Hamburger Cyclassics : Ackermann-Sturz bremst Degenkolb - Viviani siegt erneut

Elia Viviani siegte in Hamburg.
Elia Viviani siegte in Hamburg.

Auch bei den 23. Hamburger Cyclassics fehlt am Ende ein deutscher Radprofi auf dem Podium. Beim erneuten Sieg des Italieners Viviani wird John Degenkolb im Finale ausgebremst.

shz.de von
19. August 2018, 18:04 Uhr

John Degenkolb hatte Redebedarf. Kurz nach der Zieldurchfahrt der 23. Cyclassics in Hamburg stand der Radprofi aus Oberursel in der Zielpassage und diskutierte über die Szene, die den 29-Jährigen womöglich um seinen zweiten Sieg in der Hansestadt nach 2013 gebracht hatte.

Knapp zwei Kilometer vor dem Ziel war Deutschlands Straßenmeister Pascal Ackermann zu Boden gegangen und unterbrach dadurch Degenkolbs Vorbereitung auf den Massensprint. «Es hat mich fast aus dem Feld rauskatapultiert und in die Bande rein. Ich konnte grad noch einen Sturz verhindern und habe dadurch viele Positionen verloren», sagte Degenkolb und ergänzte: «Am Ende war leider nicht mehr drin als der vierte Platz. Natürlich bin ich enttäuscht, weil ich eigentlich gute Beine hatte.»

Den Sieg beim deutschen WorldTour-Rennen in der Hansestadt sicherte sich wie im Vorjahr der Italiener Elia Viviani. Der 29-Jährige Quick-Step-Profi konnte sich nach den 216,4 Kilometern um und durch Hamburg im Sprint gegen den Franzosen Arnaud Démare und den Norweger Alexander Kristoff durchsetzen. «Letztes Jahr habe ich den Sprint 200 Meter vor dem Ziel eröffnet und gewonnen, dieses Jahr hundert Meter später und es hat wieder gereicht. Ich fahre die Saison meines Lebens und bin sehr stolz, hier erneut gewonnen zu haben», bilanzierte der fünffache Giro-Etappensieger im Anschluss an seinen 13. Saisonsieg.

Indes verzichtete Degenkolb auf direkte Schuldzuweisungen an Bora-hansgrohe-Profi Ackermann. «Er ist ein junger Rennfahrer und steht jetzt viel unter Druck. Da kann so ein Fehler natürlich einmal passieren», meinte der Tour-de-France-Etappensieger. Ackermann selber rollte mit blutverschmiertem Arm über den Zielstrich, gab aber im Hinblick auf die am Donnerstag in Koblenz beginnende Deutschland Tour Entwarnung. «Es tut zwar alles weh, aber die Knochen scheinen heil zu sein. Ich gehe davon aus, dass ich starten kann», sagte der 24 Jahre alte Pfälzer. Weltmeister Peter Sagan konnte die Bora-hansgrohe-Bilanz mit Platz zehn auch nicht mehr aufpolieren. Lokalmatador Nikias Arndt vom Team Sunweb sprintete auf Platz acht, André Greipel fuhr abgeschlagen als 23. über den Zielstrich.

Als einziges der deutschen Sprint-Asse in Hamburg nicht am Start stand indes Marcel Kittel. Der Katusha-Alpecin-Profi hatte einen Start bei der BinckBank-Tour durch die Niederlande und Belgien vorgezogen. Auf der sechsten und vorletzten Etappe stieg der 30 Jahre alte Arnstädter dort jedoch am Samstag vorzeitig vom Rad und setzte die für ihn enttäuschende Saison weiter fort. «Ich suche nach den Gründen hinter all dem. Es war bisher eine unglaublich schwierige Saison und ich hatte gehofft, dass ich mit dem Team hier etwas ändern könnte», schrieb Kittel auf Instagram.

So bleiben die zwei Tagessiege bei der italienischen Fernfahrt Tirreno-Adriatico im März die einzigen beiden Siege im Jahr 2018 für den 14-maligen Tour-de-France-Etappensieger. Bei der am Donnerstag in Koblenz startenden Neuauflage der Deutschland Tour nimmt Kittel auf heimischen Boden nun einen neuen Anlauf, die bis dato magere Saisonbilanz doch noch etwas aufzupolieren.

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