Wimbledonsiegerin : Wichtige Auszeit: Kerber fühlt sich bereit für US Open

Angelique Kerber freut sich auf die US Open in New York. /AP
Angelique Kerber freut sich auf die US Open in New York. /AP

Die Emotionen des Wimbledonsieges sind bei Angelique Kerber verarbeitet, nun soll bei den US Open der nächste Coup gelingen. Mit neuem, prominenten Coach versucht Alexander Zverev sein Glück beim letzten Grand-Slam-Turnier der Saison.

shz.de von
24. August 2018, 20:01 Uhr

Angelique Kerber kommt mit frischen Kräften und dem Selbstvertrauen des Wimbledonsieges, Alexander Zverev beim nächsten Anlauf auf den ersten Grand-Slam-Titel mit einem neuen, prominenten Coach.

Der Start in die US Open am Montag hat es aus deutscher Sicht in sich. Zverev hört dann auf die Tipps von Legende Ivan Lendl, der das letzte Grand-Slam-Turnier der Saison in New York dreimal gewonnen hat und dort auch den Schotten Andy Murray zum Triumph führte.

«Ich hatte nach Wimbledon das Gefühl, dass jetzt der Zeitpunkt ist, an dem ich etwas Neues ausprobieren möchte», sagte Zverev in New York. «Ich bin jetzt bereit, die größten Turniere der Welt bis zum Ende der Wochen zu spielen und zu gewinnen. Ich finde, dass er dabei eine große Hilfe sein und mir auf diesem Level viel beibringen kann. Er ist eine starke Persönlichkeit, und ich hoffe, dass sich das alles auf meine Ergebnisse auswirken wird.»

Dagegen weiß Angelique Kerber nach ihrem Triumph vor zwei Jahren, wie sich ein Sieg auf der turbulenten Anlage in Flushing Meadows im Bezirk Queens anfühlt. Mit dem grandiosen Erfolg in Wimbledon hat sich die 30-Jährige zuletzt ihren Lebenstraum erfüllt und kann also eigentlich entspannt im Big Apple aufschlagen.

Nach einer mehrwöchigen Auszeit verlief die Vorbereitung mit nur einem Sieg bei den Hartplatz-Turnieren in Montreal und Cincinnati allerdings eher stockend. «Nach meinem Wimbledonsieg habe ich damit gerechnet, dass ich ein wenig brauchen würde, um wieder in den normalen Tour-Alltag zu finden», sagte Kerber vor dem Turnierstart in New York. «Vor Montreal habe ich bewusst ein paar Tage länger Pause gemacht, um die ganzen Emotionen und das Erlebte zu verarbeiten. Die Zeit war wichtig», erklärte die Norddeutsche, die während ihrer Pause versuchte, «in den Tag zu leben», wie sie erzählte.

«Man schläft aus, trifft sich mit Freunden, liest ein Buch», schilderte Kerber ihren Müßiggang nach dem Wimbledonsieg. In den vergangenen Tagen gönnte sie sich noch einen Ausflug in die Hamptons, fühlt sich jetzt aber bereit für das letzte Major des Jahres.

Kerber konzentriert sich mittlerweile voll auf die Grand Slams. «Darauf richte ich meine komplette Planung aus, hier möchte ich mein bestes Tennis spielen, und so werde ich auch die letzten Tage der Vorbereitung in New York angehen», betonte sie. Das Turnier an einem ihrer Lieblingsorte habe einen besonderen Stellenwert.

2011 stand die Linkshänderin dort erstmals im Halbfinale eines der vier wichtigsten Turniere, 2016 bestätigte sie wenige Wochen nach Olympia-Silber mit dem zweiten Grand-Slam-Titel ihren Premierenerfolg von den Australian Open am Jahresanfang.

Nach der schwierigen Saison 2017 deutete Kerber mit dem Viertelfinale bei den French Open auf dem bis dato eher ungeliebten roten Sand die Rückkehr zu alter Stärke an. Nun wird es spannend zu sehen sein, wie sie als gereifte Spitzenspielerin mit der wieder wachsenden Aufmerksamt nach dem Gala-Auftritt in Wimbledon umgeht. Zu fürchten hat Kerber bei den US Open sportlich jedenfalls niemanden, auch wenn nach der russischen Auftaktgegnerin Margarita Gasparjan ein schwerer Weg durch das Turnier droht. In Runde zwei könnte die Französin Alizé Cornet warten, der Kerber zuletzt in Montreal glatt unterlag.

Auch Julia Görges kann es nach dem Wimbledon-Halbfinale wieder weit bringen, die Weltranglisten-Neunte überzeugte in dieser Woche beim Vorbereitungsturnier in New Haven und startet gegen eine Qualifikantin. Alexander Zverevs erster Gegner musste sich ebenfalls erst für das Hauptfeld qualifizieren. Dies gelang am Freitag auch noch dem Stuttgarter Yannick Maden - damit stehen insgesamt 15 deutsche Profis, neun Herren und sechs Damen, im Hauptfeld.

Zverev dürfte nach dem erneuten Turniersieg in Washington und den durchwachsenen Leistungen in Toronto und Cincinnati mit Ivan Lendls Hilfe zumindest den nächsten Schritt gehen wollen. Das French-Open-Viertelfinale ist bisher das beste Grand-Slam-Resultat des 21-Jährigen, der sich immer wieder gegen zu hohe Erwartungen wehrt. «Aus irgendeinem Grund spielt er bei den Masters-Turnieren und den kleineren Veranstaltungen freier», urteilte der Ex-Profi- und -Coach und jetzige TV-Experte Brad Gilbert in dieser Woche. «Er muss die Erwartungen vergessen und gegen den Gegner auf der anderen Seite des Netzes spielen.»

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