American Football : Ex-Footballer Vollmer: Bald weiterer Deutscher in der NFL

Der ehemalige deutsche NFL-Football-Spieler Sebastian Vollmer.
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Der ehemalige deutsche NFL-Football-Spieler Sebastian Vollmer.

Kein Deutscher kennt den Super-Bowl-Titelverteidiger so gut. Sebastian Vollmer spielte acht Jahre für die New England Patriots. Deutschlands NFL-Zukunft sieht er positiv.

shz.de von
29. Januar 2018, 07:44 Uhr

Super-Bowl-Sieger Sebastian Vollmer erwartet weitere deutsche Football-Profis in der amerikanischen Liga NFL.

Wann es allerdings den nächsten deutschen Super-Bowl-Champion geben wird, wagte er im Interview der Deutschen Presse-Agentur vor dem diesjährigen Endspiel nicht zu prognostizieren. Dort will sein Ex-Team New England Patriots gegen die Philadelphia Eagles den Titel verteidigen. Einfach werde es für seine favorisierten ehemaligen Kollegen nicht.

Am Sonntag treffen die Patriots auf die Eagles. Was für eine Partie erwarten Sie im diesjährigen Super Bowl?

Sebastian Vollmer: Es wird ein sehr interessantes und knappes Spiel werden. Alle sagen, dass Philadelphia der Underdog ist. Aber wenn man sich die Historie anschaut, sieht man, dass die Super Bowls mit den Patriots immer sehr knapp ausgegangen sind. Die Spiele hätten immer auch anders ausgehen können.

Warum schaffen es die Patriots so häufig, diese engen Partien zu gewinnen?

Vollmer: Das liegt viel an dem Trainer-Team. Sie haben immer einen guten Plan, wie man in das Spiel geht. Aber dann, wenn er nicht ideal funktioniert, sind sie sehr gut darin, zu reagieren und diesen Plan anzupassen. Der zweite Punkt ist das harte Konditionstraining der Patriots. Es ist brutal. Während man es macht, denkt man immer nur: «Warum? Mir tun die Beine weh!» Aber man hat dadurch auch am Ende der Saison noch Kraft in diesen Situationen im letzten Viertel.

Und ein Quarterback wie Tom Brady hilft wohl auch.

Vollmer: Er hat gottgegebenes Talent, das ist entscheidend. Die ganzen Dinge die er macht, um sich vorzubereiten, die helfen natürlich. Darüber wird auch viel geredet. Aber wenn ich oder irgendwer sonst ohne dieses Talent dieselben Trainingseinheiten machen würde, wäre man nicht so gut. Durch seine Stärke bekommt man als Mitspieler Selbstvertrauen, solange er auf dem Feld ist. Man glaubt immer an die Chance und geht immer weiter. Irgendwie erwartet man dann schon, dass man das Ruder noch rumreißt.

Brady ist 40 Jahre alt - für einen Profisportler ist das ein hohes Alter. Wie lange wird er noch spielen?

Vollmer: Ich habe mit ihm vor ein paar Tagen noch gesprochen. Er findet, dass er momentan besser spielt als je zuvor. Deshalb sagt er sich: Warum sollte ich jetzt aufhören? Ich glaube: Solange er die Leistung abrufen kann, ist kein Ende in Sicht. Ich gehe ganz stark davon aus, dass er nach dieser Saison nicht aufhören wird - auch wenn die Patriots den Super Bowl wieder gewinnen.

Sie sind der letzte deutsche Super-Bowl-Champion. In diesem Jahr steht kein Profi aus Deutschland in dem Finale. Wann bekommen Sie einen Nachfolger?

Vollmer: Das ist schwierig zu beantworten: Prozentual sind sehr wenige Deutsche in der NFL. Und es gibt auch viele US-amerikanische Stars, die nie den Super Bowl gewonnen haben. Die Chance, es zu schaffen, ist für jeden Profi unglaublich gering. Es hängt viel mit Glück zusammen. Hätte ich acht Jahre bei den Buffalo Bills gespielt, dann wäre meine Karriere ganz anders verlaufen. Oft hat man nichts damit zu tun, welches Team einen im Draft auswählt und wo man unterschreibt. Ich wünsche mir natürlich sehr, dass die deutsche Gruppe wächst. Das Talent ist auf jeden Fall da und wird immer mehr!

In dieser Saison waren weniger deutsche Profis in der NFL als im Vorjahr. Ist die Entwicklung generell trotzdem positiv?

Vollmer: Ja, das Niveau steigt. Ich bin mir sicher, dass der Nächste bald den Sprung schaffen wird und eine gute Karriere hinlegen kann. Als ich noch in Deutschland gespielt habe, haben Freunde und Familie zugeschaut, insgesamt vielleicht 200 Leute. Doch die Aufmerksamkeit ist stark gewachsen. In meinem dritten Jahr in der NFL war ich im Super Bowl, da war die Aufmerksamkeit noch nicht so groß. Beim zweiten und beim dritten Mal wurde es immer mehr.

Woran liegt das?

Vollmer: Die Medien verbreiten den Sport inzwischen und bringen ihn den Menschen nah, auch wenn er vielen Deutschen fremd ist. Es gibt aber auch viele Amerikaner, die ihn nicht komplett verstehen. Aber Football ist sehr unterhaltsam. Dass der Sport jetzt im deutschen Free-TV auf ProSieben und ProSieben MAXX übertragen wird, hilft sicher. Auch hat die NFL ein riesiges Interesse daran: Für sie ist Deutschland der am schnellsten wachsende Markt. Hier in Amerika kann der Sport nicht viel größer werden. Wenn die NFL wachsen will, muss sie ins Ausland gehen.

Nach der vergangenen Saison haben Sie Ihre Karriere beendet. Was haben Sie seitdem gemacht, und welche Pläne haben Sie?

Vollmer: Was ich in Zukunft vorhabe, steht noch nicht fest. Für mich war es erstmal wichtig, körperlich wieder normal zu werden. Es gibt einen ganz schönen Verschleiß durch Football. Von den 150 Kilo Gewicht, die ich als Spieler hatte, habe ich inzwischen 35 verloren. Ich habe jetzt eine Lebensweise entwickelt, mit der ich mehr sehr wohl fühle. Zum Beispiel habe ich meine Ernährung umgestellt.

Die körperlichen Folgen des Sports werden Sie wohl noch lange begleiten.

Vollmer: Ja, auf jeden Fall. Ich hatte viele Verletzungen und Operationen. Ich denke, dass es Verschleiß in jeder Profisportart gibt. Nach dem Karriereende ist es dann noch wichtiger als sonst, dass man auf seinen Körper und seine Gesundheit achtet. Jetzt fühle ich mich sehr gut. Ich genieße das Leben im Moment.

ZUR PERSON: Vollmer (33) stand acht Jahre bei den Patriots unter Vertrag. Zuvor spielte er für ein US-College und in Deutschland für die Düsseldorf Panther. In der Zeit mit Vollmer erreichten die Patriots dreimal den Super Bowl und gewannen ihn zweimal.

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