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Eishockey in Hamburg : Freezers ohne DEL-Lizenz - „unfassbar sprachlos und traurig“

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Das Aus für die Hamburg Freezers ist besiegelt. Trotz großer Unterstützung geht es in der kommenden Saison nicht weiter.

shz.de von
erstellt am 25.Mai.2016 | 09:53 Uhr

Hamburg | Die Fans hatten auf die Rettung der Hamburg Freezers gehofft. Doch vergebens. Um 23.10 Uhr kam die Nachricht, dass keine neue Lizenz beantragt wird. Hunderte Fans hatten sich an der heimischen Halle versammelt und auf das Wunder gehofft. „Wir werden keine Lizenz für die kommende Saison beantragen. Es tut mir unendlich leid“, sagte Freezers-Geschäftsführer Uwe Frommhold kurz vor Mitternacht. Nüchtern liest sich die Nachricht, die vom Verein über Twitter verbreitet wird.

Es geht nicht nur um einen Eishockey-Club - es geht um die Sportstadt Hamburg. Nach dem bitteren Aus für die Olympia-Bewerbung 2024, der Insolvenz der HSV-Handballer und dem freiwilligen Abstieg der VTA-Volleyballerinnen droht auch der Verlust der hochklassigen Profirad-Veranstaltung Cyclassics. In der Hansestadt würden dann nur noch der HSV und der FC St. Pauli höherklassigen Sport bieten.

„Wir sind einfach nur unfassbar sprachlos und traurig“, teilte Freezers-Mannschaftskapitän Christoph Schubert mit, der als Initiator an der Spitze der Spendenaktion stand.

Tom Miserendino, Präsident und Chef der Anschutz Entertainment Group (AEG), dem Eigner der Freezers, schrieb in der Pressemitteilung: „Seit unserer Ankündigung am vergangenen Mittwoch gab es eine unglaubliche Welle der Unterstützung in Hamburg und ganz besonders bei den Fans der Freezers. Leider haben wir keinen strategischen Partner gefunden, der die Freezers übernimmt und AEG von der Aufgabe befreit hätte, zwei Teams in einer Liga zu betreiben.“ Trotz der Resonanz auf das Crowdfunding und der beeindruckenden finanziellen Unterstützung aus der Hamburger Wirtschaft sei das Team immer noch mit einer erheblichen Unterdeckung des Budgets in die nächste Saison gegangen.

Verzweifelte Spendenkampagne zur Rettung

Bis zur Deadline am Dienstag um Mitternacht hatte der Club verzweifelt versucht, so viel Geld wie möglich zu sammeln - und so den Eigner aus den USA zu überzeugen. Freezers-Kapitän Christoph Schubert schrieb auf Facebook, knapp eine Million Euro sei zusammen gekommen - in persönlichen Sammlungen und einer Crowdfunding-Kampagne. Allein bei der Spendenaktion im Internet kamen 532.582 Euro zusammen. Das Geld reichte jedoch nicht.

Nach Erhalt der schlechten Nachrichten schrieb Schubert erneut auf Facebook: „Wir sind unfassbar traurig und finden gerade keine Worte.“

„Die starke Unterstützung der letzten Tage hat gezeigt, wie sehr die Hamburger und Eishockey Fans in ganz Deutschland professsionelles Eishockey in Hamburg weiterhin sehen wollen“, sagt Frommhold. Leider habe sich keine realistische Lösung für einen Käufer oder einen strategischen Partner abgezeichnet, um eine Lizenz zu beantragen. „Ich möchte allen danken, die uns in diesen harten Zeiten unterstützt haben, insbesondere allen Partnern, Sponsoren und Spendern, Moritz Fürste (Hockeyspieler Anm. d. Red.) und Christoph Schubert sowie allen unseren Fans“, heißt es in der Pressemitteilung weiter.

Welche Folgen hat das Aus der Freezers?

Was wird aus den Spielern?

Im aktuellen Kader haben 20 Profis gültige Verträge. Sie können mit sofortiger Wirkung ablösefrei zu anderen Vereinen wechseln.

Was wird aus den Angestellten?

Auf der Geschäftsstelle sind gut 20 Mitarbeiter beschäftigt. Ihnen droht nach dem Freezers-Aus die Arbeitslosigkeit.

Was wird aus den verkauften Dauerkarten für die Saison 2016/2017?

Mehr als 2000 Dauerkarten für die kommende Spielzeit wurden bereits verkauft. Die Fans erhalten ihr Geld zurück.

Was wird aus der Barclaycard-Arena?

Das Aus der HSV-Handballer und Freezers erbringt rund 50 freie Termine. Mehr TV-Shows und Konzerte, auch als Langzeit-Veranstaltung, sollen für Profitabilität sorgen.

Wie plant die Deutsche-Eishockey-Liga für die kommende Saison?

Wer in der DEL den Platz der Freezers einnimmt, ist noch nicht klar. Der Liga-Verband will auf jeden Fall mit 14 Vereinen spielen. Ein Bewerber ist Freezers Kooperationspartner Fischtown Pinguins aus Bremerhaven.

„Niemand sollte sich über das sportliche Aus eines Clubs freuen und diesen Umstand möchten auch wir noch einmal deutlich unterstreichen. Festzustellen bleibt aber auch, dass, wenn es einen freien Platz zu belegen gibt, wir diese Chance ergreifen müssen“, sagte Bremerhavens Teammanager Alfred Prey am Mittwoch.

Laut Radio Bremen ist Bremerhaven der einzige Club, der sich fristgerecht als Nachrücker beworben hat. Die DEL will dazu keine Stellung beziehen. Bremerhaven bewirbt sich seit Jahren vorsorglich bei der DEL, um für den jetzt eingetretenen Fall, dass ein Team nicht mehr weiter im Oberhaus spielen kann, bereit zu stehen. Das allgemeine Lizenzierungsverfahren der DEL dürfte einige Wochen in Anspruch nehmen und frühestens Ende Juni beendet sein.

Was wird aus den gesammelten Spenden?

Wenn gewünscht, geht das Geld von gut 1,2 Millionen Euro an die Spender zurück. Angedacht ist, den Rest dem Jugend-Bereich der Freezers zukommen zu lassen.

Reaktionen im Netz

Reaktionen aus dem Netz ließen nach Verkündung nicht lange auf sich warten. Kritisiert wird unter anderem die fehlende 50+1-Regel im deutschen Eishockey oder auch, dass sich Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz in der Sache nicht zu Wort gemeldet hat.

 
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