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Auto&Straße : Autounfall - und nun? Das gilt es zu tun, wenn es gekracht hat

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Auf deutschen Straßen sind so viele Autos unterwegs wie nie zuvor. Dadurch steigt aber auch das Unfallrisiko. Wie sich Betroffene im Schadenfall verhalten sollten, haben wir zusammengefasst.

shz.de von
erstellt am 11.Apr.2016 | 08:45 Uhr

Die Deutschen lieben das Autofahren: Die Zahl der zugelassenen Wagen befindet sich seit Jahren auf konstant hohem Niveau und auf den Straßen sind täglich Dutzende Millionen Autos unterwegs. Dadurch steigt jedoch auch das Unfallrisiko - sei es durch technische defekte oder menschliches Versagen.

Doch wie sollte man sich als Betroffener im Schadenfall verhalten? shz.de hat die wichtigsten Schritte zusammengestellt:

 

1. Anhalten/Absichern der Unfallstelle

Auch wenn der Schock über den Unfall groß sein sollte, gilt es, ruhig und besonnen zu bleiben - nur so können Sie sich und anderen helfen. Als Unfallbeteiligter sind Sie verpflichtet, unverzüglich an nächstgeeigneter Stelle zu halten. Dann muss das Warndreieck aufgestellt (außerhalb geschlossener Ortschaften und auf Autobahnen rund 100 m vor der Unfallstelle) und die Warnblinkanlage eingeschaltet werden.

 

2. Erste Hilfe leisten

Nun gilt es, Verletzte im Rahmen Ihrer Kenntnisse und Möglichkeiten zu versorgen und sie aus dem Gefahrenbereich zu bringen. Wer nicht hilft, macht sich strafbar. 

 

3. Polizei benachrichtigen

„Grundsätzlich gilt das Opportunitätsprinzip“, heißt es bei der Fachwanwaltskanzlei Dr. Jula und Partner. Das bedeutet, dass die Polizei selbst entscheiden kann, ob es nötig und sinnvoll ist, am Unfallort zu erscheinen. „Allerdings vereinfacht der polizeilich aufgenommen Verkehrsunfall deutlich die spätere Schadensregulierung und erhöht die Chancen der Durchsetzbarkeit Ihrer Ansprüche“, heißt es von Anwaltsseite.

Sofern es Verletzte gibt, sollte auch die Feuerwehr (Notruf 112) alarmiert werden.

 

4. Unfallort nicht verlassen

Unfallflucht ist kein Kavaliersdelikt, warnt die Polizei. Wer als Beteiligter die Unfallstelle verlässt, ohne seine Personalien vorher angegeben zu haben, kann strafrechtlich belangt werden. Daher sollten Betroffene im Zweifel einige Zeit am Unfallort warten, bis alles geregelt ist. Nur dann, wenn eine Feststellung der Personendaten nicht erfolgen kann, sollte unverzüglich eine Polizeidienststelle aufgesucht werden, um dies dort nachzuholen.

Wenn niemand an der Unfallstelle zu sehen ist, beispielsweise weil Sie gegen ein geparktes Auto gestoßen sind, so müssen Sie in jedem Fall eine angemessene Zeit warten. Wie lange, das hängt von den Umständen (z. B. Tageszeit, Ort und Schwere des Unfalls) ab, sollte jedoch 30 Minuten nicht unterschreiten. Kommt in dieser Zeit niemand, so dürfen Sie sich entfernen, müssen aber Namen und Anschrift am Unfallort hinterlassen, hiermit aber vorsichtig verfahren.

Außerdem müssen Sie zusätzlich den weiteren Unfallbeteiligten einer nahegelegenen Polizeidienststelle unverzüglich melden und mitteilen, dass Sie am Unfall beteiligt gewesen sind. Dabei müssen Sie auch Ihre Anschrift, Ihren Aufenthalt sowie das Kennzeichen und den Standort Ihres Fahrzeuges angeben, sowie auf Wunsch die nötigen Feststellungen ermöglichen.

Bei Unfällen mit Toten, Verletzten und erheblichem Sachschaden sollten Sie immer die Polizei rufen (Notruf 110). Das gilt erst recht, wenn ein Unfallbeteiligter unter Alkohol oder Drogeneinfluss steht.

 

5. Beweissicherung

Wenn der Wagen nur geringfügig beschädigt wurde, etwa leichter Blechschaden, fahren Sie unverzüglich beiseite, um den Verkehrsfluss nicht zu stören. Markieren Sie vorher möglichst die Fahrzeugstellung gegebenenfalls mit Kreide und/oder fotografieren Sie diese.

Beseitigen Sie jetzt jedoch keine Unfallspuren! Häufig warten die Zeugen nicht bis zum Eintreffen der Polizei und der Unfallgeschädigte gerät im Rahmen eines zivilrechtlichen Prozesses hinsichtlich der Schadenersatzansprüche in Beweisnot.

Daher empfiehlt sich folgendes Vorgehen:

a)    Notieren Sie sich von Zeugen mindestens Name, Adresse und Telefonnummer.

b)    Personalien mit den Unfallbeteiligten/Zeugen austauschen. Notieren Sie die wichtigsten Daten der anderen Unfallbeteiligten (Name, Anschrift, Versicherung, Versicherungsnummer und polizeiliches Kennzeichen des Fahrzeuges).

c)    Fotografieren Sie den Unfallort und die Gegebenheiten. Fertigen Sie Übersichtsfotos von der Unfallstelle mit den beteiligten Fahrzeugen. Fotografieren Sie aus verschiedenen Richtungen, wenn möglich aus erhöhter Position.

d)    Unfallskizze anfertigen: Es genügt eine Handskizze, die das Geschehen am Unfallort veranschaulicht.

Wenn die Polizei nicht verständigt wird oder bei Bagatellschäden keine Spuren sichert, können die Unfallbeteiligten auch selbst die Beweissicherung durchführen. Nehmen Sie die Unfalldaten auf, hierzu bieten viele Versicherungen und Automobil-Clubs Unfallaufnahme-Protokolle. Notfalls genügt auch ein Schmierzettel. Kennzeichnen Sie die Fahrzeugecken durch Kreidestriche auf der Fahrbahn und die Radposition, z.B. Lenkeinschlag durch ein „T“. Schreiben Sie zu den Fahrzeugpositionen jeweils das Kennzeichen.

 

6. Schuldanerkenntnis

Pauschale Schuldanerkenntnisse sollten Sie nicht (am Unfallort) abgeben. Sie könnten sonst Probleme/Streit mit Ihrer KFZ- Haftpflichtversicherung bekommen, da Sie damit gegen den Vertrag mit Ihrer Kfz-Haftpflichtversicherung verstoßen. Der Versicherte ist nämlich nicht berechtigt, ohne Zustimmung der Versicherung eine Schuld ganz oder teilweise anzuerkennen.

Diese oben genannte Regelung in den Verträgen veranlasst immer wieder Unfallbeteiligte, den gemeinsam erstellten Unfallbericht nicht zu unterzeichnen. Bei den von Versicherungen und Automobil-Clubs verteilten Unfallberichten handelt es sich jedoch nicht um ein Schuldanerkenntnis, sondern um eine Aufstellung von Fahrzeug- und Personendaten, einen Schadensbericht und eine Unfallskizze, die im Regelfall unterschrieben werden können.

7. Als Zeuge

Verhelfen Sie den anderen zu ihren Rechten und stellen Sie sich als Zeuge zur Verfügung, auch wenn Sie nicht unmittelbar am Unfall beteiligt sind.

8. Nach der Beweissicherung

Bevor Sie die Fahrt mit Ihrem Fahrzeug fortsetzen, sollten Sie dessen Verkehrssicherheit prüfen. Jetzt müssen Sie noch die Unfallstelle säubern. Vergessen Sie auch nicht, Ihr Warndreieck einzupacken. Dann erfolgt die Schadensmeldung an die Versicherung. Jeder Versicherungsfall ist grundsätzlich der eigenen KfZ-Versicherung innerhalb einer Woche schriftlich anzuzeigen.

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