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Formel 1 in Österreich : «Schroff, aber fair»: Markos Spürsinn für Talente und Kunst

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Helmut Marko versorgt Red Bull mit Formel-1-Talenten. Sebastian Vettel und Max Verstappen sind nur zwei Namen. Der eigenwillige Österreicher hat noch ganz andere Qualitäten.

Für seinen ausgeprägten Spürsinn ist Helmut Marko bekannt. Der Red-Bull-Motorsportberater hat Sebastian Vettel, Daniel Ricciardo oder Max Verstappen gefördert. Der Grand Prix in Spielberg ist auch eine Leistungsschau des Mannes mit dem PS-Riecher.

Abseits der Formel 1 hat der Österreicher aber auch bei der Auswahl von Kunst ein feines Händchen bewiesen. Der promovierte Jurist lässt Teile seiner mehr als 800 Werke umfassenden Sammlung in seinen Hotels ausstellen. Als «reine Bauchentscheidung» beschrieb er einmal den Prozess seiner Auswahl zeitgenössischer Kunst.

Marko war selbst ein Motorsport-Talent. Mit dem 1970 in Monza tödlich verunglückten und posthum zum Formel-1-Weltmeister gekürten Jochen Rindt wuchs er auf. Zusammen besuchten sie erste Rennen. «Jochen hat mich mit dem Rennfahrer-Virus infiziert», erzählte Marko, der nur an neun Formel-1-Grand-Prix teilnehmen konnte.

Im Gegensatz zu Rindt kam der Gewinner des 24-Stunden-Rennens von Le Mans von 1971 mit dem Leben davon. Doch Markos Formel-1-Ende war ebenfalls tragisch. 1972 in Frankreich durchschlug ein Stein sein Visier, dabei verlor er sein linkes Auge. Seitdem trägt er eine Prothese. «Ich bin glücklich, dass ich überlebt habe», sagte Marko. «Wir waren uns damals gar nicht bewusst, wie gefährlich die Formel 1 ist, wir haben uns da selber angelogen.»

Die Zeit nach dem Unfall war für Marko, der sich mit Ferrari eigentlich schon für ein Engagement 1973 einig war, zunächst eine Qual. «Ich konnte viele Nächste erstmal nicht schlafen, weil ich davon überzeugt war, dass es sich nur für den Motorsport zu leben lohnt», erzählte der 74-Jährige. «In einer dieser schlaflosen Nächte musste ich mir aber eingestehen, dass es vorbei ist und ich etwas anderes mit meinem Leben anfangen muss.»

Marko hatte schon 1967 promoviert, nach seiner abrupt beendeten Formel-1-Laufbahn stieg er zunächst ins Hotelgewerbe ein. Später kehrte er aber wieder in den Motorsport zurück: erst mit einem eigenen Rennstall, 2005 als Berater für das Red-Bull-Team von Milliardär Dietrich Mateschitz. «Es gehört zu unserem Programm, dass die Jungs die Schule fertig machen. Es schadet jedenfalls niemandem, wenn du deinen Kopf nicht nur zum Aufsetzen des Helms nutzen kannst», sagte der hemdsärmelige Marko über die Akademie.

Den Gipfel erreichte Red Bull mit Vettel, als von 2010 an viermal in Serie sowohl Fahrer-WM als auch Konstrukteur-WM gewonnen wurden. «Er wollte schon als Teenager das Maximum, unter allen Umständen», sagte Marko über den Heppenheimer. Als «Superhirn hinter Sebastian Vettel» bezeichnete ihn einmal der «Guardian». Leicht ist es mit dem gerne mal grantelnden Grazer jedenfalls nicht.

«Er kann schon mal schroff sein, aber er ist fair. Als ich jünger war und ins Red-Bull-Nachwuchsteam gekommen bin, war es manchmal schwierig für mich, ich habe aber immer verstanden, worauf er hinauswollte», sagte Ricciardo im Interview der Deutschen Presse-Agentur. «Wenn er es mir schwer gemacht hat, dann deshalb, weil er an mich geglaubt hat, dass ich es besser machen kann.»

Vor Konflikten mit Formel-1-Teamchefs scheut sich Marko ebenfalls nicht. Branchenprimus Mercedes bekam nicht nur einmal sein Fett weg. «Nur der Herr Wolff (Motorsportchef der Silberpfeile) hat diese Paranoia, dass Mercedes seine Dominanz abgeben muss, selbst wenn man nur eine Kleinigkeit an Motor oder Chassis ändert», ätzte vor dieser Saison Marko, der für die Reform mit breiteren Autos geworben hatte.

An Mercedes - und auch Ferrari - reicht Red Bull jedoch auch in dieser Saison nicht heran. Der Grand Prix von Österreich dürfte das unter normalen Umständen bezeugen. Markos Spürsinn hin oder her.

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erstellt am 08.Jul.2017 | 10:59 Uhr

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