Madrid Die beste Mannschaft der Geschichte

Von sid | 03.07.2012, 03:59 Uhr

Lobeshymnen auf den alten und neuen Fußball-Europameister / Spaniens "Jahrhundertmannschaft" ist noch lange nicht satt

Nach einer rauschenden Party-Nacht in Rot und Gelb hatte Spanien seine Fußball-Helden gestern wieder. Mit der Trophäe in der Hand entstieg der strahlende Kapitän Iker Casillas in Madrid um 15.57 Uhr als Erster dem Flugzeug, gefolgt von Trainer Vicente del Bosque und Andres Iniesta - der beste Spieler des Turniers hatte sich den Finalball gesichert. Einen Tag nach dem 4:0-Triumph im EM-Finale gegen Italien ging die Fiesta auf heimischem Boden weiter. Im Palacio de la Zarzuela wartete zunächst König Juan Carlos auf den alten und neuen Europameister. Im offenen Doppeldeckerbus machte sich die Mannschaft danach auf zur Triumphfahrt durch die Hauptstadt, die abends in der gewaltigen Jubelfeier am Cibeles-Brunnen, wo ansonsten Real seine Titel feiert, gipfelte.

Den erneuten EM-Titel, diesen historischen dritten Turnier-Triumph in Folge, hatten die spanischen Fußballer bereist am Sonntagabend in Kiew gefeiert, als sei es der erste gewesen. Und schnell wurde klar: Die Rote Furie ist unersättlich, die "beste Mannschaft der Geschichte" hat Heißhunger auf mehr. "Nach dem WM-Titel vor zwei Jahren haben alle gesagt, jetzt sind sie satt. Jetzt haben wir das Triple. Und wir sind noch lange nicht satt", sagte Cesc Fabregas, der beim zauberhaften 4:0 (2:0) im Finale gegen Italien überragend gewesen war. Es war eine Drohung an die gesamte Fußballwelt. Denn spätestens, als Kapitän Casillas um 23.51 Uhr Ortszeit den EM-Pokal in die Luft reckte und ein gelb-rotes Feuerwerk den Nachthimmel über Kiew erleuchtete, musste Europa die spanische Herrschaft anerkennen.

Die folgenden Lobeshymnen waren kaum noch zu übertreffen. Von einer "Jahrhundertmannschaft" sprach ZDF-Experte Oliver Kahn. "Europa huldigt ohne Zweifel der besten Mannschaft der Geschichte", schrieb die französische Zeitung "Le Figaro". "Le Parisien" ergänzte: "La Roja dominiert den Fußball-Planeten vom Kopf bis zu den Füßen."

In Spanien vergaß das Volk für einige Stunden seine Sorgen, König Juan Carlos und der Ministerpräsident Mariano Rajoy strahlten um die Wette. "Die Mannschaft hat uns ins Paradies gehoben", schrieb "AS", Spanien sei unschlagbar, kommentierte "El Mundo Deportivo". Das Fachblatt "Marca" legte sich fest - nie sei Fußball erfolgreicher gespielt worden. "Die Größten der Geschichte!

233 Titel haben die 23 Spieler aus dem spanischen Kader schon eingeheimst, und das, obwohl niemand unter ihnen älter ist als 32. In Polen und der Ukraine waren die Spanier das Maß aller Dinge (siehe Infoksten). "Wir haben eine große Generation und erleben eine große Ära des spanischen Fußballs", sagte Trainer del Bosque. "Das ist das Ergebnis von Talent, harter Arbeit und einem überragenden Trainer", erklärte Casillas und sah sein Team am Höhepunkt angekommen: "Das ist der wunderschönste Moment des spanischen Fußballs."

Den Deutschland-Bezwinger Italien hatten die Spanier zum fast schon bemitleidenswerten Sparringspartner degradiert. Und zwar in einer derart demütigenden Art, dass so mancher deutscher Fan froh gewesen sein mag: Denn seinem Team blieb dies erspart.