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Thema soziale Ungerechtigkeit : Hymnen-Protest im US-Sport - NBA-Coach: «Problem bleibt»

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In der NBA ist die Saisonvorbereitung in vollem Gange. Die Liga erinnert die Teams daran, dass Spieler während der Nationalhymne stehen müssen. Das Thema der sozialen Ungerechtigkeit im Land bleibt dem Sport dennoch erhalten.

shz.de von
erstellt am 01.Okt.2017 | 14:52 Uhr

Die NBA empfiehlt ihren Teams, auf Hymnen-Proteste wie beim American Football zu verzichten.

In einem Memo an die 30 Teams der stärksten Basketball-Liga der Welt erinnerte der stellvertretende Liga-Chef Mark Tatum daran, dass die NBA den Spielern und Trainern vorschreibt, während der Nationalhymne zu stehen. Zuletzt hatten sich zahlreiche Spieler in der Football-Liga NFL bei der Nationalhymne hingekniet, um gegen soziale Ungerechtigkeit und US-Präsident Donald Trump zu protestieren. Bei den ersten NBA-Vorbereitungsspielen blieben die Spieler stehen.

Tatum hatte den Teams am Freitag vorgeschlagen, ihre Eröffnungsspiele zu nutzen, um die Kernwerte der Liga, wie Gleichberechtigung, Vielfalt und Zugehörigkeit, zu verdeutlichen. Spieler oder Trainer könnten vor der Nationalhymne eine Ansprache halten oder es könnte ein Video gezeigt werden. Tatum erklärte weiter, dass die Liga es unterstützte, wenn Spieler ihre Meinungen äußern.

«Sollte ein Spieler, Trainer oder Teamangestellter während der Nationalhymne nicht stehen, wird das Ligabüro darüber entscheiden, wie damit umgegangen wird. Teams haben keinen Ermessensspielraum, um diese Regel außer Kraft zu setzen», hieß es in dem Memo, über das zuerst der TV-Sender ESPN berichtet hatte.

Bei den beiden Basketball-Auftaktpartien der Preseason blieb am Samstag kein einziger Basketballer während der Hymne auf der Bank sitzen oder ging auf die Knie. Beim Spiel der Golden State Warriors gegen die Denver Nuggets verhakten die Spieler ihre Arme ineinander. Auch beim Aufeinandertreffen zwischen den Los Angeles Lakers und den Minnesota Timberwolves blieb es beim Verhaken der Arme.

Die Basketballer verzichteten also auf einen offiziellen Hymnen-Protest, ihren Standpunkt in Bezug auf Trump und die soziale Ungerechtigkeit im Land haben viele jedoch bereits im Laufe der Woche verkündet. NBA-Superstar LeBron James, der Trump als «Penner» bezeichnete, nachdem dieser die Einladung der Warriors ins Weiße Haus zurückgezogen hatte, erklärte, sich weiter gegen soziale Ungerechtigkeit im Land aussprechen zu wollen. «Es geht um Gleichberechtigung», sagte James, der für die Cleveland Cavaliers auf Punktejagd geht. Viele andere Spieler und Trainer sind der gleichen Ansicht.

«Ich hoffe, es hört nicht auf», sagte Los-Angeles-Clippers-Trainer Doc Rivers der Deutschen Presse-Agentur. «Trump kann zwar damit aufhören auf Twitter über protestierende Spieler zu schreiben, dass Problem der sozialen Ungerechtigkeit im Land bleibt jedoch». Die Clippers hatten ihr erstes Vorbereitungsspiel für Sonntag (Ortszeit) in Honolulu im US-Staat Hawaii gegen die Toronto Raptors geplant.

«Es ist ein Protest gegen die Art und Weise wie das Land geführt wird», sagte der 55-Jährige, der seit 2013 das Team aus Kalifornien betreut. «Wir wollen eine bessere Nation sein. Ich glaube darum geht es in dem Protest. (...) Im Endeffekt protestieren diejenigen, die während der Nationalhymne knien, gegen die Behandlung im Land. Sie denken, dass wir als Land besser sein könnten, und ich stimme mit ihnen darin überein».

Trotz der politischen Themen mit denen sich Trump aktuell konfrontiert sieht, ließ es sich der Präsident nicht nehmen, die Football-Spieler daran zu erinnern, während der Hymne zu stehen. «Es ist sehr wichtig, dass die NFL-Spieler morgen, und auch in Zukunft, für unsere Nationalhymne stehen. Respektiert unsere Flagge und unser Land!», schrieb Trump bei Twitter am Samstag.

Auch für den vierten Spieltag der aktuellen NFL-Saison am Sonntag wurden Proteste erwartet. Trump selbst trug zur Ausweitung der Protestbewegung bei, nachdem er bei einer Rede vor etwas mehr als einer Woche erklärt hatte, dass Spieler, die während der Hynme knien, gefeuert werden sollten. Außerdem hatte er diese Spieler als «Hurensöhne» bezeichnet.

«Es gibt nicht wirklich einen guten Zeitpunkt für einen Protest», sagte Rivers. «Aus diesem Grund sage ich, lasst es uns jetzt tun». Colin Kaepernick, der ehemalige Quarterback der San Francisco 49ers, hatte die Protestbewegung vor gut einem Jahr gestartet, um gegen Polizeigewalt und die Unterdrückung von Minderheiten in den USA zu protestieren.

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