Super Bowl 2018 : Philadelphia Eagles entthronen Patriots um Starspieler Tom Brady

Quarterback Nick Foles gewann mit den Philadelphia Eagles den Super Bowl.
Quarterback Nick Foles gewann mit den Philadelphia Eagles den Super Bowl.

Quarterback-Superstar Brady verliert mit seinen New England Patriots den Super Bowl und verpasst damit eine historische Marke.

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05. Februar 2018, 07:05 Uhr

Minneapolis | In einem Offensivspektakel der Rekorde haben die Philadelphia Eagles ihren ersten Super-Bowl-Triumph gefeiert und die New England Patriots um Star-Quarterback Tom Brady entthront. Der Außenseiter setzte sich im hochklassigen Finale der National Football League im bitterkalten US Bank Stadium von Minneapolis mit 41:33 (22:12) gegen den Titelverteidiger durch.

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Damit krönte Eagles-Spielmacher Nick Foles am Sonntagabend (Ortszeit) im größten Einzelsportevent der Welt seine märchenhafte Geschichte vom Ersatzspieler zum gefeierten Helden. „Es ist unglaublich“, sagte Foles im Konfettiregen in den Teamfarben grün, silber, weiß und schwarz. „Wir haben so großartige Jungs, großartige Trainer.“ Der 29-Jährige wurde als wertvollster Spieler der Partie ausgezeichnet.

Sein Kontrahent Brady verließ hingegen im Laufschritt das Spielfeld und muss wie die Patriots auf den sechsten Gewinn der Vince-Lombardi-Trophäe warten. Damit blieb dem 40-Jährigen auch die alleinige Rekordmarke für gewonnene Super Bowls eines Spielers vorerst verwehrt. Beide Teams pulverisierten die bisherige Offensiv-Bestmarke und kamen gemeinsam auf 1151 Yards. „Die Eagles haben verdient gewonnen, das muss man neidlos anerkennen“, sagte der frühere Patriots-Profi Sebastian Vollmer bei ProSieben.

Philadelphias Corey Clement (li.) jubelt nach einem Touchdown.
dpa
Philadelphias Corey Clement (li.) jubelt nach einem Touchdown.
 

Im vierten Playoffspiel seiner Karriere war Foles bei Außentemperaturen von 17 Grad unter Null von Beginn an keine Spur von Nervosität anzumerken. In der Vorsaison hatte er eigentlich schon einen Rücktritt erwogen. Erst Mitte Dezember übernahm er den Job als Chef-Spielmacher von Carson Wentz nach dessen Kreuzbandriss. Fest umarmte Eagles-Besitzer Jeffrey Luri den verletzten Wentz nach dem Sieg: „Das Beste kommt erst noch“, sagte er mit Blick auf die nächsten Jahre. Zuletzt hatten die Eagles in der Vor-Super-Bowl-Zeit 1960 einen Titel gewonnen.

Foles übertraf hingegen schon in der Gegenwart alle Erwartungen. Er warf drei Touchdowns und fing dabei als erster Quarterback der Super-Bowl-Geschichte auch einen Touchdown selbst. Damit konnten sich die Eagles im dritten Anlauf das erste Mal die begehrten Ringe für die Sieger sichern. 2005 hatten sich noch die Patriots mit 24:21 gegen Philadelphia durchgesetzt.

Bei den vorigen sieben Super-Bowl-Teilnahmen in der Ära von Brady und Erfolgscoach Bill Belichick war New England ohne Punkte im Auftaktviertel geblieben –Stephen Gostkowski beendete die Negativ-Serie mit seinem Field Goal zum 3:3. Doch wie schon im Vorjahr, als New England gegen die Atlanta Falcons ein 3:28 drehte, liefen Brady & Co. einem Rückstand hinterher.

Patriots-Quarterback Tom Brady lässt im Super Bowl den Kopf hängen.
Jeff Roberson
Patriots-Quarterback Tom Brady.
 

Gostkowski kickte einen weiteren Versuch aus kurzer Distanz an das Gestänge, Wide Receiver Brandin Cooks kehrte nach einem harten Tackle wegen einer Kopfverletzung nicht mehr aufs Feld zurück. So griff Patriots-Coach Belichick tief in die Trickkiste und setzte Brady als Ballempfänger ein – vergeblich. Beim Versuch, den Pass von Danny Amendola zu fangen, war dem Routinier sein Alter deutlich anzusehen.

Stattdessen glänzte Philadelphia. Nach einem perfekten Pass von Foles in die Endzone stand Wide Receiver Alshon Jeffery förmlich in der Luft, pflückte den Ball herunter: erster Touchdown. Sehr zur Freude der Eagles-Fans, die im US Bank Stadium akustisch deutlich die Übermacht hatten und Brady gnadenlos ausbuhten.

Auf 15:6 zog der Außenseiter davon, die Patriots-Defensive war trotz eines abgefangenen Passes von Foles völlig überfordert vom variablen Angriff Philadelphias. Als Höhepunkt der Demütigung sorgte der Eagles-Quarterback kurz vor der Pause persönlich nach einem Pass von Trey Burton für das 22:12.

Halbzeit-Show: Justin Timberlanke heizt ein

Vor mehr als 70.000 Zuschauern im Bank Stadium und einem Millionenpublikum an den Bildschirmen stand der 37-jährige Justin Timberlake fast 14 Minuten im Rampenlicht. Die Show war ein Medley seiner größten Hits, darunter „Can't Stop the Feeling“, „SexyBack“, „Cry Me a River“ und „Rock Your Body“. In der Heimatstadt von Prince zollte er auch dem im April 2016 gestorbenen Star Tribut. Auf einer riesigen Leinwand in lila Licht getaucht erschien der „Purple Rain“-Sänger.

Es war Timberlakes dritter Super-Bowl-Einsatz. 2001 war er mit seiner ehemaligen Boygroup 'N Sync aufgetreten, 2004 mit der Sängerin Janet Jackson. Bei ihrem Duett am Ende der Show kam es zu einem Skandal, als Timberlake einen Teil des Oberteils Jacksons abriss und ihre Brust entblößte. Der Vorfall machte als „Nipplegate“ Schlagzeilen, die Musiker sprachen von einem defekten Kostüm Jacksons. Diesmal lief bei Timberlakes Auftritt alles glatt.

Auch US-Sängerin Pink (38) trug vor dem Anpfiff des Spiels die US-Nationalhymne mit starker Stimme vor. Tage zuvor hatte sie auf Instagram erklärt, dass sie gegen eine Grippe ankämpfe und sich um ihre Stimme sorge.

Nach der Halbzeitshow des Popstars kam New England zurück wie ein Champion. Brady führte sein Team in knapp drei Minuten zum Touchdown übers Feld. Foles konterte mit seinem zweiten erfolgreichen Pass in die Endzone, Brady verkürzte erneut zum 26:29.

Justin Timberlake während der Halbzeit-Show.
dpa
Justin Timberlake während der Halbzeit-Show.
 

Wie in einem Trainingsspiel sezierten die Quarterbacks mühelos die gegnerische Defensive. Schon vor Ende des dritten Viertels hatten die Teams den Rekord für erzielte Yards in einem Super Bowl geknackt.

Im Schlussabschnitt ging New England erstmals in Führung – doch Foles hatte wieder die richtige Antwort. Als sich Brady gut zwei Minuten vor Ende anschickte, wieder eines seiner berüchtigten Comebacks hinzulegen, schlug ihm Eagles-Verteidiger Brandon Graham den Ball aus der Hand. Beim Stand von 33:41 waren die Patriots noch einmal im Angriff - bei auslaufender Zeit fiel Bradys letzter Pass jedoch zu Boden. „Wir waren defensiv nicht gut genug“, gestand Coach Belichick. „Das reicht einfach nicht gegen ein Team wie die Eagles.“

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