Bußgeld sparen, Unfälle vermeiden : Alkohol, Tempo, Handy: Diese Regeln muss man als Fahrradfahrer kennen

Besser hintereinander als nebeneinander fahren. So behindert oder gefährdet man keine anderen Verkehrsteilnehmer.

Besser hintereinander als nebeneinander fahren. So behindert oder gefährdet man keine anderen Verkehrsteilnehmer.

Wenn Fahrradfahrer zu Verkehrssündern werden, drücken viele ein Auge zu. Doch häufig kommt es zu Unfällen, weil einige grundlegende Regeln nicht beachtet werden.

Lisa-Marie Spring von
31. Oktober 2018, 14:57 Uhr

13 Prozent von 501 Befragten gaben bei einer Statista-Umfrage an, dass – wären sie ganz alleine auf der Welt – sie als erstes mit einem Fahrrad über die Autobahn fahren würden. Nicht nur unter dieser Bedingung ist die Bereitschaft zum Regelbrechen im Straßenverkehr groß.

Wenn es um Alkohol, die Fahrtrichtung, das Tempo und Sicherheitsmaßnahmen geht, wissen viele Fahrradfahrer nicht über die Regeln Bescheid oder nehmen sie nicht ernst. Doch das kann verheerend sein. Man riskiert nicht nur bei den im Folgenden genannten Vergehen jeweils ein Bußgeld zwischen 15 und 25 Euro, auch führt solch ein Fehlverhalten nicht selten zu Unfällen. Kommt es zu einem Unfall und/oder einer Sachbeschädigung, ist das Bußgeld etwas höher.

  • Trunkenheit am Lenker: Wer betrunken Fahrrad fährt, gefährdet sich und andere stark. 2016 wurden 3.503 Unfälle gemeldet, bei denen Personen zu Schaden gekommen sind und an denen alkoholisierte Fahrradfahrer beteiligt waren. Bei 1.363 Fahrradfahrern wurden über 2,0 Promille festgestellt. Mehr als 0,3 Promille führen zu einer Strafanzeige und wer mit 1,6 Promille auf dem Drahtesel erwischt wird, erhält drei Punkte, eine Geldstrafe und eine Anordnung zur Medizinisch-Psychologische-Untersuchung (MPU, auch bekannt als Idioten-Test). Auch der Führerschein ist dann erstmal weg.
     
  • Unterwegs als Geisterfahrer: Werden Fußgänger verletzt, sind meistens Fahrradfahrer schuldig. Häufig fahren sie auf der falschen Straßenseite oder auf einem Radweg, der nur in die entgegengesetzte Richtung befahren werden darf. Auch Einbahnstraßen dürfen nur in die eine Richtung befahren werden, es sei denn, es ist ausdrücklich erlaubt mit dem Fahrrad auch von der "falschen" Seite aus durch zu fahren.
     
  • Auf Abwegen: Gehwege sind für Fahrradfahrer tabu. Straßen, wenn ein Radweg vorhanden ist, ebenfalls.
     
  • Temposünder: In Fußgängerzonen gilt auch für Radfahrer Schrittgeschwindigkeit, sofern diese überhaupt befahren werden dürfen. Wer dagegen verstößt, der kann zusätzlich einen Punkt bekommen.
Schneller als die Polizei erlaubt? Auch als Fahrradfahrer riskiert man bei Geschwindigkeitsüberschreitungen einen Punkt.
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Schneller als die Polizei erlaubt? Auch als Fahrradfahrer riskiert man bei Geschwindigkeitsüberschreitungen einen Punkt.

  • Lichtpflicht: Hinten muss das Fahrrad einen roten Rückstrahler haben und vorne müssen ein weißer Scheinwerfer und ein weißer Rückstrahler ordentlich montiert sein. Ist es dunkel, müssen Fahrradfahrer die Beleuchtung spätestens anschalten. Eigentlich ganz einfach. Trotzdem ist dies mit einer der häufigsten Gründe, weshalb Fahrradfahrer von der Polizei eine Verwarnung erhalten.
     
  • Rechts vor links und winken statt blinken: Auch für Fahrradfahrer gelten Vorfahrtsregeln. An diese haben sie sich genauso zu halten, wie auch an die Regelung, dass das Abbiegen rechtzeitig und eindeutig angekündigt werden muss. Der Irrtum, dass Fahrradfahrer letzteres nicht tun müssen, kommt daher, dass in spezifischen Gesetzen für Fahrradfahrer so eine Regelung nicht auftaucht. Nur in der Straßenverkehrsordnung (StVO) steht: "Wer abbiegen will, muss dies rechtzeitig und deutlich ankündigen; dabei sind die Fahrtrichtungsanzeiger zu benutzen." Die StVO gilt aber auch für Fahrradfahrer, bei denen die Arme als Fahrtrichtungsanzeiger verstanden werden dürfen.
     
  • Verbotener Spaß: Lässiges freihändiges Fahren ist verboten, das Bußgeld von fünf Euro aber vergleichsweise niedrig. Wer neben anderen Fahrradfahrern fährt, riskiert ebenfalls einen Bußgeldbescheid.
     
  • Rot (über)sehen: Deutlich teurer und gefährlicher wird es, wenn man eine rote Ampel übersieht. Wer bei kirschgrün über die Ampel radelt und erwischt wird, zahlt mindestens 60 Euro, bei Gefährdung 160 Euro und bei einem Unfall 180 Euro. Zeit ist vielleicht Geld, aber so viel sollte einem das Überspringen der Rotphase nicht wert sein.
     
  • Handyverbot: Das Benutzen des Mobiltelefons ohne Freisprecheinrichtung während der Fahrt wird mit 55 Euro bestraft.
     
  • Kinderbeförderung: Wer Kinder unsachgemäß auf einem einsitzigen Fahrrad befördert, also zum Beispiel ein Kind auf dem Gepäckträger mitnimmt, kann mit einem Bußgeld von fünf Euro bestraft werden. Auch hier ist die Gefahr, dass jemand verletzt wird, natürlich nicht außer Acht zu lassen. Man setzt ein Kind schließlich auch nicht aufs Autodach. Auch nicht, wenn man nur im Schritttempo fährt.
     
  • Die Polizei ignorieren: Auch auf dieses Vergehen, ob es nun häufig passiert sei mal dahingestellt, nimmt der Bußgeldkatalog Bezug. Wer hofft, dass er durchs Weiterfahren trotz Haltegebot der Polizei entkommt, also gewissermaßen flieht, zahlt 35 Euro. Ebenso teuer ist das Nichtbeachten von Zeichen.

Das Fahren mit Helm wird zwar empfohlen, eine Helmpflicht gibt es aber in Deutschland nicht. Die Zahl der Verkehrsopfer bei Fahrradunfällen in Deutschland ist hoch: 2017 waren es 79.000 Verletzte und 382 Tote. Mehr als die Hälfte der Todesopfer trug keinen Helm. Natürlich ist ein Helm keine Überlebensgarantie, schaden tut er aber auch nicht.

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