kommen.

shz.de von
18. Januar 2018, 04:32 Uhr

Immer mehr Autos sind mit diversen Fahrassistenzsystemen aufgerüstet. „Doch die wichtigste Grundvoraussetzung für eine sichere Fahrt auf winterlichen Straßen bleibt eine der Witterung, den Sichtverhältnissen sowie der Straßenbeschaffenheit angepasste Fahrweise“, legt Patrick Pöppl von TÜV SÜD in München Autofahrern ans Herz. Ebenso unabdingbar ist es, vor Fahrtbeginn für klare Sichtverhältnisse zu sorgen. „Das bedeutet, alle Scheiben und ebenso die Außenspiegel müssen von Schnee und Eis befreit werden“, betont der TÜV SÜD-Fachmann. Bei Schneefall heißt es zudem, immer das Abblendlicht einzuschalten, notfalls auch die Nebelscheinwerfer. Nebelschlussleuchten dürfen ausschließlich bei Nebel bei Sichtweiten von unter 50 Meter benutzt werden. Die geringe Sichtweite ist vorgeschrieben, um Blendgefahr zu verhindern. Wichtig: Ist die Sichtweite geringer als 50 Meter, darf nicht schneller als 50 Kilometer pro Stunde (km/h) gefahren werden.

Bei zugeschneiten oder gar vereisten Straßen verlängert sich der Bremsweg erheblich. Aus diesem Grund sollte man den Abstand zum Vordermann verdreifachen, denn selbst die besten Winterreifen und ABS sind kein Garant für einen sofortigen Stopp. Vorsicht bei Schleichwegen: Neben- und Wohnstraßen werden oftmals erst spät, mitunter gar nicht geräumt. Ebenso vor und nach Landkreisgrenzen und an Ortsschildern kann es laut Pöppl glatt sein, weil hier unterschiedliche Winterdienstbereiche aufeinandertreffen. Im Klartext: Mal ist gestreut, mal nicht. Besonders gefährlich sind außerdem Temperaturen um den Gefrierpunkt. Bei null Grad kann sich ein Wasserfilm auf dem Eis bilden und so die Fahrbahn glatter werden als bei strengem Frost.

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Einen Hinweis auf Glatteis gibt dem Fahrer eine ungewöhnlich weiche Lenkung. „Das ist ein Warnhinweis“, sagt der TÜV SÜD-Fachmann. Tückisch ist es, wenn sich zwischen den Fahrstreifen ein Matschstreifen gebildet hat. Dann ist besondere Vorsicht beim Fahrstreifenwechsel geboten. Achtung überdies an Ampeln und Kreuzungen, Brücken und Waldschneisen, hier ist es häufig besonders glatt. „Halten Sie an diesen Stellen einen extra großen Sicherheitsabstand zum Vordermann ein“, legt der TÜV SÜD-Fachmann Autofahrern ans Herz und „vermeiden Sie auf glatten Straßen heftiges Gas geben, starkes Bremsen oder hastige Lenkbewegungen. Sie könnten mit ihrem Fahrzeug ins Schleudern geraten.“ Sollte das Fahrzeug doch einmal ausbrechen, Kupplung treten und vorsichtig gegenlenken. 

Vor Kurven oder einem Hindernis sollte man auf glatten Fahrbahnen frühzeitig vom Gas gehen. Ein kurzes und vorsichtiges Antippen des Bremspedals – soweit es der Verkehr zulässt – liefert in punkto Straßenzustand Rückschlüsse auf die momentane Griffigkeit der Reifen. „Wenn bereits bei geringem Pedaldruck das ABS zu arbeiten beginnt, also das Pedal pulsiert, oder wenn bei modernen Fahrzeugen beim Beschleunigen die ESP-Kontrolllampe zu leuchten oder zu blinken beginnt, dann muss der Autofahrer mit einer rutschigen Fahrbahn rechnen und die Fahrweise entsprechend anpassen“, warnt der TÜV SÜD-Fachmann. Hilfreich bei der Einschätzung der Glättegefahr sind zudem in modernen Autos Außenthermometer, die zumeist ab drei Grad über dem Gefrierpunkt Alarm geben.

Schnee und Glatteis sorgen regelmäßig für zahlreiche Unfälle auf den Straßen

Um sein Gespür und Fahrverhalten auf glatten Fahrbahnen zu schärfen, ist ein kleiner Nachhilfeunterricht in Eigenregie nützlich. Etwa auf einem großen, leeren Parkplatz kann man sich nach Schneefall vorsichtig auf die winterlichen Verhältnisse wieder eingewöhnen. „Je besser Sie Ihr Fahrzeug kennen und mit ihm vertraut sind, desto sicherer und stressfreier kommen Sie an Ihr Ziel“, schildert Pöppl seine Erfahrungen. Ein sicheres Gefühl geben meist schon einige Bremstests bei niedriger Geschwindigkeit.

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