Mein erstes Auto : Anekdoten auf vier Rädern

Der VW Käfer von Simone Mislak. Sie hat den iPod gewonnen. Herzlichen Glückwunsch!
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Der VW Käfer von Simone Mislak. Sie hat den iPod gewonnen. Herzlichen Glückwunsch!

Erlebnisse mit ihrem ersten Auto haben viele Schleswig-Holsteiner shz.de in persönlichen Anekdoten geschildert. Die schönsten Geschichten haben wir noch einmal für Sie zusammengestellt. Und die Gewinnerin eines iPods steht auch fest.

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10. Januar 2008, 08:35 Uhr

Dass ein Auto beispielsweise die Initialzündung etlicher Bekanntschaften sein kann, diese Erfahrung machte Simone Mislak aus Nienkattbek. Sechs Jahre lang fuhr sie einen "VW Käfer" namens "Lines" und sagt heute: "Er passte zu mir wie die Faust aufs Auge." Der größte Kennenlernfaktor war immer dann gegeben, wenn Mislak den Knopf der Fahrertür herunterdrückte und die Tür von außen zuschlug: "So kam es vor, dass ich wieder einsteigen wollte und meinen Zündschlüssel nicht fand, da er noch steckte", erinnerte sich die "Käfer"-Liebhaberin. Zur Lösung des Problems trugen schließlich viele fremde Autoschlüssel bei, mit deren Hilfe Simone Mislak ihre Tür wieder öffnete. "Ich denke, das hätte auch mit jedem normalen Hausschlüssel funktioniert." Akustischer Höhepunkt einer jeden Fahrt mit "Lines": Hupen bei Rechtskurven, bei allen Rechtskurven. Simone Mislak: "Um morgens nicht das halbe Dorf zu wecken, habe ich den Stecker der Hupe gezogen." Dann war Ruhe.
Bergauf - einer musste nebenher laufen
Nicht auf die Hupe sondern auf sein knapp 120 Liter großes Handschuhfach war Sascha Kruse unheimlich stolz: Ende der 80er Jahre war der damals gerade Volljährige aus Stadum stolzer Besitzer eines "Mini" - inklusive jenes voluminösen Handschuhfaches, das sich allerdings im hinteren Teil des Autos befand. Weitere Besonderheit des Kleinwagens: Um mit ihm zu fahren, waren drei Schlüssel notwendig - einer für die Türen, einer fürs Zündschloss, einer zum Tanken. Und: "Er hatte auch ein echtes Wurzelholzarmaturenbrett", betonte Kruse. Als besonders praktisch entpuppte sich der Wagen im großen Verkehrsgetümmel. Kruse: "Mit welchem anderen Auto konnte man durch einen Fußgängertunnel fahren, wenn es oben an der Kreuzung mal nicht weiter ging?"
An Steigungen scheiterte Dr. Hellmut Brasche mit seinem "kuriosen Wägelchen". Das Fahrzeug, Baujahr 1950, Aluminiun-Karosserie mit Faltdach, erwarb der Mann aus Itzehoe als Student. Drei Jahre lief das "Federgewicht auf vier Rädern" ohne Panne, konnte dank seines luftig-leichten Aufbaus sogar dann weiterfahren, wenn für alle anderen gar nichts mehr ging. Brasche erinnert sich: "Als bei einem Gewitter Löschschläuche quer über der Landstraße lagen, konnte ich mit Hilfe eines Feuerwehrmannes des Wagen über die Schläuche heben und als einizger meine Fahrt fortsetzen." Nicht so angenehm: Bei stärkeren Steigungen verbannte Brasche seine Frau aus dem Auto - sie musste nebenher laufen, sonst wäre keiner aus dem Trio oben angekommen.
Bergab - und die Scheiben fielen herunter
Ganz andere Folgen bekam Hugo-Michael Haas an seinem "Fiat Jagst" zu spüren: Steigungen und Schlaglöchern machten dem Kappelner und seinem hellblauen Auto zwar genauso erheblich zu schaffen, jedoch litten unter den Konsequenzen verstärkt die Insassen. "Ab zehn Prozent Steigung und bei Schlaglöchern fielen beim Bergabfahren immer alle Scheiben herunter", erinnert sich Haas.
Als "Schlagloch-Suchgerät" war auch die "BMW-Isetta 300" von Günter Marten verschrien. Gleichzeitig allerdings bot das bayerische Rollermobil seinem Besitzer mehr Platz als man auf den ersten Blick vermuten konnte. Marten: "Das Auto fasste sieben meiner damaligen Freundinnen. Die jungen Damen wurden gelegt, gehockt, gequetscht und auf den Schoß genommen." Seine Fahrten führten den Neumünsteraner ins rheinland-pfälzische Ahrtal, rund um Jütland und bis nach Kopenhagen.
Nicht ganz so weit schaffte es Max Nagel mit seinem "DKW", Baujahr 1930. Auf dem Weg von Vorderneuendorf (bei Wilster) bis nach Großenrade (Dithmarschen) machten Bremsen und Blinker schlapp - zumindest den zweiten Ausfall konnte Nagel mit Hilfe unermüdlichen Arm-Einsatzes kompensieren. Der Mann aus Vorderneuendorf hatte für sein erstes Auto sein Motorrad hergegeben - ein Tausch per Handschlag. Der Vorteil: "Im Gegensatz zum Motorradfahren wurde ich von oben nicht mehr nass." Aber: "Beim Durchfahren großer Pfützen hatte man allerdings ständig nasse Füße, weil der Boden recht undicht war." Auch trockenes Wetter rettete die Insassen nicht: "Dann staubte es im Auto kräftig."
Mit fünf Jahren das erste Auto bekommen
Im Gegensatz zu Max Nagel, der neben seinem ersten Auto auch den Führerschein besaß, machte Susanne Trapp-Doß zunächst nur ersteres zu ihrem Eigentum. Als Fünfjährige durfte sich die Neumünsteranerin 1977 bereits Autobesitzerin nennen - zuvor hatte sie nämlich das große Los an einer Weihnachtslosbude gezogen. Hauptgewinn: ein malagaroter "VW Polo". Trapp-Doß: "Meine Eltern hatten kurz überlegt, den Wagen zu verkaufen, aber zum Glück für mich nur kurz." Gefahren hat ihn schließlich zunächst die Mutter, anschließend der Bruder, bis die eigentliche Besitzerin im Alter von 18 Jahren selbst hinters Steuer durfte.
Fahrstunden im Leichenwagen
Dieser Prozess hat bei Rolf Kamradek ein bisschen länger gedauert, als es in der Regel der Fall war. Fahrstunden für jeweils vier Mark kündigte ihm ein Schild an einer Tür an. Sein Fahrlehrer erzählte regelmäßig vom Heiligen Christophorus, dem Schutzpatron der Autofahrer, hatte sogar seine Fahrschule nach ihm benannt. Kamradek: "Dennoch konnte der ihm nicht helfen, als nach zwei Unterrichtsstunden ein Polizist erschien und die Schule für geschlossen erklärte." Ein halbes Jahr später bot der Lehrer dem Schleswiger erneut Fahrstunden an - im Leichenwagen. Allerdings nur so lange bis der bekannte Polizist ans Autofenster klopfte. Nach auf ein Jahr verteilten zwölf Fahrstunden bestand Rolf Kamradek schließlich seine Führerscheinprüfung bei einer auswärtigen Fahrschule.
Ausreichend Zeit ließ sich auch Frank Schmidt aus Jarplund-Weding. Im April 1990 legte sich Schmidt für 2000 Ostmark einen "Trabant 601" zu. Zwar besaß er seit zehn Jahren einen Führerschein, es mangelte ihm jedoch an Fahrpraxis - im Tempo hielt er sich deshalb ein wenig zurück. Schmidt: "Da konnte ich in Ruhe alle nötigen Schilder studieren, die mir wichtig schienen." Gleich im ersten Winter allerdings trennte sich der Wahl-Schleswig-Holsteiner wieder von seiner Errungenschaft. Eins allerdings gilt für Schmidt nach wie vor: "Mein erstes Auto - wenn ich die Augen schließe, sehe ich es noch genau vor mir."

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