Leichtathletik-EM : Pizza als Belohnung: Siebenkampf-Ass Schäfer will Medaille

Carolin Schäfer will eine EM-Medaille.
Carolin Schäfer will eine EM-Medaille.

Carolin Schäfer ist eine Medaillenkandidatin im Siebenkampf bei der Leichtathletik-EM in Berlin. Nach WM-Silbergewinn 2017 muss sich die Frankfurterin aber an die Rolle der Gejagten gewöhnen.

shz.de von
08. August 2018, 12:16 Uhr

Eine Pizza bitte! Wenn Siebenkämpferin Carolin Schäfer etwas Größeres vollbracht hat, gelüstet es sie nach etwas Leckerem. Das war nach dem Silbergewinn bei der WM 2017 in London so und nach dem erfolgreichen Ende der Zitter-Qualifikation für die EM in Berlin ebenfalls.

Und nun hofft die Wahl-Frankfurterin, am Freitag nach dem finalen 800-Meter-Lauf wieder auf einen Besuch in der Pizzeria. «Ich will auf dem Treppchen stehen, Bronze, Silber oder Gold holen», kündigte sie an. «Ich kann meinen Start am Donnerstag kaum erwarten!»

Mit dem Titelgewinn dürfte es nach den zwei Tagen im Olympiastadion eher nichts werden. Es sei denn die belgische Ausnahmeathletin Nafissatou Thiam, Olympiasiegerin 2016 und Weltmeisterin 2017, erwischt einen rabenschwarzen Tag - wie Zehnkampf-Weltmeister Kevin Mayer (Frankreich) mit der EM-Nullnummer im Weitsprung. «Wenn sie keine Fehler macht, ist sie kaum zu schlagen», bekräftigte der deutsche Chefbundestrainer Idriss Gonschinska, traut aber seiner Athletin einen Podestplatz zu: «Man würde sie falsch einordnen, wenn sie sich kein Medaillenziel setzt. Sie hat eine Chance.»

Allerdings hatte die Qualifikation für die EM die in Bad Wildungen geborene Polizeikommissarin einige Nerven gekostet. Die erste Ausscheidung im Mai in Götzis ging mit drei Fehlversuchen im Weitsprung komplett in die Hose. Das produzierte schlechte Laune, aber auch die Energie, den Patzer knapp einen Monat später in Ratingen wieder wett zu machen - was mit 6549 Punkten «aus dem Training heraus» gelang. Schäfer: «Die Leistung ist in jedem Fall ein Fingerzeig Richtung Podest in Berlin.»

Der Ausrutscher von Götzis kam für die 26-Jährige zwar überraschend, aber auch nicht ganz unerwartet. Fast ein Jahrzehnt hatte sie nach einer Medaille bei einem Titelkampf gestrebt. Als Schäfer im vergangenen Jahr WM-Silber in den Händen hielt, war es die Erfüllung, die «ein bisschen satt» machte und ihren Status veränderte: Plötzlich war sie nicht mehr die Jägerin, sondern die Gejagte. «Es war schwer, diese neue Rolle anzunehmen», erklärte Schäfer, die bei ihrem ersten EM-Start 2012 in Helsinki Zehnte und 2014 in Zürich Vierte wurde.

Neben weiteren Medaillen hat Carolin Schäfer noch ein anderes großes Ziel. Sie will den deutschen Rekord von Sabine Braun (6985 Punkte) überbieten. Herangetastet hat sie sich schon einmal an die 26 Jahre alte Bestmarke - im vergangenen Jahr in Götzis mit 6838 Punkten. «Ohne den anderen zu nahe treten zu wollen: Ich bin momentan die Einzige, die dafür in Frage kommt», meinte Schäfer. «Und ich könnte mich dadurch ein Stück weit unsterblich machen.»

Nicht nur deshalb wird sie noch einige Jahre auf Medaillenjagd gehen. Sie möchte auch bei der WM 2019 in Katar sowie bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio auf das Siegertreppchen steigen. 2016 in Rio war sie Fünfte geworden, ein Jahr nach dem tödlichen Unfall ihres Freundes, den sie als «schwerste Niederlage» bezeichnete.

Carolin Schäfer freut sich jedoch auch auf die Zeit nach dem Sport, auf den Job als Polizistin, auf die Rolle als Ehefrau und die Freiheit, unbemerkt tun und lassen zu können, was sie möchte. «Raus aus der Öffentlichkeit, ein ruhiges Leben führen, essen, was ich will», lautet ihr Wunsch.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert