WM in Russland : Rauball fordert klare DFB-Haltung zu Menschenrechten

Reinhard Rauball (l) in Frankfurt im Gespräch mit DFL-Geschäftsführer Christian Seifert.
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Reinhard Rauball (l) in Frankfurt im Gespräch mit DFL-Geschäftsführer Christian Seifert.

Ligapräsident Reinhard Rauball hat vor der WM in Russland eine klare Haltung des deutschen Fußballs in Menschrechtsfragen angemahnt.

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16. Januar 2018, 13:52 Uhr

«Neben der sportliche Seite gibt es auch die sportpolitische Seite. Wir haben im Zusammenhang 2018 Probleme mit Blick auf die Menschenrechte und die Pressefreiheit, und wir haben das schwere Thema Doping», sagte Rauball beim Neujahrsempfang der Deutschen Fußball Liga in Frankfurt.

Die deutsche Delegation müsse sich im Sommer nach Kräften für Presse- und Meinungsfreiheit in Russland einsetzen, forderte Rauball. «Es ist ein ganz dickes Brett. Der Fußball hat eine große gesamtgesellschaftliche Bedeutung. Es wird schwer werden, aber wir werden es versuchen», versprach der DFB-Vizepräsident.

In der Doping-Frage warnte Rauball vor einer Vorverurteilung russischer Fußballer. «Die Beweise müssen stimmen», sagte er. «Ich bin nicht so weit zu sagen, der Fußball sei infiziert und überführt.» Seit dem vergangenen Sommer stehen nach Medienberichten und laut Aussage des Doping-Kronzeugen Grigori Rodschenkow auch russische Nationalspieler unter Dopingverdacht. Die WM-Macher haben die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Rauball berichtete von den Problemen, bei russischen Funktionären die Menschenrechtsthematik anzusprechen. Der mittlerweile wegen seiner Verwicklung in den Dopingskandal von Olympia ausgeschlossene und von seinem WM-Posten zurückgetretenen Spitzenpolitiker Witali Mutko habe ihn beim jüngsten Zusammentreffen einfach wortlos stehen lassen, erzählte Rauball.

Zudem kann der Deutsche Fußball-Bund bei seiner Bewerbung um die EM 2024 mit der Unterstützung der Bundesliga rechnen. «Es ist überhaupt keine Frage. Es gibt keinen Verein, der das nicht macht. Es wird im eigenen Wohnzimmer gespielt. Die Liga steht ganz dahinter», sagte Rauball.

Gleichzeitig warnte der Club-Chef von Borussia Dortmund vor Überheblichkeit. «Wir sind nicht konkurrenzlos. Die Türkei ist ein respektabler Konkurrent. Es ist kein Selbstläufer. Das Schlechteste, was man tun kann, ist, wenn man die Fahne des Favoriten vor sich herträgt.»

Das Exekutivkomitee der UEFA wählt am 28. September in Nyon den übernächsten EM-Gastgeber. Deutschland und die Türkei sind die einzigen Kandidaten. 2020 findet die EM in zwölf europäischen Ländern statt. In München werden drei Gruppenspiele und ein Viertelfinale ausgetragen. Das Endspiel steigt im Londoner Wembley-Stadion.

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