FIS reagiert auf Fahrerkritik : Gefährliche Abfahrt: Sprünge auf der Streif entschärft

Die Sprünge auf der legendären Streif sind entschärft worden.
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Die Sprünge auf der legendären Streif sind entschärft worden.

Im Olympia-Winter sind zwei Abfahrer bei der Ausübung ihres Sports gestorben. Das Thema Sicherheit ist deswegen so präsent und sensibel wie selten. Insbesondere vor dem Rennen auf der Kitzbüheler Streif, der gefährlichsten Schussfahrt der Welt.

shz.de von
17. Januar 2018, 12:14 Uhr

Kitzbühel (dpa) - Auf das sensible Thema Sicherheit auf der Abfahrt reagierte der Skiweltverband FIS in Kitzbühel binnen weniger Stunden.

Ein Ausraster von Andreas Sander nach dem ersten Training auf der Streif und zahlreiche deutliche Hinweise anderer Fahrer wie von Aksel Lund Svindal aus Norwegen reichten, um die Sprünge auf der Streif zu entschärfen. Zudem sollte mit mehr Farbe an vielen Stellen der gefährlichsten Abfahrt der Welt für bessere Sichtbarkeit von Bodenwellen und Schlägen gesorgt werden. «Wir haben reagiert», sagte FIS-Renndirektor Markus Waldner.

Die Resultate sind am Donnerstag im Abschlusstraining zu sehen, die Fahrt am Mittwoch fiel wegen zu starkem Schneefall aus. Die Veranstalter waren von dem schnellen Schnee am Dienstag überrascht, die Sprünge gingen deswegen auch ohne volles Renntempo 50 Meter und weiter - zu viel und zu gefährlich. «Es ist - so oder so - so schwer in Kitzbühel, das braucht es einfach nicht», sagte Josef Ferstl. «Wir geben alles, wir wollen auch eine Show bieten, keine Frage.» Dazu brauche es aber Hilfsmittel wie Farbe im Schnee, um gefährliche Stellen erkennen zu können. Das soll am Donnerstag besser sein.

Niemand will sich vorwerfen lassen, die Gesundheit der Skirennfahrer auf der ohnehin von Natur aus ungeheuer schwierigen Strecke in Tirol bewusst aufs Spiel gesetzt zu haben - insbesondere in einem Winter mit schon zwei Todesfällen. Schon vor dem tödlichen Unfall des deutschen Nachwuchsfahrers Max Burkhart Anfang Dezember war Frankreichs David Poisson auf einer unzureichend gesicherten Strecke beim Training in Kanada schwer gestürzt und ums Leben gekommen.

Dieses Unglück ist in der Olympia-Saison in jedem Rennen präsent, viele Fahrer tragen ein Herz mit den französischen Landesfarben auf dem Helm und erinnern so an ihren Freund und Kollegen. «Es ist klar, dass es nun eine Zeit vor und eine Zeit nach dem Poisson-Unfall gibt», hatte Waldner unmittelbar danach gesagt. Die Strecken sollten alle eher defensiv präpariert werden.

Umso größer war das Unverständnis der Fahrer nach der ersten Übungsfahrt in Kitzbühel. «Ich bin wirklich sauer», schimpfte Sander. «Man darf nicht im ersten Training am Limit sein.» Vor der Landung habe man nicht erkennen können, wie lange es noch dauert. «Das ist für mich die einfachste Sache, den Sport sicherer zu machen - wir brauchen gute Farbe», beschwerte sich Sander.

Kitzbühel steht zwar in dem Ruf, ein paar Stürze pro Abfahrt seien gut für die Legende der gefährlichsten Strecke der Welt - andererseits sind die Sicherheitsvorkehrungen wohl so gut wie nirgends sonst. Schon bei kleinsten Verletzungen werden die Sportler auf schnellstem Wege mit Helikoptern von der Strecke geborgen.

Thomas Dreßen, derzeit der formstärkste deutsche Abfahrer, äußerte sich zwar inhaltlich ebenfalls kritisch, war aber weniger emotional. «Nur Vorwürfe ist auch ein Schmarrn, wenn man das macht. Wichtig ist einfach, dass was geändert wird», betonte er. «Das ist Kitzbühel, da gibt es immer Diskussionen drüber, was zu gefährlich ist und was nicht. Am Ende des Tages bin ich froh, dass ich gesund herunten bin.»

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