Brüssel "Reinquälen" in die EM

Von Klaus Bergmann | 03.09.2010, 03:59 Uhr

Auf zur EM und bloß kein Fehlstart.

55 Tage nach dem gewonnenen Spiel um Platz 3 gegen Uruguay greift das deutsche Fußball-Nationalteam in einen neuen Wettkampf ein. "Wir müssen uns neu beweisen nach der erfolgreichen WM", betonte Bundestrainer Joachim Löw.

Von seinem Personal verlangt er nach dem schlauchenden Abnutzungskampf in Südafrika schon wieder einen Kraftakt. "Wir erwarten, dass sich die Mannschaft reinquält in dieses Spiel", sagte Löw-Assistent Hansi Flick vor dem 75. EM-Ausscheidungsspiel des DFB-Teams.

Die WM-Belastung steckt noch in Beinen und Köpfen. "Das ist ein ernsthaftes Pro blem", sagte Löw vor dem Start in die EM-Qualifikation heute (20.45 Uhr/ARD) in Brüssel gegen Belgien. "Die Spieler haben noch nicht ihr hundertprozentiges Leistungsvermögen erreicht." Dazu kommen Sorgen in der Abwehr, in der nicht nur die WM-Spieler Arne Friedrich und Jérome Boateng ausfallen. Andere wie Per Mertes acker oder auch Philipp Lahm sind nur stotternd in die neue Saison gestartet. "Man kann nicht erwarten, dass die Spiele so werden können wie gegen Argentinien und England", erklärte Lahm. Doch der Ersatz-Kapitän, der in Abwesenheit des nach langer Verletzung noch um seine Fitness ringenden Michael Ballack weiter mit Stolz die Spielführerbinde trägt, will mit seinen Kollegen den Widrigkeiten trotzen. "Wir wollen mit drei Punkten starten. Wir wissen, dass wir keine leichte Gruppe haben. Aber als deutsche Nationalmannschaft ist man immer der Favorit", verkündete der 26-jährige Münchner gestern in La Hulpe bei Brüssel, wo sich die 21 Spieler den letzten Schliff für den EM-Auftakt holen.

"Wir bereiten uns ganz seriös auf Belgien vor", unterstrich Löw, nachdem er die lange schwelenden Personalien um einen weiter als Kapitän eingestuften Ballack, einen Lahm als amtierenden Chef und einen Manuel Neuer als Stammtorhüter geklärt hatte. "Diese Entscheidungen müssen immer akzeptiert werden und das werden sie auch. Das lernt man von kleinauf im Fußballgeschäft", kommentierte Lahm professionell seinen gescheiterten Vorstoß, dauerhaft die Binde zu übernehmen.

Löw weiß genau um die Gefahren gerade nach einem gelungenen Turnier und gegen einen Gegner im Umbruch, der gegen einen WM-Dritten zum jetzigen Zeitpunkt eine große Chance wittert. "Wir werden auf eine hochmotivierte belgische Mannschaft treffen, die sich im Unterschied zu uns in Ruhe vorbereiten konnte. Sie sehen ihre Chance in den ersten Spielen", meinte Löw und schloss an: "Die Spieler sind bei Manchester City, Arsenal London, Bayern München und Zenit Leningrad - das sagt schon einiges über die Qualität."