Anzeige : „Uns treibt hochwertige Technologie, Fortschritt und Neugierde an“: Anja Bauer im Interview

Anja Bauer, Geschäftsführerin des Autohauses 'Albert Bauer' plädiert für ein Umdenken in der Mobilität für morgen und hofft auf eine Zukunft, in der das Auto eines der intelligentesten Hilfsmittel sein wird.
Anja Bauer, Geschäftsführerin des Autohauses "Albert Bauer" plädiert für ein Umdenken in der Mobilität für morgen und hofft auf eine Zukunft, in der das Auto eines der intelligentesten Hilfsmittel sein wird.

Julia Voigt hat mit der Geschäftsführung des Flensburger Autohauses „Albert Bauer“ über die Mobilität von heute und morgen gesprochen.

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26. August 2021, 17:05 Uhr

Flensburg | shz: Sie vertreten eine innovative und große Automarke in Flensburg. Die Menschen wollen mobil bleiben, und gleichzeitig soll der CO2 Ausstoß deutlich reduziert werden. Eine große Herausforderung nicht nur, aber auch für die Automobilindustrie. Überwiegt bei Ihnen die Freude auf, oder die Sorge vor den Entwicklungen der nächsten Jahre?

Anja Bauer: Wir blicken mit Freude auf die kommenden Jahre, weil wir lieben, was wir tun. Wir beschäftigen uns mit Mobilität, Wohlstand, Luxus, Emotionen und mit Nachhaltigkeit. Uns treibt Begeisterung und Anspruch, Kundenaugenleuchten und hochwertige Technologie, Fortschritt und unendliche Neugierde aufs Neue an.

Wir sind stolz, Automobile verkaufen zu dürfen, deren Hersteller Benchmark in der Ressourceneffizienz sind, die nicht Teil einer nachhaltigen Zukunft sondern Antrieb dorthin sein werden. Nachhaltig, ressourcenschonend und zukunftsfähig sind die Produktion und die Wertschöpfungskette. 99% der Materialien werden recycelt. Das entspricht genau unserem Anspruch an Produktion in die Zukunft: nicht nur lokal emmissionsfrei zu sein, sondern auch in der Herstellung klimaneutral ein Automobil zu produzieren. Das gibt uns die Produkte in die Hand, mit denen wir auch in Zukunft Mobilität schaffen können.

Ja, es bringt sehr viel Spaß, mit dabei zu sein und die Zukunft zu gestalten. Anja Bauer

Die Mobilitätswende hat viele Ebenen: Die Produktionen verlagern sich in Länder mit geringen Personalkosten. Für solche Entscheidungen sind Kosten und nicht Klimaverantwortung Beweggründe. Durch Corona haben wir gelernt, dass man auch ein Online-Meeting statt eines Fluges organisieren kann. Diese sind klima- und nervenschonender. Zurzeit findet ein Umdenken statt. Es wird viel in Frage gestellt: Ist Globalisierung der richtige Weg? Was lernen wir gerade aus unseren Fehlern und wie können wir die Zukunft klimaneutraler in jeder unserer Entscheidungen mitgestalten? Wir müssen in unserer ökonomischen auch eine ökologische Globalisierung mit denken. Um auf Ihre Frage am Anfang zurück zu kommen: Ja, es bringt sehr viel Spaß, mit dabei zu sein und die Zukunft zu gestalten.

Der enger werdende Platz in den Innenstädten wird immer härter umkämpft. Kann es die BMW „ Freude am Fahren“ dort in Zukunft überhaupt noch geben und wie können Alternativen aussehen?

Fahrzeuge und Innenstädte werden immer mehr vernetzt. Wir müssen dafür sorgen, dass der technologische Fortschritt Staus und Parkhaussuche durch Verknüpfung von Parkplätzen, individual gefahrene Stecken, Fahrrad- und Fußstrecken und ÖPNV minimiert. Die Technik wird für jeden die beste Mobilität ausrechnen: Für den einen wird das mit dem Auto auf direktem Wege zum Kreissaal sein. Für einen anderen vielleicht das Fahrrad oder der Bus. Ein dritter wird eventuell mit dem Auto zu einem Parkplatz und einem Shuttle gebracht werden. Diese verknüpften Systeme werden so individuell sein wie die Städte, die durch Topographie und Platzangebot Engpässe vorgeben. Zudem kommt es hier auf die Mobilitätsoffenheit und die kreativen Entwicklungsideen der Menschen an.

Man erreicht die Mobilitätswende im Kopf durch positive, kreative Angebote, die eine gute Alternative sind anstatt Verboten und „den Autos das Leben schwer machen“. Anja Bauer

Das Fahrrad ist nicht die Antwort auf alle Fragen. Auch das Thema „Autofrei“ ist nicht für jede Stadt die Lösung. Man darf nicht polarisieren, sondern muss alle Mobilitätsanforderungen - Menschen, Lösungen und Möglichkeiten - zusammen betrachten und kombinieren, und sich nicht in eine Richtung verrennen. Man erreicht die Mobilitätswende im Kopf durch positive, kreative Angebote, die eine gute Alternative sind anstatt Verboten und „den Autos das Leben schwer machen“. Denn ohne sie geht es auch nicht. Wenn alle mal offener und ehrlich zu sich selbst sind, sich ihre Stadt, die Bedürfnisse der Bürger, die Ziele der Stadtplanung und die Visionen der Politik angucken, dann kann man schon viel verändern.

Sollte in Zukunft die digitale Verknüpfung fortschreitet und die Automobile „mitdenken“ und wissen, ob ein Parkplatz frei ist oder ein Stau auf der Strecke liegt und, ob es nicht besser ist, außerhalb zu parken und den Bus zu nehmen - dann haben wir eine intelligente Verknüpfung von Informationen, die für das Klima denken. So kann man das Auto auch viel sinnvoller einsetzen und der Platzmangel in den Innstädten wird sich verkleinern. Wir können die Städte ja nicht größer machen. Aber: Wir können unser Verhalten sinnvoll anpassen, wenn wir die Informationen haben. Das ist ein Stück Zukunft: intelligenter mit den Ressourcen Zeit, Platz und Energie umgehen.

Wie haben sich die Anforderungen Ihrer Kunden in den vergangenen Jahren verändert? Was war zu Zeiten Ihres Vaters, und was ist heute das entscheidende Kriterium beim Kauf eines Autos?

Die allergrößte Veränderung ist, dass zur Zeit meines Vaters der Verkäufer alle Informationen über das Auto hatte und der Kunde informiert wurde. Heutzutage bringt der Kunde durch das Internet alle Informationen schon mit. Glücklicherweise sind die technischen Möglichkeiten so groß, dass die richtige Beratung immer noch das Wichtigste des Verkaufsprozesses ist. Früher war Technik und Leistung das wichtigste Thema zwischen Verkäufer und Kunde. Heute sind es Themen wie alternative Antriebstechniken, Connectivity, autonomes Fahren oder Carsharing, die in den Fokus rücken. Kunden wollten immer Lösungen - das ist auch heute so: Sei es für einen Handwerker mit seinem neuen Transporter, für eine Familie mit Kinderwagen und Hund oder einen Single auf der Suche nach einem Roadster. Das ist gleich geblieben. Nur die Antwortmenge für diese Lösungen ist sehr viel größer als noch zu Zeiten meines Vaters.

Das Auto ist weit über 100 Jahre alt. Was sagen Sie denjenigen, die sagen in 100 Jahren wird es das Auto nicht mehr geben?

Ich würde gar nicht von Automobil sprechen. Wie auch immer es aussieht, wir lösen individuelle Mobilitätsprobleme. Und die wird es immer geben. Kein ÖPNV wird einen Handwerker mit Material und Werkstattausrüstung zu einem geplatzten Wasserrohr fahren. Auch kein Löschwagen oder Leiterwagen wird als Carsharing genutzt werden können. Die Menschen möchten auch vielleicht in 100 Jahren nicht auf ihre freie Mobilität verzichten. Aber ich hoffe, die Technik ist dann so weit, dass sich kreative Lösungen durchgesetzt haben und, dass diese Mobilität umweltschonender, passgenauer und leiser sein wird. Vielleicht werden wir ein paar Zentimeter über der Erde schweben, um keinen Rollwiderstand zu haben und geräuscharm dahinzusegeln. Vielleicht wird Carsharing an jeder Ecke zu finden sein. Vielleicht wird auch Mobilität nicht mehr als 5-Sitzer Standard angeboten sondern autonom fahrende Fahrzeuge für eine Person. Daneben ein Share-Bus für 10 Personen, die sich alle angemeldet haben, um in die gleiche Richtung zu fahren. Die Entwicklung in der Zukunft wird auf jeden Fall schneller werden als in der Vergangenheit.

Wir dürfen nur bei unserer Entscheidung nicht vergessen, dass es mehr als die Lösung heute gibt. Wir dürfen uns nicht festbeißen an einer guten Idee, weil wir damit Kreativität einschränken. Ich appelliere an eine Technologie offene Diskussion über Mobilität der Zukunft. Zudem appelliere ich an die Entscheider, Folgen, Auswirkungen und dadurch eventuelle Begrenzungen aus allen Blickwinkeln zu betrachten. Es ist ja schön, wenn Ladesäulen öffentlich zugängig für alle sind. Aber es wäre auch schön, wenn ich eine Chance hätte, die Telefonnummer von einem E-Auto-Fahrer herauszubekommen, wenn der über eine Woche bei mir parkt und die Ladesäule nicht frei gibt und mir weder Polizei noch Datenschutz weiterhelfen dürfen. Daher meine Bitte: Betrachtet bitte alle Entscheidungen aus allen Perspektiven. Wir müssen die Zukunft im Ganzen denken, damit sie richtig gut wird!

Wenn Sie persönlich sich eine Zukunft des Automobils aussuchen könnten, wie sähe diese aus?

Dass es immer einen MINI geben wird! Dieses Auto ist genau für mich gebaut. Und das soll so bleiben. Dieser MINI sollte mir aber sagen, ob es sinnvoll ist, jetzt einkaufen zu fahren. Er sollte Energie an die Waschmaschine abgeben, wenn die Sonne nicht scheint, der Akku voll ist und er weiß, dass nachher die Sonne zum Laden wieder rauskommt. Er sollte mitdenken und mir das Leben leichter machen. Das Auto der Zukunft muss verknüpft sein mit der Technologie um uns herum. Es sollte ein Teil von den ganzen „Helferchen“ sein, die mir das Leben angenehmer machen. Mein Auto der Zukunft sollte mich geschickt und sicher, schnell und sinnvoll mobil halten.

Welche Einstellung der Autofahrer dürfte sich gern verändern?

Ich glaube nicht, dass sich die Einstellung der Autofahrer verändern muss sondern die aller Menschen auf diesem Planeten. Dies wird sehr schwierig sein, weil alle andere Lebenssituationen haben. Wenn jemand in Syrien sein Haus durch einen Bombenangriff verliert, oder wenn jemand sein ganzes Hab und Gut verbrennt oder geklaut wird, dann wird es ihm relativ egal sein, ob er seinen Müll trennt. Dazu hat er in seiner Situation auch alles Recht der Welt. Wenn jemand mit Hunger aufwächst, dann ist ihm das Regenwaldsterben auch ziemlich egal. Wir haben jedoch das Problem, dass wir in Deutschland den Klimawandel nicht alleine aufhalten können. Uns geht es zur Weltbevölkerung relativ gesehen sehr gut in dieser Welt, in die wir hineingeboren wurden. Daher können wir uns es auch leisten, etwas mehr von unserem Geld, unserem Engagement und unserem Wohlstand dafür einzubüßen, um der Umwelt weniger weh zu tun.

Aber die Frage ist: Wo bringt die Einsparung bei uns für eine riesige Kostensumme auch nur noch eine kleine Veränderung, während die gleiche Summe in anderen Ländern viel mehr Wirkung zeigen würde. Ich glaube, gute Entscheidungen müssen weiter gedacht werden. Es kostet unendliche Mengen an Technik, Geld und Ingenieurskunst, ein Automobil noch etwas weniger verbrauchen zu lassen. Vielleicht sollte man die Technik nicht durch gesetzliche Grenzen beschränken, da gute Ideen durch den ständigen Blick auf CO2 nicht mehr frei entstehen können. Vielleicht wäre die Energie in verbesserte Parkplatznutzung oder intelligentere Energiespeicherung besser investiert, als wenn Autos ein kleines bisschen mehr CO2 sparen.

Die Fahrer müssten auch umdenken. Die Verbraucher allgemein müssten umdenken. Man kann nicht vor Lidl auf die Frage „Sind Sie aktiver Klimaschützer?“ mit „Ja!“ antworten und danach ein Stück Fleisch für 1,99€ aus der Truhe nehmen. Man kann ja gerne ein Auto mit großem Motor fahren, wenn man dann sinnvoll und bewusst damit umgeht. Warum nicht mal Gas geben, weil es einfach so toll im Bauch kribbelt? Aber man muss sich bewusst sagen: Ich leiste mir das tolle Gefühl und ich weiß das.

Ich habe nun als Frau nicht so ein Autogen wie viele Männer, aber wir mahlen zu Hause unser Mehl selbst, backen unser Brot und unsere Brötchen selbst und wir wissen, dass das viel mehr Strom verbraucht, als wenn wir die Brötchen beim Bäcker kaufen. Man kann seinen Verbrauch nicht neutralisieren. Aber es muss einem bewusst sein. Es muss einem das wert sein. Uns ist die Ernährung das wert, dass unser Backofen jeden Sonntag auf 280 Grad läuft. Aber wir machen Urlaub mit dem Segelboot und an der Nordsee - vielleicht mal in Österreich in den Bergen. Den Laden haben wir auf LED umgerüstet. Wir haben energiesparende Pumpen überall eingebaut, damit wir unseren Teil dazu beitragen, dass der Klimawandel gestoppt wird.

Ich kann keinem Kunden ein Auto verkaufen, wenn er gar keins haben will. Der Kunde fragt das Fahrzeug bei mir nach und diese Nachfrage bestimmt am Ende die Produktion. Genau wie die Wurst bei Lidl: Würde die keiner nachfragen, würde diese auch nicht angeboten werden. Darum ist es wichtig, dass jeder von uns etwas dazu beiträgt. Und sei es nur etwas Kleines, wenn man keine Möglichkeit hat, etwas Größeres zu tun.

Tun Sie alles bewusst. Wenn wir bewusst mal sagen: „Heute geben wir Gas“ - dann werden wir auch an den ganzen anderen Tagen sparsam fahren. Und das wünsche ich mir von meinen Kunden: bewusst mit der Mobilität umgehen. Ich hoffe, dass uns die Technik in den Autos intelligente Lösungen vorschlägt und uns damit unterstützt und für uns mitdenkt. Denn irgendwann wird das Auto mehr Informationen über die Gesamtsituation haben als wir.

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