Erkenntnisse vom WM-Sonntag : Von irritierten Betreuern und Drohungen aus Brasilien

Serbiens Nemanja Matic (links) will den Ball, den beansprucht aber auch ein Betreuer von Costa Rica.
Serbiens Nemanja Matic (links) will den Ball, den beansprucht aber auch ein Betreuer von Costa Rica.

Wieso Zurücklaufen offensichtlich uncool ist und weshalb man Neymar in Ruhe lassen sollte – Erkenntnisse vom WM-Sonntag.

shz.de von
18. Juni 2018, 11:30 Uhr

Moskau | Auch als erfahrener Fußball-Fan und Sportjournalist lernt man nie aus. Immer wieder überraschen Mannschaften mit interessanten Taktiken, die Spieler zeigen sich auf dem Kopf farbenfroh oder Ergebnisse sind schlichtweg nicht vorauszusagen. Auch der vergangene WM-Sonntag brachte einiges zum Vorschein.

Erkenntnis: Zeitspiel nur bei eigener Führung

Es lief bereits die Nachspielzeit in der Partie zwischen Costa Rica und Serbien am Sonntagnachmittag. Die Europäer führten knapp mit 1:0. Traditionell wird in dieser Situation im Fußball gerne auf Zeit gespielt. Eigentlich wird dieses von der Mannschaft, die führt, praktiziert.

Ein costa-ricanischer Betreuer wollte offensichtlich den Spieß umdrehen und gab den Ball bei einem Einwurf für Serbien nicht heraus. Die Folge: Eine Rudelbildung, die noch mehr Zeit von der Uhr runterlaufen ließ. Am Ende brachte Serbien die Führung ins Ziel.

Erkenntnis: WM-Auftakt? Für Joachim Löw offensichtlich nicht wichtig genug

Bereits vor dem Anpfiff hagelte es Kritik an Joachim Löw. Obwohl Marco Reus (endlich) fit war, musste er zunächst auf der Bank Platz nehmen. Die Begründung, die wohl hinter Löws Entscheidung steckte, machte es wahrlich nicht besser. "Weil wir davon ausgehen, dass das Turnier sehr lang geht und ich vor allem in den wichtigen Spielen...", sagte Reus zu seinem Ersatzspieler-Dasein und unterbrach sich selbst.

Marco Reus wurde von Bundestrainer Joachim Löw zunächst nur auf die Bank gesetzt. Foto: Imago/ULMER Pressebildagentur
ULMER/Markus Ulmer
Marco Reus wurde von Bundestrainer Joachim Löw zunächst nur auf die Bank gesetzt. Foto: Imago/ULMER Pressebildagentur

Bereits in diesem unvollendeten Satz war jedes Wort zu viel. Die vermeintliche Erklärung fällt nicht zugunsten Löws aus. Denn das Ergebnis war eine überraschende 0:1-Niederlage gegen Mexiko zum WM-Auftakt. Sollte Deutschland auch die weiteren Spiele gegen Schweden und Südkorea als nicht wichtig genug betrachten, wird es für eine durchaus lange Zeit keine wichtigen Spiele mehr für Deutschland geben.
 

Erkenntnis: Zurücklaufen ist uncool

Mexikos Angreifer waren offensichtlich sehr überrascht, als sie im Minutentakt auf die einsamen Mats Hummels und Jerome Boateng zuliefen. Anders konnte man sich die schlechte Chancenverwertung nicht erklären. Jeder Konter wirkte gefährlicher als die Angriffe des DFB-Teams. Der Grund: Kaum jemand lief nach eigenem Ballverlust zurück – allen voran Joshua Kimmich. Der Rechtsverteidiger schaltete sich in der Offensive ein, soweit so gut. Das Problem lag jedoch in der Rückwärtsbewegung, die fand bei Kimmich kaum bis gar nicht statt. Auch seine Teamkollegen sahen es nicht unbedingt als beachtenswert an, Hummels und Boateng zu unterstützen. Ist das altmodische Zurücklaufen uncool geworden? Offensichtlich.

Erkenntnis: Wenn du Neymar angreifst, solltest du keine Ferien in Brasilien machen

Brasiliens Superstar Neymar blieb beim 1:1 gegen die Schweiz blass, trotz seiner neuen "Spaghetti-Frisur". Einen großen Anteil daran hatte sein Gegenspieler Valon Behrami. Der Schweizer, der gerne mal robust in die Zweikämpfe geht, brachte Neymar schier zur Verzweiflung. Immer wieder beackerte Behrami den Brasilianer – auch mit unfairen Mitteln. Behrami gewann somit nicht den Beliebtheitspreis bei den brasilianischen Anhängern.

Another chapter begins #worldcup

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Vor allem auf Behramis Instagram-Account entlud sich die Wut. "Falls du mal in Brasilien Ferien machst, werden wir dich kriegen" oder "Wer sich mit Neymar anlegt, legt sich auch mit uns an" waren nur zwei von tausenden Kommentaren.
 

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