Volvo Ocean Race : Mutter und Heldin: Brouwer neue Segel-Ikone der Niederlande

Carolijn Brouwer (r) bespritzt den französischen Skipper Charles Caudrelier Charles Caudrelier nach dem Sieg mit Champagner. /AFP
Carolijn Brouwer (r) bespritzt den französischen Skipper Charles Caudrelier Charles Caudrelier nach dem Sieg mit Champagner. /AFP

Carolijn Brouwer hat Segel-Geschichte geschrieben. Als erste Frau gewinnt sie das Volvo Ocean Race mit dem chinesischen Dongfeng Race-Team. Die 44-Jährige wird in Den Haag von über 55.000 Zuschauern umjubelt. Im Zielhafen wartet ein besonderer Mensch auf sie.

shz.de von
25. Juni 2018, 14:46 Uhr

Was im Leben wichtig ist, vergaß Carolijn Brouwer auch im Moment ihres größten Triumphes nicht. Nach dem grandiosen Erfolg als erste Frau in der 45-jährigen Geschichte des Volvo Ocean Race konnte sie ihren siebenjährigen Sohn Kyle im Zielhafen Den Haag in die Arme schließen.

«Ihm gehört meine nächste Zeit. Dann sehen wir, wie es weiter geht», sagte die 44-Jährige. 55.000 Menschen hatten auf dem Wasser und an Land erlebt, wie Brouwer zur neuen Segel-Ikone der Oranje-Nation aufstieg und für einen Tag vergessen ließ, dass die Elftal bei der WM in Russland nur Zuschauer sind. Für das chinesischen Dongfeng Race-Team mit dem französischen Skipper Charles Caudrelier segelte sie als Steuerfrau und Trimmerin nach einem Final-Krimi als Erste über die Ziellinie.

«Es war ein völlig wahnsinniges Rennen und eine wahnsinnige letzte Etappe», beschrieb Brouwer die oft spannenden Zieleinläufe und den Showdown am Finaltag nach über 970 Meilen (1796 Kilometer) von Göteborg nach Den Haag. Eingehüllt in eine riesige Oranje-Flagge sagte sie: «Mein Ziel war der Sieg, und es ist großartig, die erste Frau zu sein, der das gelingt. Es war aber eine Team-Leistung.»

In der Französin Marie Riou und der Schweizerin Justine Mettraux zählten zwei weitere Frauen zur Crew. Doch hatten sie sich von Etappe zu Etappe abgewechselt, Brouwer war dagegen bei allen elf Abschnitten der 13. Auflage der Mannschafts-Regatta an Bord.

Die niederländische Tageszeitung «De Telegraaf» feierte sie am Montag auf der Titelseite mit den Worten «Besser, Beste, Brouwer». «Sie ist die Heldin», zollte auch Skipper Simeon Tienpont vom AkzoNobel-Team seiner im Zielhafen umjubelten Konkurrentin Respekt.

Den genießt sie aber schon lange. Die Weltseglerin des Jahres 1998 gilt als Profi, startete bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften. Bei ihrer dritten Weltumseglung war die 1,82 Meter großer Brouwer nach zwei Einsätzen mit Frauen-Crews erstmals in einem gemischten Team im Einsatz. «Ich habe Carolijn gewählt, weil sie uns im Rennen zuvor oft geschlagen hat. Sie hat eine große olympische Vergangenheit und weiß, wie man ein Boot positioniert», hatte ihr französischer Skipper Caudrelier gesagt.

Für den sportlichen Erfolg meisterte Brouwer über acht Monate lang auf allen Weltmeeren Hitze und schwere Stürme. «Das Rennen war eine emotionale Achterbahnfahrt», sagt die in Leiden aufgewachsene Seglerin und erinnerte damit auch an den auf tragische Weise im Southern Ocean über Bord gegangenen Briten John Fisher von der Sun Hung Kai/Scallywags. Der Familienvater blieb verschollen.

Brouwers Ehemann Darren Bundock konnte den größten Segelerfolg seiner Frau nicht miterleben. Der 47-Jährige war als Cheftrainer der australischen Olympia-Segler im Nacra 17 bei der Kieler Woche. Nun soll aber erst einmal das Familienleben wieder im Vordergrund stehen.

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