Basketball : ALBA & Bayern: BBL prüft Vorwürfe nach Fan-Provokation

Heiko Schaffartzik wurde vom Berliner Publikum angefeindet.
Heiko Schaffartzik wurde vom Berliner Publikum angefeindet.

Das hitzige Basketball-Duell zwischen ALBA Berlin und dem FC Bayern München hat ein Nachspiel. Ein Zuschauer hatte beim Bundesliga-Duell in Berlin ein Trikot des Bayern-Nationalspielers Heiko Schaffartzik mit der Aufschrift «Verkauft!» an gekreuzten Metall-Stangen aufgehängt.

shz.de von
13. November 2013, 11:43 Uhr

«Wir werden beide Vereine befragen und uns ein Gesamtbild verschaffen. Anschließend werden wir die Vereine informieren», sagte BBL-Pressesprecher Dirk Kaiser der Nachrichtenagentur dpa. Ob Berlin eine Strafe drohe, «kann ich momentan nicht sagen», meinte Kaiser.

Zwischen 2011 und 2013 spielte Schaffartzik beim achtmaligen deutschen Meister aus Berlin - bis sich der 29-Jährige mit der ALBA-Vereinsführung überwarf und trotz laufenden Vertrags in diesem Sommer nach München wechselte. Für die ALBA-Fans ist er seither die Reizfigur. Bei der 74:94-Niederlage der Bayern in der Hauptstadt schlug dem Spielmacher am vergangenem Sonntag unverhohlener Hass entgegen.

«Mit dem Spiel in Berlin ist eine Grenze überschritten worden», sagte Münchens Sportdirektor Marko Pesic in der «Münchner Abendzeitung». ALBA reagierte mit versöhnlichen Tönen. «Sollte es etwas aufzuklären geben, werden wir das selbstverständlich gemeinsam mit dem Ligaverband tun», teilte der Club zum «geschmack- und verantwortungslosen» Vorfall mit. Pressesprecher Justus Strauven betonte: «Unsere Fans werden europaweit für ihre Fairness geschätzt.»

Die Bayern hätten bereits während der Partie auf die Trikot-Aktion hingewiesen - ALBA habe laut Pesic nicht reagiert. In der «Bild»-Zeitung legte er nach: «Wenn wir und die BBL solche Respektlosigkeiten zulassen und im Fall von Heiko keine Zivilcourage an den Tag legen, ist das gefährlich.»

Der Ligaverband versucht unterdessen, die Wogen nicht zu hoch schlagen zu lassen. «Wenn ich mir anschaue, was in Fußballstadien passiert, sind wir davon beim Basketball noch meilenweit entfernt», sagte Kaiser. «Wir haben beim Basketball eine tolle Atmosphäre.» Die Augen verschloss er dennoch nicht vor der Zuschauer-Provokation. «Wir werden die Sachen bewerten und sehen, was wir daraus für die Zukunft lernen und mitnehmen können.»

Auf dem Trikot war neben «Verkauft» unter der Nummer 8 auch «Kein Berliner» zu lesen - eine wirklich derbe Beleidigung sieht anders aus. Gut möglich, dass sich der enttäuschte Fan einfach nicht bewusst war, welchen missverständlichen Eindruck seine Vorrichtung auslösen würde. In Basketball-Kreisen ist es durchaus üblich, die Trikots von Helden vergangener Tage in der Halle unter die Decke zu hängen. Schaffartzik wird diese Huldigung in der Hauptstadt nach seinem Wechsel zum FC Bayern wohl verwehrt bleiben.

Die Bayern erhoben unterdessen schwere Vorwürfe gegen die Berliner - vor allem gegen Manager Marco Baldi. «Generell gehört es zum Sport, sich gegenseitig ein paar Sprüche zu drücken. Aber es muss ein gewisser Rahmen gewahrt werden. Den hat Marco Baldi überschritten», meinte Pesic. «Wir haben lange geschwiegen zu Unwahrheiten, die er über unseren Verein verbreitet.» Laut dem früheren ALBA-Profi Pesic trete Baldi «nur noch wie ein Marktschreier» auf. «Ich entwickle da ein Gefühl des Fremdschämens.»

Sportliche Schlagzeilen produzierte ALBA indes im Eurocup. Mit dem 77:57-Erfolg beim belgischen Vizemeister Belfius Mons-Hainaut am Dienstagabend festigten die Berliner den zweiten Tabellenplatz in ihrer Vorrundengruppe. «Das war ein weiterer großer Schritt in unserer Entwicklung», sagte Sportdirektor Mithat Demirel.

Bericht in der Münchner Abendzeitung

Bericht in der Bild-Zeitung

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