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„Hatten keine echte Chance“ : Hamburg Freezers: Christoph „Schuby“ Schubert klagt Besitzer an

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Mannschaftskapitän Schubert ist wütend auf den Besitzer der Hamburg Freezers. War das Team wirklich nicht zu retten? Die Politiker in der Hansestadt gehen aufeinander los.

shz.de von
erstellt am 26.Mai.2016 | 12:05 Uhr

Hamburg | Nach dem endgültigen Aus des Eishockey-Erstligisten Hamburg Freezers klagt Mannschaftskapitän Christoph Schubert den Besitzer, die Anschutz Entertainment Group (AEG), an. Der Initiator einer beispiellosen Rettungsaktion, die binnen sechs Tagen die bemerkenswerte Summe von 1,2 Millionen Euro erbrachte, stellt dem eiskalt agierenden US-Unternehmen unangenehme Fragen.

Es geht nicht nur um einen Eishockey-Club - es geht um die Sportstadt Hamburg. Nach dem bitteren Aus für die Olympia-Bewerbung 2024, der Insolvenz der HSV-Handballer und dem freiwilligen Abstieg der VTA-Volleyballerinnen droht auch der Verlust der hochklassigen Profirad-Veranstaltung Cyclassics. In der Hansestadt bleiben jetzt nur noch der HSV und der FC St. Pauli, die höherklassigen Sport bieten.

„Warum wird ein mögliches Aus erst sechs Tage vor der Deadline kommuniziert? Warum wird dem Club nicht eine Frist von Wochen oder gar Monaten gegeben?“, wollen „Schuby“ und sein Mitkämpfer Moritz Fürste, zweimaliger Hockey-Olympiasieger, wissen. Warum, so wird weiter gefragt, werde erst sechs Tage vor dem Aus über die angeblich seit 2011 betriebene und erfolglose Investorensuche schwadroniert?

Das 14 Jahre währende Kapitel Hamburg Freezers in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) ist jedenfalls beendet. Die 22 Profis sind auf der Suche nach neuen Vereinen, die ihre Kaderplanung für die kommende Saison größtenteils aber abgeschlossen haben. Die 18 Mitarbeiter der Geschäftsstelle müssen zum Arbeitsamt. Tristesse zieht ein in der Barclaycard-Arena, wo schon die Weltstars des abgewickelten Handball-Bundesligateams vom HSV Hamburg ihre Trainingsstätte hatten.

Von tagelangem Klinkenputzen, Beratungen, Telefonaten und Interviews sind die Protagonisten der Rettungsaktion erschöpft. Schubert hat sich mit seiner Ehefrau Janina an die Ostsee zurückgezogen: Frischluft ziehen, Kopf frei bekommen. Aus dem Kopf will ihm aber nicht gehen: „Warum lässt man uns Tag und Nacht nach Förderern und Spendern suchen, um dann das endgültige Aus mit den Worten zu begründen, ,man habe leider keinen strategischen Partner gefunden‘?“ Für die AEG, einem weltrumspannenden US-Unternehmen aus der Sport- und Unterhaltungsbranche, waren Spenden zur Minimierung des auf 2,5 Millionen Euro geschätzten jährlichen Defizits uninteressant. Sie wollten einen Käufer, um den ganzen Laden loszuwerden. Der konnte nach dem Hals über Kopf am Mittwoch vergangener Woche angekündigten Aus so schnell aber nicht gefunden werden.

Freezers-Kapitän Schubert & Co. hatten die Zusagen eines Sponsors, der für zehn Jahre pro Saison 550.000 Euro zahlen wollte. Weitere Interessenten, darunter einer aus Dubai, wollten sich engagieren. Selbst ein Gehaltsverzicht der Profis von zehn Prozent soll in die Neuberechnung der Existenz einbezogen worden sein. „Wir müssen leider bilanzieren: Eine echte Chance wurde weder uns noch den Hamburg Freezers gegeben“, bekannte Schubert. Die Spenden, wenn gewünscht, werden zurückgezahlt oder für einen anderen Zweck im Sport verwendet.

Auf die Barrikaden hat das Aus die Opposition in der Hamburger Bürgerschaft gebracht. Sie sehen die Vision einer Sportstadt Hamburg, wie vom rot-grünen Senat entworfen, als gescheitert an. Kräftig einstecken musste Sport-Staatsrat Christoph Holstein. Dessen Bilanz sei verheerend, tobte die CDU.

Der Untergang der HSV-Handballer und der Freezers seien „unternehmerische Entscheidungen“, verteidigte sich Innen- und Sportsenator Andy Grote (SPD). Diese hätten mit den Rahmenbedingungen in Hamburg nichts zu tun. Auch will man die Ursache für die jüngsten Pleiten nicht im Olympia-Aus 2024 sehen. Auffällig ist aber: Die Motivation der Unternehmen, sich nach dem geplatzten Olympia-Traum für die Vielfalt des Sports zu engagieren, hat gelitten.

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