Erfolgreiches Beachvolleyball-Duo : Baby statt Ball, Reha statt Sand: Ausnahmejahr für Ludwig/Walkenhorst

Der Termin-Marathon machte Laura Ludwig (l.) und Kira Walkenhorst zu schaffen.
Laura Ludwig (links) und Kira Walkenhorst gehen in diesem Jahr getrennte Wege.

Die Olympiasiegerinnen fehlen in diesem Jahr im Beachvolleyball-Zirkus. Für sie zählen 2018 andere Dinge mehr.

shz.de von
07. Mai 2018, 11:28 Uhr

Hamburg | Von Copacabana, Sonne und Strand ist nichts zu spüren. Der Kraftraum mit angeschlossener Physiotherapie im Hamburger Olympiastützpunkt versprüht alles andere als goldenen Glanz. Doch Kira Walkenhorst, zusammen mit Laura Ludwig das Aushängeschild des deutschen Beachvolleyballs, hat sich an das Neonlicht längst gewöhnt. „Es geht echt voran, das Schlimmste ist überstanden“, sagt die 27 Jahre alte Walkenhorst, Stammgast am Dulsbergbad. Eine Operation an der Schulter und ein Eingriff an der Leiste sollen dafür sorgen, dass sie 2019 wieder um Titel und Medaillen mitspielen kann.

„Das vergangene Jahr war mehr als grenzwertig“, gesteht die Blockerin: „So ein Jahr will ich nicht noch mal haben.“ Schmerzen, Behandlungen, Ungewissheit: Trotzdem holte sie mit Ludwig nach Olympia-Gold in Rio de Janeiro vor neun Monaten in Wien den WM-Titel, als erstes deutsches Frauenduo überhaupt. Doch dann sagte der Körper stopp. 2018 ist ein Ausnahmejahr, auch für Partnerin Ludwig, nur aus viel schönerem Grund: Mitte Juni erwarten die Beachkönigin und ihr Lebensgefährte Imornefe „Morph“ Bowes ihr erstes Kind, einen Jungen.

Training während der Schwangerschaft

Für Ludwig eine völlig neue und tolle Erfahrung. „Mein Körper macht andere Sachen, als ich sie bisher erlebt habe“, berichtet die gebürtige Berlinerin. Trotzdem gehört der Sport auch im achten Monat zu ihrem täglichen Programm – und nicht nur Schwangerschafts-Yoga: „Ich mache jeden Tag noch etwas, aber das kann man nicht Training nennen“, bemerkt die ehrgeizige Abwehrspezialistin.

Es geht um das Gefühl mit dem Ball, Augen-Hand-Koordination, ein paar Schläge, die Technik – „aber alles im Stand“. Die Ausnahmeathletin war auch noch mit ihren deutschen Teamkolleginnen im Trainingslager, dazu als Gast bei den Olympischen Winterspielen in Südkorea. „Andere schwangere Frauen hören mit ihrem Job ja auch nicht auf“, erklärt die 32 Jahre alte Ludwig zu ihren vielen Aktivitäten und lächelt.

„Ich wollte schon immer auf jeden Fall eine Familie mit dem richtigen Mann an meiner Seite“, verrät Ludwig. Ihr Schatz, der Schotte Bowes, war auch Volleyballer, betreut jetzt als Bundestrainer in Hamburg andere Nationalduos des Deutschen Volleyball-Verbandes. „Als wir alles gewonnen haben, war es der richtige Zeitpunkt“, ergänzt Ludwig. Seit 2013 spielt sie mit Walkenhorst zusammen und gewann neben Olympia und WM zweimal die EM und dreimal den nationalen Titel.

Natürlich habe sie über ihren Kinderwunsch auch mit Partnerin Walkenhorst und dem ganzen Betreuerteam gesprochen. „Ich weiß, dass sich Laura viele Gedanken gemacht hat“, sagt Walkenhorst, die im vergangenen Jahr ihre langjährige Freundin Maria Kleefisch geheiratet hat. Und gibt es bei ihr auch einen Kinderwunsch? „Bestimmt irgendwann. Aber jetzt ist erst mal Laura dran“, antwortet Walkenhorst.

Walkenhorst mit Interimspartnerin

Die gebürtige Essenerin will noch in diesem Jahr mit einer Interimspartnerin in den Sand zurückkehren, wenn es ihr Körper zulässt: „Es gibt schon einen Plan, aber der ist noch nicht spruchreif.“ Walkenhorst will sich zur Wiedereingewöhnung allerdings auf die nationale Tour beschränken.

Ludwig möchte nach der Geburt erst einmal ihre neue Mamarolle genießen, ab Herbst aber wieder voll trainieren. „Coole Frauen haben auf der Welttour schon gezeigt, dass es geht“, bemerkt die Hamburgerin, fügt aber an: „Ich bin gespannt, wie ich das hinkriege.“ Ihre Mama und die Mutter ihres Freundes aus Schottland werden helfen.

Die Experten sind sicher, dass Ludwig/Walkenhorst in Richtung Olympia 2020 schon wieder im kommenden Jahr bei der WM in Hamburg auf Topniveau kommen können. Großer Vorteil ist ihre Erfahrung, wie man mit schwierigen Situationen umgeht: „Wir gehen voll auf Qualität in allen Bereichen. Technik, Taktik, Athletik, Ernährung, der mentale Bereich. Wir sind beide sehr zielstrebig“, sagt die schwangere Ludwig – und geht ein bisschen trainieren.

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