Smarte Fahrzeuge : Auch für ältere Autos: So lassen sich Apple CarPlay und Co. nachrüsten

Icons der Apple CarPlay Software – wie viel Infotainment ist überhaupt sinnvoll? Foto: Mercedes-Benz/dpa
Icons der Apple CarPlay Software – wie viel Infotainment ist überhaupt sinnvoll? Foto: Mercedes-Benz/dpa

Wer Apps im Auto legal nutzen möchte, muss nicht gleich einen Neuwagen anschaffen. Es gibt Nachrüstlösungen.

shz.de von
24. Juli 2018, 15:41 Uhr

Köln/Berlin | Es muss kein Neuwagen sein, um Apple CarPlay, Android Auto oder MirrorLink in das eigene Auto zu bekommen - die gängigen Systeme zur Spiegelung von Handyinhalten und Apps aufs Autodisplay können auch nachgerüstet werden. Bei neueren Autos lässt sich die Funktion ins bestehende Entertainment-System nachträglich installieren. "Bei Volkswagen zum Beispiel ist die Nachrüstung für einige Modelle ab 2016 möglich", sagt ADAC-Sprecher Christian Buric. Und der Geschäftsführer des Automobil-Club Verkehr (ACV), Holger Küster, fügt an: "Inzwischen bietet eigentlich jeder Autohersteller Fahrzeugmodelle an, deren Systeme Apps ab Werk unterstützen."

Doch auch ältere Autos müssen nicht außen vor bleiben. "Voraussetzung ist ein standardisierter Radioschacht im Fahrzeug", sagt Küster. Meist ist ein Doppel-DIN-Schacht im Instrumententräger notwendig, damit die Geräte, die sich bei der Displaygröße an der Original-Hardware des Autoherstellers orientieren, auch passen. On-Board-Systeme für spezielle Fahrzeugtypen gibt es zum Beispiel von Kenwood, Pionier, Sony, Alpine oder Zenec.

Teils ahmen diese von den Anbietern auch Navitainer, Naviceiver oder Infotainer genannten Geräte auch das Design des Originals nach. Oft sind sie zugleich Soundsystem, Navi, Radio- und TV-Receiver in einem und können die Steuerung von Klimaanlage oder Sitzheizung übernehmen. Der ACV rät zum eingehenden Beratungsgespräch und Check des Fahrzeugs in einem Fachbetrieb. Nur so könne gewährleistet werden, dass alle gewohnten Funktionen verknüpft werden.

CarPlay funktioniert erst ab dem iPhone 5

Wird zum Beispiel VWs weit verbreitetes und schon etwas in die Jahre gekommenes Flaggschiff-Navigationssystem RNS 510 durch ein Drittgerät mit erweiterter Handyfunktionalität ersetzt, müssen mehrere Adapter her: Zum eigentlichen Gerät kommen ein CAN-Interface, ein GPS-Adapter für die VW-Dachantenne sowie ein Modul hinzu, so dass auch die etwaig vorhandene Rückfahrkamera weiterhin genutzt werden kann.

Zudem sollten Interessenten vorab sicherstellen, dass die Lenkradbedienung des Radios und weiterer Funktionen nutzbar bleibt und auch die Anzeige im Cockpit-Display nach dem Einbau noch kooperiert, um etwa Navihinweise anzuzeigen.


Nicht vergessen: Auch das Smartphone selbst muss kompatibel sein - wozu manchmal bereits ein Update auf das aktuelle Betriebssystem genügt. Apple CarPlay etwa funktioniert nach Auskunft des Herstellers grundsätzlich erst ab dem iPhone 5.

Stimmt technisch alles, kommen neue Funktionen ins Auto, die über das reine Koppeln des Handys per Bluetooth-Schnittstelle hinausgehen. Neben dem Telefonieren und der Musikwiedergabe können Messenger-Dienste wie Whatsapp oder iMessage genutzt werden. Botschaften werden vorgelesen, per Spracherkennung beantwortet, Navigation über das Smartphone wird möglich. Titel der Handy-Musiksammlung werden ebenso im Design des Handy-Betriebssystems angezeigt wie die App-Buttons von Podcasts oder den Streaming-Diensten Spotify oder SoundCloud.

Weil die Geräte von Car-Hifi-Spezialisten kommen, lässt sich der Klang über erweiterte Equalizer oftmals optimieren. Auch verfügen sie oft über Digitalradioempfang (DAB), wozu jedoch eine zusätzliche Antenne ins Auto muss. Es kann jedoch auch passieren, dass ein On-Board-Gerät einer Drittfirma die Verkehrszeichenerkennung nicht mehr unterstützt. Den Einbau in Eigenregie zu übernehmen, ist nicht empfehlenswert - es sei denn, man verfügt über dezidierte Fachkenntnisse. "Die sichere Variante sind Vertragshändler. Aber auch Drittwerkstätten mit Spezialisierung auf Car-Hifi sind eine gute Anlaufstelle", sagt ACV-Mann Küster. Der ACV rät davon ab, im Internet einfach das günstigste Gerät zu bestellen - zu groß ist das Risiko, dass doch noch das ein oder andere Typen-Kabel fehlt. "Lieber einen etwas höheren Preis bei der Werkstatt bezahlen, dann ist das Gerät auf jeden Fall kompatibel, und die Werkstatt kann auch einen besseren Service anbieten."

Viele Apps benötigen Internetverbindung

Kompatible Geräte finden sich ab 300 Euro, wobei Multifunktionsgeräte inklusive aller Adapter teils an die Preise der Original-Hersteller heranreichen und weit über 1000 Euro kosten. Beim Geld sollte man nicht vergessen, dass viele der Apps eine Internetverbindung benötigen, was einen Mobilfunkvertrag mit entsprechendem Datenvolumen und natürlich ein stabiles Netz voraussetzt. Das kann gegenüber dem herkömmlichen Einbau-Navi die Kosten treiben, wenn man zu oft streamt oder die Handy-Navigation über Google Maps oder Apple Maps nutzt.

Mit Verlusten beim Wiederverkauf des Autos muss gerechnet werden, wenn statt des Originals ein Drittgerät im Schacht sitzt. Doch auch an anderer Stelle kann man sparen. "So sind die Software-Updates bei nachgerüsteten Geräten meist deutlich günstiger", sagt Küster.

Eine andere Gefährdung können Nachrüstlösungen abmildern: das Unfallrisiko durch Ablenkung. Siegfried Brockmann von der Unfallforschung der Versicherer (UDV) tut sich zwar schwer damit, den Effekt genau zu beziffern. So habe etwa eine Untersuchung ergeben, dass das Telefonieren im Auto mit und ohne Freisprecheinrichtung in ähnlichem Maße ablenkt, weil man es nicht nur mit mechanischer, sondern einem hohen Anteil mentaler Ablenkung zu tun habe.

"Diese mentale Ablenkung bleibt auch bei den Nachrüstlösungen bestehen." Er gesteht aber zu, dass deren Bedienung weniger Risiko birgt, als während der Fahrt auf dem Smartphone herumzutippen. Auch ACV-Chef Küster ist zwiegespalten: "Auch wenn die Technik sicherer ist, als wenn das Handy in die Hand genommen wird, lädt sie durch die verbesserte Nutzbarkeit und Verfügbarkeit von verschiedenen Apps dazu ein, sie auch vermehrt zu nutzen."

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