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Sieg gegen Victoria Asarenka : Angelique Kerber: „Jede Spielerin hat Respekt vor mir“

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Gleich beim ersten Grand-Slam-Turnier der Saison steht Angelique Kerber im Halbfinale. Endlich überzeugt sie auch wieder auf der großen Tennis-Bühne.

shz.de von
erstellt am 27.Jan.2016 | 07:46 Uhr

Melbourne | Nachdem sie ihren Asarenka-Fluch besiegt und erstmals den Sprung ins Halbfinale der Australian Open geschafft hatte, ließ Angelique Kerber ihren Schläger einfach aus der Hand fallen und blickte ungläubig zu ihrem Trainerteam auf der Tribüne. „Ich kann es gar nicht in Worte fassen“, sagte Kerber am Mittwoch nach ihrem 6:3, 7:5 im Viertelfinale von Melbourne gegen Victoria Asarenka. Alle sechs Duelle mit der Weißrussin hatte sie zuvor verloren, doch nun war ihr Tag gekommen. „Ich bin einfach nur happy, dass ich sie endlich geschlagen habe und hier erstmals im Halbfinale stehe“, sagte Kerber nach ihrer starken Vorstellung.

Lange feiern konnte Kerber ihren Coup aber nicht, schon in der deutschen Nacht zum Donnerstag (zweites Spiel nach 3.30 Uhr/Eurosport) steht für sie das Halbfinale gegen die Engländerin Johanna Konta an. Die 24-Jährige setzte sich gegen Zhang Shuai aus China klar mit 6:4, 6:1 durch. Die Nummer 47 der Welt ist die erste Britin seit Jo Durie 1983 bei den US Open, die bei einem der vier Grand-Slam-Turniere die Vorschlussrunde erreicht hat.

Es wird das erste Duell zwischen Kerber und Konta. Zuvor trifft die Titelverteidigerin und Weltranglisten-Erste Serena Williams aus den USA auf die Polin Agnieszka Radwanska. „Ich bin weiter im Turniermodus“, sagte Kerber, nachdem sie nach 1:45 Stunden ihren ersten Matchball verwandelt hatte. Mit dem Sieg gegen die zuvor so stark auftrumpfende Asarenka zeigte es die deutsche Nummer eins endgültig all ihren Kritikern - und vor allem auch sich selbst.

Nachdem sie im vergangenen Jahr in Melbourne bereits in der ersten Runde gescheitert und auch bei den drei anderen Grand-Slam-Events nicht über die dritte Runde hinausgekommen war, will es Kerber in diesem Jahr bei den großen Turnieren ganz besonders wissen. Sie wolle es bei den Grand Slams „krachen lassen“, sagte sie Ende des vergangenen Jahres in einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“.

Und gleich beim ersten Grand Slam der Saison lässt die Kielerin ihren Worten Taten folgen. Zum dritten Mal steht sie bei einem der vier wichtigsten Turniere in der Vorschlussrunde. Zuletzt war vor 18 Jahren eine deutsche Spielerin Down Under im Halbfinale. Anke Huber scheiterte 1998 an Martina Hingis.

Gegen Asarenka startete Kerber furios und zog im ersten Satz schnell mit 4:0 davon. „Ich wusste, dass ich vom ersten Punkt da raus gehen und ihr zeigen muss, dass ich das Spiel gewinnen möchte“, beschrieb die 28-Jährige ihren Matchplan gegen die Geheimfavoritin. Noch wichtiger war allerdings, dass sie dieses Mal anders als so oft in der Vergangenheit in den entscheidenden Phasen die Nerven behielt.

Im ersten Satz wehrte sie beim Stand von 4:3 zwei Breakbälle ab und sicherte sich wenig später den ersten Durchgang. Im zweiten Abschnitt ließ sie sich auch von einem 2:5 nicht aus der Ruhe bringen und machte in der Folgezeit fünf Satzbälle von Asarenka zunichte. „Hammergeil“, meinte Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner nur. „Dafür hat sie hart gearbeitet. Ich freue mich sehr für Angie.“

Gegen Konta will Kerber nun wieder mit ihrer neu gewonnenen Leichtigkeit auf den Platz gehen. Sie habe sich in der Vergangenheit immer zu viel Druck gemacht. „Hier bin ich hergekommen und habe gesagt, komm', ich spiele wie bei den kleinen Turnieren, und so will ich das jetzt auch weitermachen“, beschrieb Kerber das Geheimnis ihres Erfolges. Verstecken muss sie sich vor niemandem. „Ich weiß, jede einzelne Spielerin hat Respekt vor mir.“

Nach zuvor sechs Niederlagen haben Sie zum ersten Mal gegen Victoria Asarenka gewonnen. Was war ausschlaggebend?

Ich denke, entscheidend war, dass ich von Anfang an sehr aggressiv gespielt habe. Nur so konnte ich sie schlagen. Ich wusste, dass ich vom ersten Punkt da raus gehen und ihr zeigen muss, dass ich das Spiel gewinnen möchte. Es fühlt sich sehr gut an. Ich brauche keine Angst vor den besten Spielerinnen mehr zu haben, weil das Niveau habe ich auch. Ich denke, das werde ich für die nächsten Matches und Wochen mitnehmen. Sie hat das Spiel auf jeden Fall nicht verloren, sondern ich habe es gewonnen.

Was haben Sie gedacht, als sie im zweiten Satz 2:5, 0:40 zurücklagen?

Eigentlich nicht viel. Ich habe einfach gedacht, das Einzige, was passieren kann, ist dass wir in den dritten Satz gehen. Ich wollte einfach wieder aggressiv spielen und gucken, was passiert. Ich wollte ihr einfach zeigen, dass ich weiter da bin und nicht einbreche, wie das zuletzt im Finale von Brisbane der Fall war.

Jetzt geht es gegen die Engländerin Johanna Konta und Sie werden als Favoritin in die Partie gehen. Was bedeutet das für Sie?

Es ist mir eigentlich egal, gegen wen ich spielen. Jede Spielerin, die im Halbfinale eines Grand Slams steht, ist gut und hat zuvor fünf gute Matches gespielt. Deshalb ist es eigentlich wie immer. Ich muss mich auf mich konzentrieren und gutes Tennis spielen.

Gibt es irgendetwas, das Sie heute gelernt haben?

Ich habe auf jeden Fall gelernt, dass ich mein Selbstvertrauen noch mehr auf dem Platz zeigen kann und zeigen muss. Weil dafür stehe ich jetzt lange genug da oben in der Weltrangliste und das muss ich den Gegnerinnen auch zeigen. Ich weiß, jede einzelne Spielerin hat Respekt vor mir.

Ist es ein Problem, dass Sie morgen schon wieder spielen müssen und den Erfolg gar nicht richtig genießen können?

Wir haben ja relativ früh am Tag gespielt, das ist gut. Ich bin auf jeden Fall bereit. Ob ich jetzt noch einen Tag frei habe oder nicht, mehr lernen kann ich an dem einen Tag auch nicht mehr. Von daher ist es gut, dass es morgen gleich weiter geht.

Gab es schon Glückwünsche aus der Heimat?

Mein Schwester hat mir direkt gratuliert, ich hatte einige Nachrichten auf dem Handy. Aber ich habe sie noch gar nicht alle gelesen und ich will es eigentlich auch gar nicht. Ich bin weiter im Turniermodus. Nach dem Turnier kann ich denen allen Mal antworten.

Welchen Einfluss hat ihr Trainer Torben Beltz auf Sie. Warum passt er so gut zu Ihnen?

Weil er ganz genau weiß, wie ich ticke. Er kennt mich in und auswendig. Er weiß, wann er mich in Ruhe lassen muss. Darum passt er so gut zu mir. Er kennt mein Spiel wie kein anderer, kennt aber auch meine mentale Seite.

Sie stehen in Ihrem dritten Grand-Slam-Halbfinale. Fühlt es sich anders an als bei den anderen beiden?

Das letzte Halbfinale in Wimbledon 2012 ist ja schon eine Weile her. Von daher fühlt es sich anders an, weil ich schon einmal in der Situation war. Das kann ein Vorteil sein, vielleicht aber auch nicht. Das werden wir sehen. Ich will aber gar nicht so viel darüber nachdenken, dass es ein Halbfinale ist. Ich habe im letzten Jahr bei den Majors nicht so gut gespielt, weil ich immer gedacht habe, das ist ein großes Turnier. Hier bin ich hergekommen und habe gesagt, komm', ich spiele wie bei den kleinen Turnieren und so will ich das jetzt auch weitermachen.

Sie haben im vergangenen Jahr mit Steffi Graf trainiert. Wie sehr sind Sie früher von ihr inspiriert worden, Tennis zu spielen?

Steffi ist eine Legende, ein Champion, sie hat alles gewonnen. Sie war und ist ein Idol von mir. Sie hat Tennis in Deutschland sehr groß gemacht. Als ich aufgewachsen bin, habe ich mir ihre Spiele angeschaut. Ich kann mich noch an die Grand-Slam-Finals erinnern, die sie gewonnen hat. Sie hat mir gesagt, dass ich auf einem guten Weg bin. Das ist natürlich schon etwas Besonderes.

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