86. Spring-Derby in Hamburg : Hochzeit, Geburtstag, Derby-Sieg: Amateur Glienewinkel hängt Profis ab

Auf seinem Wallach Aircare sprang der Amateur in Hamburg zum Sieg. Mit rund 87.000 Besuchern wurden Rekorde geknackt.

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18. Mai 2015, 06:51 Uhr

Hamburg | Christian Glienewinkel kommt aus dem Feiern nicht mehr raus. Waren seine Hochzeit vor zwei Wochen und sein 30. Geburtstag am Freitag aber absehbare Ereignisse, haute der grandiose Sieg beim 86. Spring-Derby in Hamburg wie ein Naturereignis in sein Leben. Die Nullfehlerrunde mit seinem Wallach Aircare auf dem schwersten Parcours der Welt, die Ehrenrunde vor 20.000 Zuschauer, die Interviews - alles fühlte sich unwirklich an. „Ich stehe ein wenig neben mir“, sagte er am Sonntag nach seinem Coup.

Der ambitionierte Amateur mit Hauptberuf Altenpfleger gegen die Profis - niemand hatte ihn vor dem Klassiker in die engere Sieger-Auswahl genommen. Er selbst auch nicht. Dabei hatte er mit Aircare 2013 und 2014 die respektablen Plätze neun und acht erreicht.

Nun durfte Glienewinkel seinen größten Erfolg feiern - allerdings nicht zu lang. Ein Alsterwasser in Hamburg, anschließend zurück nach Celle, um mit der Mutter noch anzustoßen. Für Montag stand dann von 7 Uhr bis 14.30 Uhr wieder die Arbeit in dem familieneigenen Altersheim an. Danach mit Frau Ilka zu den Pferden auf den Hof.

Ohne professionelles Know-how betreibt er seinen Sport aber nicht. Nach der Schulzeit und vor der Altenpflege machte er eine Lehre als Pferdewirt: „Ich wollte mit 17, 18 Jahren noch nicht ins Altersheim.“

Nach dem erneuten Zuschauerrekord plant Veranstalter Volker Wulff das Programm beim deutschen Spring- und Dressur-Turnier zu erweitern. Nach seinen Angaben kamen von Donnerstag bis Sonntag etwa 87.000 Interessierte in den Derby-Park im Hamburger Stadtteil Klein Flottbek. Im Vorjahr war bereits mit cirka 84.000 Besuchern eine Bestmarke aufgestellt worden.

„Wir wollen den Mittwoch zu einem vollwertigen Veranstaltungstag machen. Wir werden das Programm umgestallten“, sagte Wulff am Sonntagabend nach Abschluss der 86. Auflage. Am ersten Tag des Traditionsturniers ist der Eintritt bislang frei. Bis auf das Eröffnungsspringen finden nur kleinere Springen und Prüfungen für Amateure statt.

Wulff spekuliert unter anderem darauf, dass zu der weltweit am höchsten dotierten Springsport-Serie, der Global Champions Tour, künftig auch Mannschafts-Wettbewerbe gehören. Serienchef Jan Tops bemüht sich derzeit beim internationalen Reitverband FEI um die Einführung einer Team-Trophy.

Hamburg ist seit 2008 eine Station auf der Global Champions Tour. Mittlerweile ist die Hansestadt auch die einzige in Deutschland. Das Springen wird einen Tag vor dem berühmten Spring-Derby am Sonntag als Großer Preis von Hamburg entschieden. In diesem Jahr wurden für die Prüfung 300.000 Euro ausgeschüttet. Die Gesamtdotierung des Derbys lag erstmals bei 905.000 Euro.

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