Deutungshoheit der Sponsporen : Warum Ronaldo und Messi beide gerne eine Ziege wären

<p>Ronaldo traf im ersten Spiel gegen Spanien gleich dreimal. </p>

Ronaldo traf im ersten Spiel gegen Spanien gleich dreimal.

Ronaldo vs. Messi, Nike gegen Adidas. Es ist eine weltmeisterliche Schlacht im Zirkus Fußball. Aktuell, nach dem ersten Fernduell in Sotschi und Moskau, führt „CR7“ vor dem „Floh“ aus Barcelona.

shz.de von
17. Juni 2018, 16:39 Uhr

Ronaldo legte am Freitag vor, und viele fragten sich, was es denn mit dem Griff ans Kinn auf sich hatte, als der Portugiese nach seinem ersten Tor sich daran rieb? Eine Art Ziegenbart-Bewegung. Ronaldo traf noch zwei Mal, profitierte dabei von einem Fehler des spanischen Schlussmanns de Gea und zauberte kurz vor Schluss einen Freistoß zum 3:3 in den Winkel. Reals Ronaldo war wirklich großartig in diesem Spiel, und das im Nike-Trikot. Nicht wenige erwarten, dass er nach neun Saisons in Madrid mit 33 Jahren nach China weiterzieht. Ein Riesenmarkt auch für den amerikanischen Sportartikel-Hersteller.

Messi enttäuscht

Und Messi? Der enttäuschte am Samstag beim 1:1 von Argentinien gegen Island. Im Hintergrund flackerte die Werbung von Adidas auf. Goat. „Greatest of all times“. Eine Anspielung auf ihn dürfte das sein.

Als Messi im Spiel gegen Island den Elfmeter zur möglichen 2:1-Führung für die Südamerikaner vergab, da war auch dem letzten klar, dass der „Floh“ keinen guten Einstand in diese WM finden würde. Da gab es noch nicht einmal einen kleinsten gemeinsamen Nenner.

Deutungshoheit der Sponsoren

Für Adidas und Nike geht es auch um die Deutungshoheit mit ihren jeweiligen Werbe-Ikonen. Ronaldos Fanal war gewaltig, eigentlich müsste die Paarung, dieses spektakuläre 3:3, in „Ronaldo vs. Spanien“ umbenannt werden. Sein „Ziegenbart-Jubel“ war aber auch eine ironische Anspielung auf die „Goat-Werbung“ aus Herzogenaurach von Adidas. Denn „Goat“ bedeutet im Englischen auch Ziege. Ein Schelm, der Ronaldo Unwissenheit unterstellt. Zumal sich Messi vor der WM von seinem Sponsor und einem Magazin auch noch mit Ziegen ablichten ließ.

PR-Sieg für Nike

Der erste Spieltag ist ein klarer PR-Sieg für Nike und Ronaldo. Den juristischen Ärger, eine Steuernachzahlung in Höhe von 18,8 Millionen Euro und eine Haftstrafe von zwei Jahren auf Bewährung, schoss der Portugiese mit seinem Dreierpack quasi in einem Spiel weg. Er ist erst der vierte Spieler, der bei vier WM-Turnieren jeweils getroffen hat. Zuvor war das neben Pelé nur Uwe Seeler und WM-Rekordtorschütze Miroslav Klose gelungen. Der Dreierpack gegen Spanien war Nummer 51 seiner Laufbahn. Und er ist der älteste Spieler, dem jemals bei einer WM drei Tore in einem Spiel gelangen. Dem hatte Messi, der nun schon vier seiner letzten sieben Elfmeter vergeigt hat, am Tag darauf nicht viel entgegenzusetzen.

GOAT – es kann nur einen geben

Rein sportlich betrachtet holten beide Teams aber auch nur einen Punkt, für Argentinien geht die Welt nicht wirklich unter nach dem 1:1 gegen Island. Messi, und damit Adidas, können das Ding noch drehen in den nächsten Partien.

Was aber allen klar sein muss: GOAT kann nur einer sein. Muhamed Ali alias Cassius Clay, der größte Boxer aller Zeiten, dessen gesamtgesellschaftliche Bedeutung in den USA und für die Welt unbestritten ist.

Cristiano Ronaldo und Lionel Messi können noch unzählige Tore erzielen und Titel gewinnen sowie von cleveren PR-Agenturen vermarkt werden, für diese Bezeichnung müssen sie noch ganz andere und größere Dinge auf die Beine stellen. Und eigentlich Fußball-Weltmeister werden, das waren bislang weder der 31-Jährige Messi noch Cristiano Ronaldo mit seinen 33 Jahren. Der verstorbene Muhamed Ali dafür mehrfach.

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