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Meisterschaft des EHC Red Bull München : Wem gehört das Eishockey in Deutschland?

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Hinter dem Münchener Eishockey-Club steht der Brause-Hersteller Red Bull. Über das Sponsoring in der Deutschen-Eishockey-Liga.

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erstellt am 18.Apr.2017 | 15:17 Uhr

München | Nach dem DEL-Meistertitel für den EHC Red Bull München rückt der deutsche Eishockey-Sport kurz ins Rampenlicht. Immer wieder taucht Red Bull im Sport auf – was vor allem für Aufregung sorgt, seit RB Leipzig in der Fußball-Bundesliga mitmischt. Kritiker führen an, Red Bull gehe es nur um Geld und Erfolg, Tradition spiele im Fußball kaum noch eine Rolle. Angesichts von Millionentransfers und -gehältern ist das eine durchaus berechtigte Kritik. Sie trifft allerdings nicht RB Leipzig allein, sondern alle großen Fußballvereine im Land.

Im Eishockey ist das anders. Hier gibt es in erster Linie Traditionsvereine. Dass Großkonzerne und einzelne Gesellschafter diese zu großen Teilen besitzen,  ist aber die Regel. Den Fans ist das meist egal. Sie wollen gutes Eishockey sehen – und das bekommen sie.

Der Spielbetrieb der Deutschen-Eishockey-Liga (DEL) wird seit der Gründung 1994 von einer Betriebsgesellschaft durchgeführt. Alle Vereine, die in der DEL spielen, mussten im Zuge der Gründung ihre Profimannschaften in Kapitalgesellschaften auslagern. Die DEL ist heute der Zusammenschluss der Clubs. Sie ist Nachfolgerin der Eishockey-Bundesliga. Damals kämpften viele Clubs wirtschaftlich ums Überleben. In der zweiten Bundesliga meldeten zahlreiche Vereine Insolvenz an oder zogen sich zurück. In der ersten Bundesliga stockten viele Vereine ihren Etat auf oder gaben Spieler ab, um nicht in die zweite Bundesliga abzustürzen. Dort drohten weniger Publizität und weniger Geld. Heute ist ein Abstieg in die DEL2 nicht mehr möglich. Er wurde in der Saison 2006/2007 abgeschafft. Ein Auf- oder Abstieg ist demnach hauptsächlich aus wirtschaftlichen Gründen vorgesehen.

In die Betriebsgesellschaft der DEL flossen die Kapitalgesellschaften der Vereine ein. Durch einen Beirat erhielten sie Mitspracherecht. Ein Entschuldungskonzept, eine Antrittsgebühr von 500.000 Euro und ein abgesicherter Etat von 4,5 Millionen D-Mark, ein taugliches Stadion und mindestens 15 Spieler mit Profivertrag waren nötig, um eine Lizenz für die neue Profiliga zu erhalten. Eine zentrale Vermarktung sorgt seither dafür, Ungleichheiten in der Liga zu schmälern. Dabei geht es um Trikots, Eis, Banden und Fernsehrechte. 

Eine Übersicht über die Clubs und ihre Eigner: 

Eisbären Berlin

Die Eisbären Berlin.
Die Eisbären Berlin. Foto: Oliver Mehlis
 

Die Eisbären spielen seit der Gründung der DEL im Jahr 1994 in der höchsten deutschen Spielklasse. Gegründet wurde der Verein allerdings bereits in den 50er-Jahren. Die Profimannschaft ist seit 1994 in die EHC Eisbären Berlin GmbH ausgegliedert. Alleiniger Inhaber ist die Anschutz Entertainment Group. Das Unternehmen sorgte für Aufsehen, als es 2016 die Eishockey-Mannschaft der Hamburg Freezers auflöste.

  • Größte Erfolge: 7x DEL-Meister (Rekord, zuletzt 2013), Pokalsieger 2008, 15x DDR-Meister

EHC Red Bull München

EHC Münchens Torhüter Danny aus den Birken feiert den erneuten Gewinn der Meisterschaft standesgemäß: Mit Pokal, Medaille, Bier und Siegerzigarre.
EHC Münchens Torhüter Danny aus den Birken. Foto: Matthias Balk
 

Der Stammverein EHC München e.V. wurde 1998 gegründet. Im Mai 2004 wurde die Profimannschaft ausgegliedert. Nach der Saison 2011/12 wurde die Mannschaft zum 1. Mai 2013 in EHC Red Bull München umbenannt. Die Neufirmierung in „EHC Red Bull München GmbH“ folgte. Der Brausehersteller ist damit alleiniger Gesellschafter.

  • Größte Erfolge: Deutscher Meister 2016 und 2017, Pokalsieger 2010

Kölner Haie

Kölns Cheftrainer Cory Clouston.
Kölns Cheftrainer Cory Clouston. Foto: dpa
 

Die Haie gehören zu den Gründungsmitgliedern der DEL. Seit 1973 spielen sie immer in der jeweils höchten deutschen Eishockey-Liga. Die Profiabteilung ist unter dem Namen „Kölner Eishockeygesellschaft ,Die Haie' GmbH“ ausgegliedert. Gesellschafter ist Frank Gotthardt. Der Unternehmer, der mit seiner CompuGroup medizinische Software programmiert, beschäftigt weltweit 3500 Mitarbeiter.

  • Größte Erfolge: 8x Deutscher Meister (zuletzt 2002), Pokalsieger 2004

Adler Mannheim

Trainer Sean Simpson spricht zu seiner Mannschaft.
Trainer Sean Simpson spricht zu seiner Mannschaft. Foto: dpa
 

Seit 1994 die DEL gegründet wurde, sind die Adler Mannheim dabei. Der Verein wurde schon 1938 gegründet. Die Profiabteilung wurde mit dem Start der DEL ausgelagert. Dem Verein drohte zum damaligen Zeitpunkt der Bankrott. Acht Millionen Euro Schulden hatten die Adler. Die Spieler verzichteten auf 30 Prozent ihres Gehalts, andere mussten gehen, damit der Verein gerettet werden konnte. Die Gesellschafter: Daniel Hopp und Matthias Binder. Hopp ist Sohn des Milliardärs Dietmar Hopp, dem Gründer des Softwarekonzerns SAP. Er rettete den Verein 1998 vor der Pleite und stieg mit zehn Millionen Mark ein. Mit 20 übernahm Daniel Hopp die Geschäftsführung, seither schreiben die Adler schwarze Zahlen.

  • Größte Erfolge: 7x Deutscher Meister (zuletzt 2015), Pokalsieger 2003 und 2007, 1. Platz der ewigen DEL-Tabelle

Thomas Sabo Ice Tigers

Die Ice Tigers bejubeln einen Treffer.
Die Ice Tigers bejubeln einen Treffer. Foto: dpa
 

Auch der Eishockey-Club aus Nürnberg war 1994 Mitbegründer der DEL. Hauptsponsor ist seit 2009 Thomas Sabo, der mit seinem 1984 gegründeten Schmuckunternehmen zu einer der führenden Schmuckmarken weltweit aufgestiegen ist. Schon zwischen 2006 und 2009 trug die Mannschaft den Namen eines Produkts des Hauptsponsors Bionorica und spielte als „Sinupret Ice Tigers“.

  • Größte Erfolge: Meister 2. Bundesliga-Süd 1991, Süddeutscher Meister 1985 und 1986

Iserlohn Roosters

Iserlohns Blaine Down (vorne rechts) jubelt mit seinen Teamkollegen.
Iserlohns Blaine Down (vorne rechts) jubelt mit seinen Teamkollegen. Foto: dpa
 

Offiziell gegründet wurden die Hähne 1994. Ihre  Ursprünge reichen jedoch bis ins Jahr 1959 zurück. Als der Verein 2000 in die DEL aufstieg, wurde die Profimannschaft in eine GmbH ausgegliedert. Manager ist Karsten Mende, ein ehemaliger Eishockey-Spieler.

  • Größte Erfolge: Westdeutscher Meister 1969, Aufstieg in die Bundesliga 1977, Oberliga-Meister 1989

Düsseldorfer EG

Der ISS-Dome in Düsseldorf, Heimstätte der Düsseldorfer EG.
Der ISS-Dome in Düsseldorf, Heimstätte der Düsseldorfer EG. Foto: dpa
 

Die Düsseldorfer EG wurde 1935 gegründet und heißt nach einer Umbenennung im Jahr 2001 (DEG Metro Stars) seit 2012 wieder so. Seit 1997 ist die Profiabteilung ausgegliedert. Der Stammverein ist mit 26 Prozent an der GmbH beteiligt. Die Unternehmer Peter und Stephan Hoberg sind mit jeweils 30,8 Prozent beteiligt, Peter Völkel mit 12,4 Prozent.

  • Größte Erfolge: 8x Deutscher Meister (zuletzt 1996), Meister der zweiten Liga (2000), Pokalsieger 2006

Augsburger Panther

Die Augsburger Panther auf dem Eis.
Die Augsburger Panther auf dem Eis. Foto: dpa
 

Auch hier spielt eine GmbH. 1878 wurde der Verein als Augsburger Eislaufverein (AEV) gegründet, heute sitzt mit Hauptgesellschafter Lothar Sigl ein Gastronom am Steuer der Fuggerstädter. 1987 stieg er beim damaligen Konkursverein AEV als Nothelfer ein.

  • Größte Erfolge: sechsmaliger Zweitliga-Meister, Vize-Meister 2010

Fischtown Pinguins

Die Fischtown Pinguins sind die 32. Mannschaft, die in der höchsten Deutschen Eishockey Liga spielt.

Die Fischtown Pinguins sind die 32. Mannschaft, die in der höchsten Deutschen Eishockey Liga spielt.

Foto: imago/Eibner
 

Der Club aus Bremerhaven profitierte vom Aus für die Hamburg Freezers und spielte ab der Saison 2016/2017 in der DEL. Geschäftsführer ist Hauke Hasselbring.

  • Größte Erfolge: Meister der DEL2 2002 und 2014, Meister der 1. Eishockey-Liga/Oberliga 1999 und 2004

ERC Ingolstadt

Die Ingolstädter freuen sich über einen Treffer gegen Berlin.
Die Ingolstädter freuen sich über einen Treffer gegen Berlin. Foto: dpa
 

Der Club aus Oberbayern wurde 1964 gegründet. Geschäftsführer der GmbH ist Claus Gröbner.

  • Größte Erfolge: Deutscher Meister 2014, Pokalsieger 2005, Zweitliga-Meister 2001

Krefeld Pinguine

Krefelds Martin Schymainski jubelt.
Krefelds Martin Schymainski jubelt. Foto: dpa
 

Die Pinguine waren 1994 Gründungsmitglied der DEL. Seit 1995 sind die Profimannschaft und die Geschäftsstelle eine GmbH. Geschäftsführer ist Karsten Krippner.

  • Größte Erfolge: Deutscher Meister 1952 und 2003, Deutscher Vizemeister 1977

Grizzlys Wolfsburg

Die Grizzlys Wolfsburg unterlagen München in der Finalserie mit 1:4.
Die Grizzlys Wolfsburg unterlagen München in der Finalserie mit 1:4.. Foto: Matthias Balk
 

Der Verein „EHC Grizzly Adams Wolfsburg 1992 e.V.“ entstand aus einem Fanclub. 2004 wurde die Profimannschaft ausgegliedert. Volkswagen bestreitet rund 70 Prozent des 7,2 Millionen Euro schweren Budgets.

  • Größte Erfolge: Pokalsieger 2009, Vize-Meister 2017

Straubing Tigers

Der Straubinger Trainer Larry Mitchell treibt seine Spieler an.
Der Straubinger Trainer Larry Mitchell treibt seine Spieler an. Foto: dpa
 

2006 stiegt der Club in die DEL auf und erreichte in der Saison 2011/2012 das Playoff-Halbfinale. Organisiert wird die Mannschaft von der Straubing Tigers GmbH. Klubchefin ist Gaby Sennebogen. Sie ist die einzige Frau, die in der DEL etwas zu sagen hat. Das im Maschinenbau tätige Familienunternehmen Sennebogen fungiert unter anderem als Gesellschafter des Clubs.

  • Größte Erfolge: Aufstieg in die DEL 2006, Deutscher Zweitliga-Meister 2006

Schwenninger Wild Wings

Schwenningens Will Acton (M) jubelt mit Mannschaftskollegen über ein Tor gegen die Adler Mannheim.
Schwenningens Will Acton (M) jubelt mit Mannschaftskollegen über ein Tor gegen die Adler Mannheim. Foto: dpa
 

Die Mannschaft aus Baden-Württemberg spielen seit der Saison 2013/14 wieder in der DEL. Schon 1994 war sie Gründungsmitglied der höchsten Spielklasse. 2003 wurde dem Club die DEL-Lizenz entzogen. Nach erfolgreichem Insolvenzverfahren startete das Team in der 2. Bundesliga neu durch. Michael Werner und Thomas Burger leiten als Gesellschafter seit mehr als zehn Jahren die Geschicke bei den Wild Wings.

  • Größte Erfolge: Aufstieg in die jeweils höchste Spielklasse 1980 und 2013
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