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Eishockey : Eisbären Berlin: die harmonische Krise

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Das Berliner Mundwerk ist für schonungslose Offenheit und klare Ansagen ohne Interpretationsspielräume bekannt. Beim deutschen Eishockey-Meister Eisbären Berlin haben sie diese Eigenschaft jedoch offenbar verdrängt.

Nach sechs Niederlagen aus sieben Spielen reden sich die Verantwortlichen beim Hauptstadtclub die momentane Situation noch schön. «Ich sehe Fortschritte», sagte der neue Trainer Jeff Tomlinson nach der 0:1-Pleite in Mannheim. «Wir haben gekämpft, defensiv gut gestanden und viele Chancen erspielt.» Ist das der Anspruch des Champions, der auf dem vorletzten Tabellenplatz der Deutschen Eishockey Liga (DEL) steht?

Trotz der ungewohnten Erfolglosigkeit geht es im Lager des DEL-Rekordmeisters nach neun Spieltagen noch harmonisch zu. «Keiner macht dem Anderen Vorwürfe. In der Kabine ist es ruhig», sagte der derzeit verletzte Verteidiger Frank Hördler. Vielleicht ist es auch zu ruhig. Augenscheinlich fehlt in der Krise jemand, der auch mal mit der Faust auf den Tisch haut. Kapitän André Rankel ist es jedenfalls nicht. «Ich muss nicht, nur weil ich Kapitän bin, eine Ansprache in der Kabine halten. Dafür haben wir auch noch zehn andere Spieler, die das können», meinte er.

Einer, der zu seiner aktiven Zeit dafür bekannt war, die Dinge beim Namen anzusprechen, hält sich ebenfalls zurück. Eisbären-Legende Sven Felski, am Sonntag als Co-Kommentator beim Fernsehsender «Servus TV» zu Gast, warnte davor, in Panik zu geraten. «Sicherlich liegt noch viel Arbeit vor der Mannschaft», sagte er. «Aber wir stehen erst am Anfang der Saison. Da heißt es, die Ruhe zu bewahren.»

Wie lange diese Ruhe noch anhält, ist schwer vorhersehbar. Manager Peter John Lee stärkte noch in der vergangenen Woche Trainer Tomlinson den Rücken. Am Wochenende kommt Teambesitzer Philip F. Anschutz nach Berlin. Er wird am Sonntag im Heimspiel gegen Straubing die Meisterzeremonie für die vergangene Saison verfolgen, seine Frau Nancy dabei die obligatorischen Ringe an die Spieler vergeben. Grotesk wäre es, wenn das beste deutsche Clubteam der vergangenen Jahre dann Tabellenletzter wäre. Spätestens dann wäre es wohl mit der Harmonie bei den Berliner Eisbären vorbei.

Das große Problem der Eisbären momentan: das Herausspielen der Chancen. «Wir versuchen, kreativ zu sein, spielen dabei zu riskante Pässe, so dass der Puck zu oft hängenbleibt», monierte Hördler. «Wir müssen mehr schießen.»

Dass es am Sonntag in Mannheim am Ende nur 0:1 stand, war lediglich der fahrlässigen Chancenverwertung des Dauerrivalen sowie dem sehr guten Berliner Torsteher Robert Zepp zu verdanken. Der Nationalkeeper ist derzeit der einzige Berliner Spieler, dem das Prädikat «meisterhaft» anhaftet. Der Rest des Titelverteidigers rutscht hingegen hilflos und verunsichert über die Eisflächen der DEL.

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erstellt am 07.Okt.2013 | 11:45 Uhr

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