zur Navigation springen

Eishockey : Krisen-Eisbären sprechen in Kabine Klartext

vom

Nach dem beispiellosen Absturz auf den letzten Tabellenplatz wird der Ton beim deutschen Meister Eisbären Berlin rauer.

«Es gehört auch dazu, dass man nach so einer Niederlage stinksauer ist. Und wenn dann jemand der Meinung ist, in der Kabine einen Mülleimer kaputt zu treten, ist das auch mal richtig», beschrieb Verteidiger Jens Baxmann die Krisenstimmung nach der 2:4-Niederlage gegen Straubing, der siebten Saisonniederlage im elften Match der Deutschen Eishockey Liga (DEL). «Wir müssen jetzt auch Klartext reden», forderte Baxmann. Der Kuschelkurs der vergangenen Woche ist vorbei.

Die Kabinentür fiel krachend ins Schloss. Im Umkleideraum redeten die Spieler der Eisbären Berlin und ihr Trainer Jeff Tomlinson Tacheles. Selbst Manager Peter John Lee eilte zur teaminternen Auswertung - eine Seltenheit. Nach der Sitzung lief er mit versteinertem Blick aus der Kabine, gefolgt von Coach Tomlinson. Es sah fast so aus, als sei der Rauswurf des neuen Trainers bereits beschlossene Sache. So weit ist es aber in der Hauptstadt noch nicht. Doch die Geduld von Lee ist nicht endlos. Immerhin nahm er die Profis in Schutz. «Die Spieler sind Menschen und keine Roboter», sagte der Ex-Profi.

«Es ist ein mentales Problem», erkannte auch die Eisbären-Ikone Sven Felski im Gespräch des TV-Senders rbb. An der Qualität könne es nicht liegen, immerhin würden 80 Prozent der Spieler aus der Meistersaison das aktuelle Team bilden. Bislang hat es Tomlinson, der den Erfolgstrainer Don Jackson ablöste, nicht geschafft, das Potenzial auszuschöpfen. Felski steht noch hinter dem Neuen. «Ich hoffe, er erhält die Chance, weiter arbeiten zu können.»

Beim Coach und seinen Spielern macht sich derweil wegen der verfahrenen Situation Ratlosigkeit breit. Auch der sonst nie um einen flotten Spruch verlegende Florian Busch wirkte angeschlagen und nachdenklich. «Teilweise spielen wir recht gut, gewinnen aber die Spiele nicht. Das tut schon sehr weh», klagte der Angreifer. «Ich bin jetzt elf Jahre in Berlin, kann mich aber nicht daran erinnern, in so einer kurzen Periode so viele Spiele verloren zu haben.» Seinen Zwangs-Optimismus hat der Bayer noch nicht verloren: «Aber da kommen wir schon wieder heraus.»

Passend zur sportlichen Tristesse regte sich nach der Diskussion um höhere Eintrittspreise vor einem halben Jahr wieder der Unmut der Fans. Sie sehen ihre Fankultur bedroht. Weil das Areal am Ostbahnhof bebaut wird, fürchten die Anhänger den Verlust der Fanbögen, wo sie sich stets treffen. Anstatt das Team lautstark zu unterstützen, forderten sie auf Spruchbändern den US-Milliardär Anschutz zum Dialog auf: «Mr. Anschutz, wir müssen reden!». Auf einem anderen Plakat war zu lesen: «Das Herz des Projekts hört auf zu schlagen.»

zur Startseite

von
erstellt am 14.Okt.2013 | 12:44 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen