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Turbulenter Tour-Einstand : Durchwachsene Halbzeitbilanz bei Bora - «Alles transparent»

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Die 104. Tour de France war für Bora-hansgrohe in der Tat die gern zitierte Berg- und Talfahrt. Dem Etappensieg von Weltmeister Sagan folgten herbe Rückschläge. Der vorläufige Tiefpunkt: die angebliche Doping-Affäre um den Ex-Fahrer Matzka.

shz.de von
erstellt am 12.Jul.2017 | 16:44 Uhr

Der Einstand als neues WorldTour-Team bei der Radsport-Gala Tour de France war für Bora-hansgrohe äußerst vielversprechend.

Großer Jubel zum Heimspiel-Auftakt in Düsseldorf, eindrucksvoller Etappensieg durch Peter Sagan am dritten Tag in Longwy. Doch dann ging's rapide bergab - nicht nur sportlich. Die von Mittelständlern finanzierte Formation aus Raubling wirkt im großen Radsport-Zirkus zuweilen überfordert.

Weltmeister Sagan flog nach seinem vermeintlichen Check im Schlusssprint gegen Mark Cavendish in Vittel aus dem Rennen. Der gescheiterte Eilantrag vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS auf Wiedereingliederung ins Rennen wurde größtenteils belächelt. Durch einen Sturz auf dem Weg nach Chambéry verlor die junge deutsche Mannschaft in Rafal Majka am 9. Juli ihren zweiten Kapitän.

Zur Tour-Halbzeit wurde obendrein die 16 Monate gärende Doping-Affäre um den ehemaligen Bora-Profi Ralf Matzka bekannt. Bei solchen Einschlägen verständlich, dass das Krisenmanagement des Emporkömmlings bisweilen semiprofessionell erscheint.

«Das Schlimme ist, dass der Weltverband im Fall Matzka fast eineinhalb Jahre kein Urteil fällt. Wir mussten ihn schützen und haben ihm nach Bekanntwerden der positiven A-Probe im April 2016 aus dem Rennbetrieb herausgenommen», sagte Team-Manager Ralph Denk der Deutschen Presse-Agentur. Matzkas Vertrag wurde nicht mehr verlängert.

«Bei EPO oder Testosteron wäre er sofort geflogen», meinte der Teammanager. «Seine Karriere war sowieso kaputt, er hatte keinen Bock mehr auf Radsport. Er hat eine Familie gegründet und studiert jetzt», erklärte Denk, der auch mit einem sportgerichtlichen Freispruch rechnet. Man habe den «Eindruck, der Rennstall wollte etwas verbergen», sagte Bora-Ex-Profi Paul Voß als ARD-Kommentator.

Die positive Probe auf Tamoxifen, ein auch als Verschleierungsmittel benutzbares Anti-Brustkrebs-Präparat, kam zum ungünstigsten Zeitpunkt. Denk lag in den letzten Zügen seines Finanz-Coups für die Saison 2017. Er habe den Fall jetzt bekannt gemacht, weil «ich danach gefragt worden bin. Wenn ich gefragt werde, sage ich die Wahrheit. Bei uns ist alles transparent», erklärte er.

Matzka wurde bislang weder suspendiert noch gesperrt. Der Radsport-Weltverband UCI habe aber ein verbandsinternes Verfahren eingeleitet und Klage erhoben, teilte Denk mit, der eine Wasserverunreinigung für den Positivtest als mögliche Ursache nennt. Dafür sprächen mehrere Gutachten. Ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Frankfurt sei mangels Tatverdacht im September 2016 eingestellt worden.

Die UCI, die für das sportrechtliche Verfahren zuständig ist, teilte auf dpa-Anfrage mit, dass der Fall noch nicht abgeschlossen sei und das Anti-Doping-Tribunal des Verbandes sich damit beschäftige. Laut Artikel 7.9.1. des Anti-Doping-Reglements bedürfe es im Fall von Tamoxifen nicht einer provisorischen Suspendierung. Daher sei das Verfahren auch nicht öffentlich gemacht worden.

Die relevanten deutschen Institutionen schienen bestens vorbereitet. Nach Bekanntwerden des lange zurückliegenden Falles kamen am Dienstag im Minutentakt vom Bund Deutscher Radfahrer (BDR) und der NADA Stellungnahmen in geschliffenem Juristendeutsch. Die Tendenz war jedes Mal gleich: Die UCI ist zuständig.

Voß kritisierte den Umgang des Rennstalls mit dem Fall. «Man hätte in die Öffentlichkeit gehen und sagen müssen: 'Schaut, es gibt diesen positiven Test, das sind die Ergebnisse, die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen eingestellt und die NADA unternimmt auch nichts.'». sagte Voß.

Laut Voß hätten «drei Stellen» - Bora, BDR und die NADA - versagt. der Ex-Profi fuhr mit Matzka bis zum vergangenen Jahr zusammen. «Die Information, die wir vom Team hatten, war, dass er krank, verletzt ist. Dass man ihn irgendwie auf Eis legt - davon wusste ich nichts». Auf seinen früheren Teamchef ließ Voß nichts kommen: «Was ich aus meiner Zeit bei Bora sagen kann, ist, dass mir da nie irgendwas annähernd Fragwürdiges aufgefallen ist. Ralph Denk ist bei solchen Sachen ganz strikt».

Denk zog am Mittwoch mit einem «lachenden und einem weinenden Auge» Halbzeitbilanz nach zehn Tour-Tagen. Seine Devise für die restlichen Tage könnte lauten: Augen zu und durch. Die letzte sportliche Hoffnung bleibt Emanuel Buchmann. Der schmächtige 24-Jährige soll nach seiner virtuellen Fahrt im Gelben Trikot auf der Jura-Etappe zur Station des Rousses in den Pyrenäen oder Alpen noch einmal von sich reden machen.

BDR-Stellungnahme

Homepage Team Bora-hansgrohe

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