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Gabionen-Wand in Holmmoor : A7-Ausbau: Bei den Erbauern der Lärmschutzwand

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

„Es ist wie ein Puzzle“, sagen die Arbeiter: 100.000 Quadratmeter Lärmschutzwand entstehen beim Ausbau der A7.

Quickborn | Er hat sie alle gehabt. Jeden Stein, der in dem 3,60 Meter hohen Drahtgebinde vor und unter ihm liegt, hat Jakub Kaczmarek mit seinen eigenen Händen eingesetzt. „Es ist ein bisschen wie ein Puzzle“, sagt der 21-Jährige, der aus Polen zum Arbeiten auf die A7 nach Deutschland gekommen ist. Steinreich werden er und sein Kollege Tomasz Dastych bei dem Job am Rastplatz Holmmoor bei Quickborn (Kreis Pinneberg) nicht. Dafür ist die Arbeit zu hart, der Lohn zu gering.

Der Kies, der aus Ostdeutschland angeliefert wird, wird mit dem Radlader oben in das Drahtgeflecht gekippt, der Rest des Lärmschutzes beim sechsstreifigen Ausbau der A7 ist Handarbeit. „Die Steine müssen mit der glatten Seite nach vorn liegen, damit es besser aussieht. Und es darf keine Lücken geben, so wie hier“, sagt Kaczmarek und drückt mit seinen behandschuhten Fingern noch einen Stein an die richtige Stelle.

„Nur so kann eine ordentliche Optik der Gabione gewährleistet werden“, erklärt Andreas König. Der 33-Jährige ist seit Beginn des A7-Ausbaus im Jahr 2014 Bauleiter für Lärmschutzwände. Am Ende werden im Winter 2018 auf dem rund 65 Kilometer langen Ausbauabschnitt zwischen Hamburg und Bordesholm (Kreis Rendsburg-Eckernförde) rund 100.000 Quadratmeter Lärmschutzwand stehen. Zwölf Kilometer würden die Elemente in Schleswig-Holstein einnehmen, wenn man sie alle aneinander reihen würde.

Die Arbeiter haben viele Kilometer Erdwälle errichtet, die an vielen Stellen der A7 bereits begrünt sind. Dazu gibt es vor allem an Stellen, an denen es wenig Platz am Rand der Autobahn gibt, speziell vorgefertigte Aluminiumwände, die besonders gedämmt sind. Sie kosten wesentlich weniger als die Gabionen, die an besonders sensiblen Stellen auch auf den Erdwällen errichtet werden – wie etwa bei Neumünster. Oder sie unterbrechen die Aluminiumwände optisch – wie in Holmmoor. „Auf insgesamt rund vier Kilometern Länge gibt es Gabionen. Das sind richtige Schwergewichte. Eine acht Meter lange und drei Meter hohe Gabione wiegt rund 45 Tonnen“, sagt König und deutet auf einen Haufen Steine, der auf der Autobahntrasse liegt und noch verarbeitet werden muss.

In der Mitte der Steinmauer gibt es einen Betonkern, dazu können Stahlpfeiler und -beton weitere Stabilität geben. In den meisten Gebinden gibt es eine Schicht Lavastein, der sehr offenporig und deshalb für den Schallschutz besonders geeignet sei. „Für die Standsicherheit und Optik wird primär grober Kies verwendet. Und der muss richtig sitzen, damit die Wand sich nicht setzt und der Schallschutz optimal wirkt – das haben Messungen ergeben“, sagt König. Diese Arbeiten könne keine Maschine so leisten wie der Mensch.

Die Gabionen gibt es in drei Schallschutzvarianten und verschiedenen Höhen und Dicken. Die Steinwände hätten schallschutztechnisch keinen Vorteil gegenüber Aluwänden, sagt König. „Die Wahl der Gabionen basiert auf einem gestalterischen Konzept.“

Wie die Lärmschutzwände aussehen, ist schon vor vielen Jahren beim Planfeststellungsbeschluss festgelegt worden. Bauherren, Naturschützer, Behörden und Ingenieure haben sich auf diese Varianten geeinigt. In den drei fertig gestellten Ausbauabschnitten der A  7 in Schleswig-Holstein ist auch der Lärmschutz weitgehend abgeschlossen, in den anderen in vollem Gange. „Wir sind lieber vor den Straßenbauern da – erstens haben wir mehr Platz und zweitens sind die Anwohner besser vor dem Baulärm geschützt“, sagt König.

Wo welche Variante des Lärmschutzes eingesetzt wird, das liege auch an der Art der Besiedelung an der Autobahn. „Wo viele Menschen wohnen, gibt es natürlich besseren Lärmschutz als irgendwo in der Pampa“, sagt König. In Hamburg, Quickborn und Neumünster wird zusätzlich Flüsterasphalt auf der Fahrbahn verlegt, der den Lärm der Autos und Lastwagen reduzieren soll.

Jakub Kaczmarek und Tomasz Dastych nehmen den Lärm an der A7 kaum wahr. „Wir sind hier, um Geld zu verdienen“, sagt Dastych. Ob es ihnen Spaß macht bei Wind und Wetter Steine per Hand zu setzen? Kaczmarek zuckt mit den Schultern und sagt: „Ja, wir arbeiten zusammen hier, können uns unterhalten und Musik hören – es geht.“ Rund zwei Wochen brauchen er und die anderen Arbeiter, um die acht Meter lange und 3,60 Meter hohe Gabionen-Wand in Holmmoor fertigzustellen. Das gleiche acht Meter Stück aus Aluwänden zu bauen, die den Rest des mehrere hundert Meter langen Rastplatzes Holmmoor vor Lärm von der Autobahn schützen sollen, hätte vielleicht weniger als einen Tag gedauert, sagt Andreas König. „Die Optik ist aber nun mal so beschlossen worden – dann setzen wir das auch so um.“ Machen tun das vor allem Männer wie Jakub Kaczmarek und Tomasz Dastych. Ob sie wissen, wie viele Steine sie beim Ausbau der A  7 schon in der Hand hatten? Die beiden zucken nochmal mit den Schultern – und passen den nächsten Stein ein.

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