Achtung Ausgleichung: Den Nachlass gerecht verteilen

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08. Juni 2015, 12:09 Uhr

Das Erbe gerecht zwischen den Kinder aufzuteilen, ist gar nicht so leicht. Probleme kann es mit der sogenannten Ausgleichung geben, wie das folgende Beispiel verdeutlicht:

Ein Vater stirbt und hinterlässt zwei Töchter und einen Sohn. Die beiden Töchter sind Ärztinnen geworden. Die monatliche finanzielle Unterstützung der beiden während des sechsjährigen Studiums hat sich für den Vater pro Tochter auf 65  000 Euro summiert. Der Vater hat für die Ausbildung seiner zwei Töchter also insgesamt 130  000 Euro gezahlt. Der Sohn dagegen absolviert eine Lehre. Für die Ausbildung des Sohnes entstanden dem Vater keine Kosten. Um seinen Sohn aber ebenso zu unterstützen wie die Schwestern, schenkt er ihm eine Eigentumswohnung im Wert von 80  000 Euro. Der Vater stirbt in dem Glauben, seine drei Kinder finanziell nahezu gleich und damit gerecht behandelt zu haben.

Zusätzlich hinterlässt er ihnen ein Vermögen von 490  000 Euro. Das werde zu drei gleichen Teilen unter seinen Kindern aufgeteilt, glaubt der Mann – doch er hat sich geirrt. Denn nach seinem Tod verlangen die Töchter wegen der Schenkung der Wohnung an den Sohn eine Ausgleichung und setzen sich damit auch durch.

Gerechnet wird nun folgendermaßen: Zu dem hinterlassenen Vermögen von 490  000 Euro wird der Wert der Wohnung in Höhe von 80  000 Euro addiert. So ergeben sich 570  000 Euro, die durch die drei Kinder geteilt werden. Jedem der Geschwister stehen somit 190  000 zu. Der Sohn muss sich allerdings die Wohnung mit 80  000 Euro anrechnen lassen. Ausgezahlt bekommt er deshalb nur 110    000 Euro, während seine beiden Schwestern jede 190  000 Euro erhalten.


Beachten Sie gesetzliche Unterhaltspflichten


Nach alledem bekommen die Mädchen viel mehr als ihr Bruder. Das mag auf den ersten Blick nicht gerecht erscheinen. Doch nach juristischen Maßstäben ist es das, weil hier unterhaltsrechtliche Regelungen mit denen des Erbrechts kollidieren: Das teure Studium der Töchter musste der Vater ihnen aus seiner Unterhaltspflicht heraus für die Ausbildung bezahlen. Es bleibt daher für den Erbfall unbeachtet. Die Schenkung der Wohnung dagegen schmälerte das Vermögen des Erblassers, ohne dass er dabei einer entsprechenden Verpflichtung nachgekommen wäre. Deshalb konnten die Töchter eine Ausgleichung verlangen. Unvermeidlich war diese Ausgleichung indes nicht. Der Vater hätte bei der Schenkung der Wohnung zum Beispiel einfach, aber ausdrücklich anordnen können: „Die Schenkung ist im Erbfall nicht zur Ausgleichung zu bringen.“

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