zur Navigation springen

Hockey : Mülders macht's möglich: Hockey-Trainer formt Top-Team

vom

WM-Ticket gelöst, EM-Finale erreicht: Jamilon Mülders hat in nur acht Monaten als Cheftrainer alle Jahresziele erfüllt.

shz.de von
erstellt am 23.Aug.2013 | 10:40 Uhr

Als der nach dem enttäuschenden siebten Olympia-Platz in London zum Damen-Bundestrainer beförderte Coach vor dem Amtsantritt im Dezember ankündigte, ein starkes Team mit Zukunft aufbauen zu wollen, wurde er selbst von Hockey-Experten schief angesehen. Doch er hat den Worten schnell Taten folgen lassen. Bei der World League in Rotterdam gelang im Juni mit dem Sieg über Topfavorit Niederlande die Qualifikation zur WM 2014 in Den Haag. Nun führte er sein stark verjüngtes Team in Boom ohne Punktverlust gegen starke Widersacher konsequent ins EM-Endspiel am Samstag gegen England.

«Ich wurde belächelt, als ich gesagt habe, dass wir nur ein angeschlagenes Schiff haben, das man wieder flott machen muss», berichtete der 37 Jahre alte Ex-Nationalspieler. Deshalb hat es ihn auch gereizt, von seinem Posten als erfolgreicher Nachwuchscoach im DHB-Herrenbereich zu den Damen zu wechseln. Dort löste er den glücklosen Michael Behrmann (Vertragsende) ab.

Zwar muss Mülders ohne Asse wie Rekord-Nationalspielerin Natascha Keller, Spielführerin Fanny Rinne & Co. auskommen. Ihm gelang es vor allem aber, dem durch Talente ergänzten Kader eine neue Philosophie einzuhauchen: Die Spielerinnen glauben an sich und zeigen das auch auf dem Platz. Beim Halbfinal-Erfolg über Belgien war auch der von Mülders immer einkalkulierte Rückschlag drin, im Penaltyschießen dokumentierten seine Damen aber ihr neues Selbstvertrauen: Torfrau Kim Platten hielt alles, Maike Stöckel und Julia Müller trafen - 2:0.

Ähnlich wie Herren-Erfolgscoach Markus Weise macht Mülders harte Vorgaben, setzt aber im Gegenzug auf die Selbstständigkeit seiner Spielerinnen. Funktioniert alles, gibt's keine Probleme. Wenn nicht, greift der strenge Förderer der Spielerinnen konsequent durch.

Insgesamt setzt der Berliner beim Neubeginn auf eine Mischung aus Routiniers und Talenten. So holte er als Abwehrchefin die 35 Jahre alte Tina Bachmann, Olympiasiegerin von Athen 2004, zurück und machte die 27-jährige Julia Müller zur Spielführerin. Auf der anderen Seite nahm er in Debütantin Hannah Gablac (18) und Lea Stöckel (19) zwei Teenager mit zur EM, die gleich gut mithielten und ein weiterer Pfand für morgen sind.

«Uns geht es darum, den Kader Richtung WM 2014 zu entwickeln. Ich traue den beiden Neuen voll zu, uns dort zu verstärken», sagte der Coach. Er habe immer gewusst, «dass wir einen großen Kader mit vielen guten jungen Spielerinnen haben. Es geht nur darum, wie man mit ihnen umgeht», berichtete Mülders. Das tut er eigenen Worten nach genau wie mit dem männlichen Nachwuchs - man geigt sich schon mal die Meinung, auch bei den Damen fliegen mitunter die Fetzen.

«Aber bei allem geht es in erster Linie darum, dass es das Team weiterbringt. Das ist das, was wir alle unbedingt wollen», meinte der Weltmeister von 2002, der ein anderer, viel impulsiverer Typ ist als sein oft als zu weich bezeichneter Vorgänger Behrmann. Gewinnen will der 41-malige Ex-Internationale auch gegen England. «Ausgang offen», meinte Mülders, der keinen psychologischen Vorteil in dem 2:1-Vorrundensieg sieht, wie er grinsend anmerkte: «Der einzige Vorteil ist: Wir können in Weiß spielen und die müssen in Rot ran.»

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen